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Spuren in der ganzen Stadt

Dresdens Baywobau-Chef Berndt Dietze feiert seinen 75. Geburtstag. Er hat noch viel vor.

© Sven Ellger

Von Bettina Klemm

Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Was schenkt man seinem Chef zum 75. Geburtstag? Sekretärin Ute Böhm und 18 Mitarbeiter haben sich für eine Chronik entschieden. Auf über 150 Seiten stellen sie Fotos und kurze Texte zum Wirken der Baywobau Dresden und deren Geschäftsführer Berndt Dietze zusammen. Viele verbinden seinen Namen mit dem Neumarkt, dem Lahmann- und dem Königspark sowie mit Projekten am Postplatz. Aber die Baywobau hinterließ in nahezu allen Dresdner Stadtteilen Spuren.

So sagt Steffen Hanschmann, der die Niederlassung in Berlin leitet, wohl zu Recht: „Mit den nie versiegenden Ideen, dem geradezu unerschöpflichen persönlichen Engagement sowie der Fähigkeit, andere zu begeistern und mitzureißen, hat Berndt Dietze einen maßgeblichen Anteil am gedeihlichen Wachsen unserer Heimatstadt Dresden“. Als das familiengeführte Münchener Immobilienunternehmen Baywobau vor mehr als 25 Jahren in Dresden Geschäftsführer suchte, hatten Dietze und Hanschmann vom Firmengründer Volker Hofmann den Zuschlag bekommen.

Zu DDR-Zeiten war Dietze in der Möbelbranche tätig. Als Kind eines Baumeisters wurde er auch auf Baustellen groß. Gleich dreimal studierte er: Holztechnik, Maschinenbau und Informatik. All diese Erfahrungen und sein Organisationstalent halfen ihm im neuen Job.

Bereits 1993 übergab die Baywobau Dresden die ersten neuen Wohnungen. „Wir haben mit 22 an der Wächterstraße in Kaditz und 16 am Lahmannring auf dem Weißen Hirsch begonnen“, erinnert sich Dietze. Ende der 1990er-Jahre konzentrierte sich die Baywobau auf die Sanierung maroder Altbauten. Hinzu kamen Baugrundstücke und das Errichten von Reihen- und Doppelhäusern. Mehr als 2 000 Wohnungen und Eigenheime tragen inzwischen den Stempel des Unternehmens. Dabei sind die großen, oben genannten Projekte noch gar nicht eingerechnet.

Seinen 70. Geburtstag hat Dietze mit dem ersten Baggerhub für den Lahmann-Park verbunden. Inzwischen sind dort fast alle historischen Bauten aus der Zeit des bekannten Kurarztes saniert und durch Neubauten ergänzt worden.

Ende vergangenen Jahres ehrte der Fiabci, der weltweit wirkende Dachverband für die Immobilienwirtschaft, den Lahmann-Park mit seinem Silber-Award – ein „Oscar“ der Bauwirtschaft, wie es in der Branche heißt. Die Anerkennung seiner Arbeit bedeutet Dietze viel. Der gebürtige Cunnersdorfer fühlt sich als echter Dresdner. Ein Stück vom alten Dresden zurückzubringen und gleichzeitig modernes Wohnen zu schaffen, betrachtet er als Herzensangelegenheit. Dafür geht er Risiken ein, versucht mit Beharrlichkeit, Schwierigkeiten zu überwinden. So mancher Mitarbeiter in der Stadtverwaltung und so mancher Stadtrat kennt das gut.

Dietze hat eine konservative Weltsicht, doch er sucht immer mit allen Fraktionen das Gespräch. Aufgeben gibt es für ihn nicht. So manche Diskussion hat auch Grünen-Stadtrat Thomas Löser mit dem Baywobau-Chef geführt. Naturgemäß stimmten ihre Ansichten oft nicht überein. „Ich erinnere mich noch gut daran, dass Herr Dietze geschimpft hat wie ein Rohrspatz, als wir für das Lahmann-Sanatorium einen Bebauungsplan gefordert haben, damit wir auch die Themen Baum-Erhalt und Fledermäuse fachlich gut klären konnten“, erklärt Löser. „Am Ende hat er sich dann so in das Fledermaus-Thema verliebt, dass er uns tausend Sachen darüber erzählen konnte. Das ist doch einfach liebenswert.“

Dietze sei fair, bei ihm komme jeder Mitarbeiter zu Wort und könne sich durchsetzen, wenn er die besseren Argumente hat, schätzt Ute Böhm ein. Architekt Thomas Knerer empfindet die Zusammenarbeit mit Berndt Dietze als besonders angenehm, „weil er sich als Bauherr immer persönlich engagiert. Heutzutage haben wir als Architekten häufig mit Institutionen als Auftraggeber zu tun, deren Mitarbeiter zwar die Funktion von Bauherren übernehmen, die aber im Grunde nicht persönlich betroffen und engagiert sind“, sagt er. Das sei bei Herrn Dietze ganz anders, der vertrete zwar ab und an sehr vehement seine Meinung, aber er höre seinen Planern zu und vertraue ihnen.

Seinen 75. Geburtstag hätte Dietze gern mit dem Beginn zur Vollendung der Schlossstraße verbunden. Doch bei diesem Projekt gibt es ein Problem nach dem anderen. Besonders bei einer Lösung für den Schallschutz fühlt sich Dietze von Architekten, die für die Kulturpalastsanierung zuständig waren, im Stich gelassen. Er, der sich schnell mal kräftig aufregt, setzt aber auf Zuversicht: „Ich gehe davon aus, dass wir im Herbst mit dem Bau unseres Schlossecks beginnen können“, sagt er. Sein Ziel sei es, 2020 fertig zu sein. Dann soll die Schlossstraße gewissermaßen den Schlussstein seiner Neumarkt-Bebauung bilden. Und vielleicht auch seiner beruflichen Tätigkeit?

Die Arbeit halte ihn jung. Um fit zu bleiben, läuft er jedes Wochenende seine Fünf-Kilometer-Runde durch die Heide. „Außerdem mache ich Freiübungen wie Kniebeugen und Liegestütze“, erzählt er. Seine Frau Ilona, die er schon aus der gemeinsamen Schulzeit kennt und mit der er ein halbes Jahrhundert verheiratet ist, hält ihm den Rücken frei und kümmert sich um die Enkel. In seinem eng getakteten Arbeitsleben bleibt meist nur der Sonntagnachmittag für Gemeinsames. „Aber wir verreisen in den Ferien mit den Enkeltöchtern“, sagt Dietze. Ihm scheint es wenig auszumachen, sich ständig auszubeuten. Und die Kollegen ziehen mit. Ohne sie wäre die Baywobau nicht so erfolgreich, sagt er.

Mit deren Wirken ist der Platz um die Frauenkirche eng verknüpft. 2004 hatte Dietze die Tiefgarage unter dem Neumarkt eröffnet, das war die Initialzündung für weitere Bauten. Seit 2006 ist das Hotel de Saxe wieder Herberge für die Gäste der Stadt. Der Gebäudekomplex „Juwel an der Frauenkirche“ folgte 2008. Der erste Teil der Schlossstraße samt dem Wohngebiet Löwenhof war vier Jahre später fertig. Da die Schlossstraße nun noch dauert, lädt die Baywobau mit dem tschechischen Partner CTR am 6. April zum Richtfest und zur Grundsteinlegung für ihre beiden Bauprojekte auf der Wallstraße ein. Es geht weiter, da sind sich die Mitarbeiter sicher und beenden ihr Buch mit künftigen Projekten.