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Spritzguss aus der Goldenen Edition

Ulrike Scholz vom Werkzeugbau Behla hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Doch ihre Investition stärkt den kleinen Arbeitgeber.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Ebersbach. Neue Maschinen gab es immer im Werkzeugbau Behla, den Ulrike Scholzes Vater Karl-Otto 1955 gründete – vor allem seit dem Umbau vor zehn Jahren. Doch mit dem neuen Vollautomaten ist es eine besondere Geschichte. Nicht nur, dass die Bestellung des rund 80 000 Euro teuren Gerätes zur Plastikteile-Herstellung mit zwei einschneidenden persönlichen Ereignissen der Ebersbacherin zusammenfiel: dem Tod ihres Mannes und der Geburt eines Enkelchens. Die Maschine sorgte für weiteren Wirbel in der 15-Mann-Firma.

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Sie sollte zwei kleinere Spritzgießmaschinen ersetzen. Nachdem aber die Bestellung beim deutschen Marktführer Arburg auf die Ebersbacher Ansprüche konfiguriert wurde, erhielten Ulrike Scholz und ihr Bruder und Mitgesellschafter Joachim einen Anruf aus Freital. Dort ging ein Kollege in Rente und gab zwei ähnliche Maschinen mit vielen Zusatzgeräten ab – für wenig Geld. Kurzzeitig dachten die Ebersbacher daran, den neuen Vollautomaten wieder abzubestellen. „Es war eine Entscheidung zwischen zweimal Luftholen“, schildert Ulrike Scholz die Dramatik. Letztlich votierten die Unternehmer für alles, die Bestellung und den Nachlass – auch weil sie Platz haben in der großen Scheune.

Elektroanschluss völlig unpassend

Doch damit waren die Turbulenzen nicht zu Ende. Es stellte sich nach Lieferung heraus, dass die neue Wundermaschine einen viel höheren Stromverbrauch hat, als angegeben. „War in der Beschreibung von 25 Kilowatt Leistung die Rede, kamen durch die vielen Zusatzteile tatsächlich fast 69 Kilowatt zusammen“, so Ulrike Scholz. Der bisherige Stromanschluss wäre also überhaupt nicht mehr nutzbar gewesen.

Wieder mussten die Ebersbacher grübeln und hatten einige schlaflose Nächte. Aber auch einen starken Partner: das Großenhainer Elektrozentrum EZG. „Die haben uns ganz schnell unterstützt und einen neuen Maschinenanschluss sowie einen neuen Trafo gebaut“, berichtet Scholz. Das war über den Jahreswechsel. „Unsere Kunden scharrten schon mit den Hufen, wir können jetzt unser Auftragsvolumen vervielfachen“, freut sich die Ebersbacherin.

Etwa 120 Firmen in Sachsen und Südbrandenburg werden vom Werkzeugbau Behla beliefert, zum Beispiel die Druckerei Vetters aus Radeburg mit schnellen Ersatzteilen. Die zweite Schiene ist eben die Spritzgießerei. Die Plastikteile, die jetzt sogar zu viert gleichzeitig aus dem neuen Vollautomaten auf ein Laufband purzeln, können bis zu 180 Gramm schwer sein – zum Beispiel Schüsseln, Gehäuse oder technische Teile. Dazu verfügt die Maschine über 150 Tonnen Schließkraft, die beim Spritzgießen den Gegendruckdruck herstellt. „Das hat im Umkreis nicht jeder“, ist Scholz stolz. Ihre bisherigen Maschinen verfügten nur etwa über die Hälfte.

Der Vorteil der neuen Wundertechnik, die die Aufschrift Golden Edition trägt, sind außerdem zwei hydraulische Steuerungsmöglichkeiten für Seitenschieber. Damit ist eine größere Produktpalette möglich. Die Werkzeuge zur Herstellung der jeweiligen Form produziert die Ebersbacher Firma gleich mit, im Werkzeugbau nebenan. Gerade fallen blaue Bretterclips in eine große Kiste. Die Technik kann rund um die Uhr vollautomatisch betrieben werden. Tagsüber hat Ulrike Scholz hier aber vier Frauen beschäftigt mit flexiblen Arbeitszeiten. „Ich bin froh, dass ich die Mitarbeiterinnen habe, deshalb haben sie flexible Arbeitszeiten“, sagt die Geschäftsführerin. Freitags geht es nur bis Mittag, da können die Frauen auch ihren Familienverpflichtungen nachkommen. Das treffe auch für zwei junge Väter im Werkzeugbau zu. Auch sie seien dadurch besser für die Arbeit motiviert.

Keine Förderung beantragt

Die neue Investition finanzieren die Ebersbacher ganz ohne Zuschuss. „Damit verschenken wir zwar 35 Prozent vom Maschinenwert“, so Ulrike Scholz. Doch die bürokratischen Vorgaben haben ihr nicht gepasst. Dazu hätte höhere Eigenmittel einsetzen müssen, als es ihr möglich ist. „Früher habe ich schon mal Anträge bei der Sächsischen Aufbaubank mit Riesenaufwand ausgefüllt, das mache ich nicht mehr“, so die Geschäftsführerin kategorisch. Der Jahresumsatz der Firma liegt bei 600 000 Euro.

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