merken

Spotify geht an die Börse

Der Preis der Aktie bleibt bis zum Verkaufsstart unklar. Anleger hoffen auf einen Raketenstart.

© dpa

Von André Anwar, SZ-Korrespondent in Stockholm

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Was? Ein Suzuki? Klar, ist cool!

Viel Esprit und frischer Charme - deshalb ist das Energiebündel Suzuki Swift so beliebt.

Dass Spotify an die Börse geht, „ist völlig aus der Luft gegriffen“, dementierte Spotify-Mitgründer Martin Lorentzon noch im Juni 2017 entschieden Mediengerüchte. Warum er das tat, ist unklar. Vielleicht war sein Gründerkompagnon Daniel Ek anderer Meinung. Denn seit Mittwoch ist es ganz offiziell. Da hat der weltgrößte Musikstreamingdienst aus Schweden eine Börsennotierung in New York beantragt. Die Aktien sollen unter dem Kurznamen „Spot“ laufen. Es sei „großartig, die Katze aus dem Sack zu haben“, twitterte Ek.

Investoren reiben sich bereits die Finger und hoffen auf eine ähnlich rasante Erfolgsgeschichte wie beim Börsengang vom Videostreamingdienst „Netflix“. Wann die Spotify-Aktien auf den Markt kommen, ist unklar. Das Wall Street Journal rechnet mit der „Woche des 26. März“. Europäische Anleger werden die Aktie dann über ihre für gewöhnlich in New York vertretenen einheimischen Banken kaufen können. Doch das Risiko wurde am Donnerstag in der schwedischen Wirtschaftspresse als hoch beschrieben.

Denn der Preis der Spotify Aktie bleibt völlig unklar. Spotify hat mit einer „Direktnotierung“ einen ungewöhnlichen Weg an die Börse gewählt. Statt Banken damit zu beauftragen, vorab schon Käufer zu finden und so einen Marktpreis vorzubereiten, bietet Spotify die Aktien direkt an. Weil Bankgebühren wegfallen, ist das viel billiger. Banken befürchten bereits, dass Spotifys Direktnotierung (etwa bei einem vermuteten zukünftigen Börsengang von „Airbnb“ oder „Uber“) Schule machen könnte und damit als Einnahmequelle versickert. Für den Aktienpreis von Spotify bedeutet die Direktnotierung, dass er sich erst am Handelstag selbst je nach Stimmung einpendeln wird.

Einige Sorgen um die Zukunft

Zudem wird Spotify auch nur bereits bestehende Firmenanteile verkaufen. Die Ausgabe von brandneuen Aktien ist zunächst nicht vorgesehen. Im Börsenantrag schreibt Spotify, dass die Aktien vom ersten Januar bis 22. Februar außerhalb der Börse zwischen 90 und 132,50 Dollar pro Stück verkauft wurden. Damit würde Spotify einen Börsenwert zwischen 15,9 und 23,4 Milliarden Dollar erreichen. Je nach Stimmung, könnte der Aktienkurs am ersten Verkaufstag aber auch viel höher oder niedriger ausfallen, abhängig auch von der Bereitschaft der gegenwärtigen Aktieneigentümer zum Verkauf. Gründer Ek hielt am 22. Februar 23,8 Prozent, Mitgründer Lorentzon 12,4 Prozent. Von den drei großen Musikfirmen hat Sony Music den größten Anteil mit 5,4 Prozent.

Tatsächlich gibt es viele Fragezeichen zur Zukunft von Spotify. Denn mit dem Monopolisten und Börsenwunder Facebook lässt sich der 2006 gegründete Dienst, mit dem Musik direkt aus dem Internet in Handys und Computern abgespielt werden kann, nicht vergleichen. Mit Apple Music und ähnlichen Anbietern wird die Konkurrenz auf dem Musikstreamingmarkt derzeit immer härter. Branchenpionier Spotify ist zwar mit 71 Millionen zahlenden Kunden monatlich Ende 2017 der größte der Welt gewesen. Doch Apple Music kommt bereits auf 36 Millionen zahlende Kunden und erreichte damit in nur drei Jahren 50 Prozent des Abokundenstamms, den Spotify mühsam in zehn Jahren aufbaute. Spotify hat dank einer Gratisversion mit Werbung (die Apple derzeit nicht hat) jedoch laut eigenen Angaben noch weitere 88 Millionen Nutzer im Monat, die nichts bezahlen. Da steckt viel Potenzial.

Das größte Problem bleibt. Spotify kommt trotz traumhafter Wachstumsraten nicht aus den roten Zahlen. Laut dem Börsenantrag in New York stieg der Umsatz 2017 zum Vorjahr um fast 39 Prozent Euro auf 4,1 Milliarden Euro. Der Cashflow stieg um 36 Millionen Euro auf 109 Millionen Euro 2017. Doch der Gesamtverlust nahm von 539 Millionen 2016 auf 1,24 Milliarden Euro 2017 zu, was aber auch auf eine Milliardenfinanzierung von 2016 zurückgeht, die nun in Firmenanteile umgewandelt wurde. Spotify gehe vor allem an die Börse, um sich sein langfristiges Überleben, angesichts immer härter werdender Konkurrenzsituation, durch neue Geldquellen zu sichern, kommentierte die Zeitung Expressen. Spotify kann über einen hohen Aktienkurs Geld reinholen oder zu einem späteren Zeitpunkt neue Aktien ausgeben. Auch Kredite sind so einfacher zu bekommen. Das alleine werde nicht ausreichen, so das Blatt. Es sei auch zu erwarten, dass Spotify langfristig die Abonnement-Preise für Endkunden deutlich erhöhen wird, glaubt er.