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Zittau

Sprengstoffanschlag in Zittau: Wer war es?

Ramona Gehring wird die Erinnerung an die Explosion an ihrem Wohnzimmerfenster auch nach einem Jahr nicht los. Die Ermittlungen laufen.

Ramona Gehring am Tag nach der Explosion vor einem Jahr. Unbekannte hatten Sprengstoff in das Wohnzimmerfenster der Zittauerin geworfen.
Ramona Gehring am Tag nach der Explosion vor einem Jahr. Unbekannte hatten Sprengstoff in das Wohnzimmerfenster der Zittauerin geworfen. © LausitzNews.de/Toni Lehder

Es ist Dienstag, der 23. Juli 2019, genau 23.11 Uhr, als ein gewaltiger Knall viele Zittauer aus dem Schlaf reißt. In den Fenstern eines Mehrfamilienhauses bersten Scheiben und splittert Holz. Unbekannte haben einen Sprengsatz in ein Fenster der Wohnung von Ramona Gehring geworfen. 

Die 56-Jährige ist aktives Mitglied der Linken in Zittau, hat in der letzten Wahlperiode im Stadtrat gesessen. Sie ist bekannt dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt und laut und offen ihre Meinung sagt. Ist deswegen ein Anschlag auf sie verübt worden?

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Ramona Gehring weiß das bis heute nicht. "Aber es hat ja nahe gelegen", sagt sie. Bis heute lässt sie die Erinnerung an diese Explosion nicht los. Die Fenster sind längst wieder gekittet, das Haus hat inzwischen einen neuen Besitzer, Ramona Gehring hat sich in ihrer politischen Einstellung auch nicht einschüchtern lassen, sagt sie. Und doch lasse sie die Erinnerung auch nach einem Jahr nicht los.   

Der Fall liegt noch immer bei den Ermittlern des Landeskriminalamts (LKA). Kriminalisten der Soko Rex haben ihn auf dem Tisch. "Wir ziehen in Betracht, das es sich um einen politisch motivierten Anschlag gehandelt hat", sagt Tom Bernhardt vom LKA. 

Bisher konnte allerdings kein Tatverdächtiger ermittelt werden, bestätigt der Sprecher. Aber es gebe auch nach einem Jahr noch Chancen, den oder die Täter zu überführen. Dem LKA liegen kriminaltechnische Erkenntnisse über den Sprengstoff vor, der bei dem Anschlag verwendet worden ist. 

Worum es sich bei dem Sprengsatz gehandelt hat, das will Tom Bernhardt mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht sagen. Und auch sonst hält sich der Sprecher mit Aussagen zurück. Nur so viel: Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht zu den Akten gelegt. Es gebe noch keinen Grund, es einzustellen.

Ramona Gehring wäre froh, wenn die Täter irgendwann noch erwischt würden. Aber Hoffnung habe sie da wenig, sagt sie. Sie ist hellhöriger geworden seitdem, guckt sich um, ob ihr jemand folgt, sieht noch mal aus dem Fenster, ehe sie sich schlafen legt. 

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Der Anschlag auf die Wohnung von Ramona Gehring hatte in Zittau für große Diskussionen gesorgt. Eine - möglicherweise politisch motivierte - Auseinandersetzung in dieser Brutalität, ohne Rücksicht auf die Gesundheit oder gar das Leben von Menschen, hatte es zuvor noch nicht gegeben. Und auch danach nicht mehr.

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