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Spur der Ahnen führt nach Leisnig

Eine Frau aus Russland sucht nach möglichen Verwandten in Deutschland. Ihr Großvater war einige Zeit Soldat in Leisnig und hat hier einen Sohn gezeugt.

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© DA-Archiv

Von Heike Heisig

Leisnig/Dresden. Die Stiftung Sächsischer Gedenkstätten hat ein ungewöhnlicher Hilferuf ereilt, wie der Leiter der Dokumentationsstelle Dresden, Dr. Bert Pampel, dem Döbelner Anzeiger berichtet. Eine Frau aus Russland hat sich an die Stiftung gewendet und um Unterstützung bei der Suche von möglichen Verwandten in Deutschland gebeten. Dabei könnten vielleicht sogar die Leser des Döbelner Anzeigers weiterhelfen, hofft Bert Pampel. Dass die Chancen gering sind, ist ihm durchaus bewusst. Trotzdem will er nichts unversucht lassen.

Viel weiß die Russin von ihrem Großvater Weniamin Kirilowitsch Tichonow nicht. Außer, dass er 1925 in Tschurin (Udmurtien) in der damaligen UdSSR geboren worden ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der damals 20-Jährige als Soldat der Besatzungsmacht in Deutschland und hat in Leisnig gedient. „Der Ort steht als einziger Hinweis auf dem beistehenden Foto“, so der Leiter der Dokumentationsstelle. Bekannt sei zudem, dass der junge Weniamin eine Liebesbeziehung mit einer deutschen Frau namens Gelli oder Gella, vermutlich aber Angelika, gehabt hat. Daraus soll ein Sohn hervorgegangen sein. „Er wurde zwischen 1945 und 1947 geboren. Die Eltern des Kindes mussten sich trennen“, berichtet Pampel weiter. Verbindungen zwischen Deutschen und Sowjets waren damals unerwünscht.

Möglicherweise hat jemand das nebenstehende Foto Tichonows schon einmal gesehen. Vielleicht gerahmt, in einem Album oder im Nachlass von Groß- oder Urgroßeltern. Wer hat aus Erzählungen von einer Frau gehört, die von einem in Leisnig stationierten Russen mit Namen Weniamin ein Kind bekommen hat? Jeder Hinweis könnte helfen.

Ein anderer möglicher Weg ist, das Standesamt in Leisnig zu bemühen. Das hat die alten Unterlagen nach wie vor parat, könnte mit Daten helfen, sofern der Soldat als Vater in der Geburtsurkunde eingetragen worden ist. „Dafür allerdings müssen sich die direkten Vor- oder Nachfahren an uns wenden“, erklärt Standesbeamtin Annett Fischer.

Diesen Vorschlag will der Leiter der Dokumentationsstelle Dresden an die Enkeltochter des früheren Soldaten weitergeben. Dass jemand seine Hilfe für eine Familienzusammenführung benötigt, „das ist sehr selten und gehört eigentlich auch nicht zu unseren Aufgaben“, schildert Bert Pampel. Die meisten Anfragen, die bei der Stiftung Sächsische Gedenkstätten eingingen, beschäftigten sich damit, dass Nachweise über eine Zeit in Kriegsgefangenschaft oder einem sächsischen Zwangsarbeitslager benötigt werden. Das sei häufig der Fall, wenn Entschädigungen beantragt werden sollen.

Entsprechende Nachweise findet die Stiftung selbst mitunter in einer eigenen Kartei aus Wehrmachtszeiten. Bringt die Suche dort nichts, verweisen die Dresdener Mitarbeiter an verschiedene andere Stellen. So zum Beispiel an die Deutsche Dienststelle (WASt) für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht in Berlin. Auch zum Internationalen Roten Kreuz gebe es eine Weitervermittlung von Anfragen, die in Dresden nicht beantwortet werden können.

Wer Hinweise über Weniamin Kirilowitsch Tichonows Zeit in Leisnig geben kann oder etwas über den Verbleib seiner Freundin, des Sohnes und dessen Familie weiß, kann sich an den Döbelner Anzeiger wenden: Tel. 03431/719413, Mail: [email protected]. Wir leiten jede Nachricht an die Stiftung weiter.