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Putin billigte wohl Litwinenko-Mord

Der einstige Geheimdienstchef und heutige russische Präsident soll hinter der Ermordung von Alexander Litwinenko stecken.

© Getty Images

Von Jochen Wittmann, SZ-Korrespondent in London

London. Derart deutliche Worte hatte man nicht erwartet. Der russische Präsident Wladimir Putin wird von einem britischen Richter in direkten Zusammenhang mit der Ermordung des Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko gebracht. „Die FSB-Operation zur Tötung Litwinenkos“, erklärte Sir Robert Owen, der eine richterliche Untersuchung in dem Fall leitete, „wurde wahrscheinlich von Herrn Patruschew [dem damaligen Chef des Geheimdienstes FSB] und auch von Präsident Putin gebilligt.“

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Alexander Litwinenko, 1998.
Alexander Litwinenko, 1998. © Reuters
Hat Russlands Präsident Putin dem Mord an einem Kreml-Kritiker zugestimmt?
Hat Russlands Präsident Putin dem Mord an einem Kreml-Kritiker zugestimmt? © Reuters

Der Fall Litwinenko beschäftigt die britische Justiz schon seit neun Jahren. Im November 2006 wurde der Exil-Russe in London durch die Verabreichung des radioaktiven Isotops Polonium 210 vergiftet. Drei Wochen dauerte es, bis sich das Gift durch seinen Körper fraß und Litwinenko einen qualvollen Tod fand. Noch auf dem Totenbett hatte er Putin für den Mord verantwortlich gemacht.

Litwinenko war ehemaliger Oberstleutnant des russischen Geheimdienstes FSB. Er überwarf sich mit dem damaligen FSB-Chef Putin, als er sich 1998 über interne Korruptionsfälle beschwerte. Litwinenko flüchtete im Jahr 2000 nach Großbritannien und bekam politisches Asyl. Er hatte in der Folge in mehreren Büchern schwere Anschuldigungen gegen den FSB und gegen Putin erhoben – unter anderem, dass der russische Geheimdienst unliebsame Dissidenten per Auftragsmord aus dem Wege zu schaffen versuche. Genau dieses Schicksal hat ihn selbst ereilt.

Richter Owen ließ keinen Zweifel an seiner Überzeugung, dass seine Vergiftung staatlich sanktioniert war. Die Täter, die er benennt, sind Andrei Lugowoi, ein früherer Kollege vom FSB, und Dmitri Kowtun. Die beiden Russen trafen Litwinenko am 1. November 2006 im „Millennium-Hotel“ zum Tee. In der Teekanne fanden sich später Spuren von Polonium 210.

Lugowoi war tags zuvor von Moskau nach London eingeflogen. An Bord des Flugzeuges, das er benutzte, wurden Polonium-Spuren gefunden. Zusammen mit russischen Freunden sah er sich am Abend des 1. November ein Fußballspiel zwischen ZSKA Moskau und FC Arsenal an – auf ihren Sitzplätzen im Stadion entdeckte man ebenfalls die radioaktive Substanz. Auch ein Zimmer im „Parkes Hotel“, in dem sich Lugowoi bei einem früheren London-Besuch am 16. Oktober aufhielt, testete positiv für Polonium.

Die richterliche Untersuchung, hieß es aus Moskau, sei „voreingenommen“ und „politisch motiviert“ gewesen. Die Witwe des Ermordeten, Marina Litwinenko, forderte am Donnerstag in einem persönlichen Statement vor dem Gericht politische Kosequenzen. Es sei „undenkbar“, sagte sie, wenn der Premier David Cameron „nichts täte angesichts der vernichtenden Ergebnisse“, zu denen Sir Owen gekommen sei. Sie verlangte die Ausweisung von FSB-Agenten und Mitarbeitern anderer russischer Geheimdienste sowie „gezielte wirtschaftliche Sanktionen und Reiseverbote gegen genannte Individuen“.

So weit wird es wohl nicht kommen. Vor dem Unterhaus verurteilte Innenministerin Theresa May zwar den „eklatanten und fundamentalen Bruch der Grundsätze internationalen Rechts“. Praktische Konsequenzen sind aber lediglich die Einbestellung des russischen Botschafters, die Ausstellung von internationalen Haftbefehlen für Lugowoi und Kowtun sowie das Einfrieren ihrer Vermögenswerte.