Merken

„Sprachstörungen sehe ich als wirkliches Problem“

Steht es wirklich so schlecht um die Kinder im Kreis? Eine Ärztin beurteilt die Ergebnisse – und gibt auch eine Entwarnung.

Teilen
Folgen
© privat

Frau Thieme, die Ergebnisse der jugendärztlichen Untersuchungen sind besorgniserregend. Wie kommt es, dass so viele Kinder Zahnprobleme haben?

Zwischen 2003/2004 und 2014/2015 sehen wir, was die gesunden Gebisse angeht, im Gegenteil sogar eine deutliche Verbesserung der Zahl um fünf Prozent. Das können wir also erst mal als Erfolg werten. Leider steigt aber der Anteil von Kindern, die viele kariöse Milchzähne haben. Ich sehe es als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Familien und Kindern bewusst zu machen, wie wichtig die Gesundheit ihrer eigenen Zähne ist. Das beginnt beim gemeinsamen Zähneputzen in der Kita.

Von den Kita-Kindern haben 40 Prozent auch Sprachentwicklungsprobleme.

Dass so viele der Schulanfänger Sprachstörungen haben, sehe ich als wirkliches Problem. Wir müssen die Zahl aber etwas relativieren, weil statistisch auch leichte Aussprachestörungen erfasst werden. Wir Jugendärzte empfehlen, die Lebenswelt der Kinder zu Hause und in der Kita sprachfördernd zu gestalten, da Sprachentwicklungsstörungen Auswirkungen auf den Lernerfolg in der Schule haben können.

Jeder zehnte Schulanfänger ist zu dick. Hat sich der Trend zu Übergewicht bei Kindern noch verschärft?

Das beobachten wir in der Tat seit längerer Zeit. Ich denke, das Umsetzen eines gesunden Ernährungsverhaltens und Bewegung im Alltag könnten hier Abhilfe schaffen.

Sieht es wirklich nur bei uns so düster aus – oder haben andere Landkreise ganz ähnliche Probleme?

Was die Sprache betrifft, ist es ähnlich, wenn man den Sachsenvergleich zieht.

Und wie sieht es bei den anderen angesprochenen Problemen aus?

Auch bei Zahnproblemen und Auffälligkeiten im Bereich der Feinmotorik und Koordination sind wir ungefähr im Sachsendurchschnitt.

Das Gespräch führte Dominique Bielmeier.