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Sportstätte Kante und das Parken

Die Stadt Pulsnitz ringt mit zwei Problemen: einem maroden Gebäude und fehlenden Stellplätzen. Nun will sie mit den Bürgern reden.

© Reiner Hanke

Von Reiner Hanke

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Pulsnitz. Regelmäßig purzeln auf den Bahnen im Erdgeschoss der Pulsnitzer Sportstätte Kante die Kegel. Die ist recht gut in Schuss. Auch neue Fenster wurden mal eingebaut. Aber die Kegelanlage ist wohl so ziemlich das Einzige, was intakt an dem Gebäude ist. Die Zukunft des Baus ist seit Jahren ungewiss. Die Sportler fürchten um ihre Räume.

Vor Jahren war schon einmal die Sanierung geplant. Doch die erhofften Fördermittel blieben aus. Von 1,5 Millionen Euro Sanierungskosten war die Rede. Weniger ist es in der Zwischenzeit garantiert nicht geworden. So ist auch der Abriss immer wieder Thema. Doch was wird dann aus den Sportlern, vom Tischtennis und Schach zum Beispiel und insbesondere den Keglern? Durch die Stadt wabern die unterschiedlichsten Gerüchte. Die will deshalb jetzt bei einer Einwohnerversammlung im März den aktuellen Stand erklären. Wobei das Thema Sportstätte mit anderen städtischen Baustellen verwoben ist. Dazu gehört das Energiemanagement. Die Kante ist ein Energiefresser, extrem teuer. Vielzuviel Energie gehe durchs Dach nach draußen. Eine Folge des Sanierungsstaus. Zudem hat Pulsnitz ein hochgradiges Parkproblem. Das beklagten erst vor ein paar Tagen Mieter der Robert-Koch-Passage und auch ein Leser in einem Brief. So ist das Gelände der Kante auch als Standort für ein Parkdeck im Gespräch und würde als Sportstätte wegfallen. Das ist sogar bereits so im Stadtentwicklungskonzept festgehalten. Es sei das einzige verfügbare innenstadtnahe Gelände, um die Situation zu entspannen. Dabei gehe es vor allem um Dauerparker, um Pendler und Anwohner. „Die Beschäftigten der Unternehmen müssen ihre Autos irgendwo abstellen können“, sagt Bürgermeisterin Barbara Lüke. Und das sind auch große Firmen, wie das Callcenter. Die Firmen könne die Stadt nicht verprellen. Sie könne weder auf die Jobs, noch die finanziellen Einnahmen verzichten, um auch Geld für die Bürger ausgeben zu können.

Derzeit gebe es einen Bedarf von 864 Stellplätzen. Aber nur gut die Hälfte ist vorhanden. Dass das für Unmut sorgt, ist klar. Anwohnerparkausweise seien aber auch keine Lösung, heißt es. Die würden den Unmut noch steigern. Voraussetzung wäre ein Mindestmaß an möglichen Stellplätzen. Das sei eben nicht vorhanden.

Wohin mit den Autos?

Um etwas Druck aus dem Parkproblem zu nehmen, gebe es eine Übereinkunft mit dem Eigentümer des früheren Geländes der Firma Scanbelt an der Liebknechtstraße. Dort parken derzeit Firmen-Mitarbeiter. Aber eigentlich sollen ja Wohnungen entstehen. Um das Thema wurde lange genug gestritten. Wohnungen werden ebenso gebraucht. „Das ist richtig, aber derzeit sind wir froh über die Entlastung beim Parken“, so Barbara Lüke. Sonst wäre der Druck auf den Standort Kante noch größer.

Sie habe Verständnis für die sportliche Tradition in der Kante, doch auch für den Ärger über fehlende Parkplätze, so Barbara Lüke. Aber wohin sollen dann die Autos? Außerdem sei das Gebäude eine Katastrophe. Die Bürgermeisterin legt ein paar Holzstücke vom Dachgebälk auf den Tisch. Die zerbröseln wie Pfefferkuchen. Der Schwamm ist im Holz. „Bei etwas mehr Schneelast in diesem Winter, hätten wir das Gebäude sperren müssen.“ Das Gebäude ist auf Schwemmsand gebaut. Es gibt Setzungsrisse, durch die kann man durchgucken. Oft müssen Pumpen im Keller laufen, die das Gebäude trocken halten. Außerdem wurde Asbest verbaut. In einem Aufgang wachsen Pilze aus der Decke. Ein Raum musste vernagelt werden. In dem Anbau der früheren Fleischerei ist die Decke heruntergebrochen. Der Zustand des Mauerwerks ist noch nicht klar. So sollen an dem Abend auch Leute zu Wort kommen, die den Zustand der Kante kennen, wie der Dachdecker. Das Dach könne wohl nur noch abgerissen werden. „Man kann alles sanieren, aber zu welchem Preis?“, sagt die Rathauschefin. Die Stadt zweifelt, dass es Sinn habe. Denn eine moderne Sportstätte würde aus dem ehemaligen Ballhaus dennoch nie werden. Sollte die Stadt dennoch sanieren, bliebe das Parkproblem, insbesondere die Dauerparker. Bis 2020, so war die Perspektive vorgezeichnet, sollte das Parkdeck stehen.

Sportstätte kaum entbehrlich

Derzeit wäre die Sportstätte aber wohl kaum entbehrlich. Fest steht zugleich, das Gebäude ist baufällig. So habe die Stadt auch begonnen, nach anderen Räumen für die Vereine zu schauen. Die würden schon bei einer größeren Havarie gebraucht. Bis Lösungen gefunden sind, sei es ein weiter Weg, schätzt man im Rathaus ein. „Aber die Sorge um ihre Trainingsräume schwelt natürlich in den Köpfen der Sportler“, sagt die Bürgermeisterin. Im Gespräch sind zum Beispiel Räume auf der Goethestraße, wo früher die Bibliothek war. Es wäre vielleicht eine Variante für die Schachsportler, aber schon gar nicht für die Kegler. Für sie gibt es derzeit noch keine Alternative. Es münde letztlich auch in der Frage, wie viele Sportstätten braucht die Stadt und braucht sie Sportstätte Kante. Denn aus deren Sicht sei auch bei einigen Sportvereinen der Nachwuchs rückläufig. Positiv sei ein anderer Trend. Pulsnitz befinde sich in einer Wachstumsregion im Großraum Dresden und habe alle Voraussetzungen zur Entwicklung. Mehr Kinder könnten perspektivisch auch mehr Sporthallen bedeuten. Aber so lange kann die Stadt nicht warten, um aktuelle Probleme zu lösen, wie die Parknot. Ein Teufelskreis, momentan ohne Lösung. So habe die kommende Veranstaltung auch den Hintergrund, Ideen zu sammeln und zu erfahren, wie die Leute denken. Und einer Lösung näher zu kommen, wie sich die Parkprobleme und die Bedürfnisse der Sportler in Einklang bringen lassen.

Forum: 13. März, 19 Uhr, Schützenhaus