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Staatsbankett für Kim

Chinas Führung empfängt Nordkoreas jungen Machthaber mit allen Ehren – und sieht schon auf zwei Gipfeltreffen.

© dpa/KCNA

Von Andreas Landwehr und Dirk Godder, Peking/Seoul

Es war eine historische Bahnfahrt, die das Kräftegleichgewicht im diplomatischen Ringen um Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramm verschoben hat. In dem Sonderzug aus Pjöngjang saßen Kim Jong Un und seine Frau Ri Sol Ju in geheimer Mission. Er fuhr gerade mal mit Tempo 60, hatte aber Vorfahrt. Strecken wurden gesperrt, Reisende mussten warten. Ein Zug wie sonst kein anderer – mit Panzerung, mehreren Schlafzimmern und luxuriösen Salons. Schon sein Vater Kim Jong Il reiste so nach China und Russland.

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Erst als diese nordkoreanische Version des „Orient Express“ am Mittwoch wieder über die Grenze nach Nordkorea zurückgekehrt war, lüftete Chinas Führung das Geheimnis des mysteriösen Zuges und der hohen Gäste in Peking. Plötzlich gab es Bilder vom Besuch, wie Kim Jong Un und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping händeschüttelnd in die Kameras lächeln. Dabei war Chinas Präsident zuvor tief verärgert über den jungen, respektlosen Mann, der das Reich der Mitte mit seinen Atom- und Raketentests an der Nase herumgeführt hatte.

Der zunächst geheim gehaltene Besuch erleichterte dem Protokoll den Umgang mit dem schwierigen Gast. Dann gab es auch keine Fernsehbilder, wie Kim neben Xi Jinping eine militärische Ehrengarde abschreitet. Nur im Internet kursierten Fotos und Videos vom Autokonvoi mit der Motorradstaffel.

Ein traditioneller Verbündeter

Seine erste Auslandsreise war ein kluger Schachzug: Vor seinen heiklen Gipfeln mit Südkoreas Präsident Moon Jae In und US-Präsident Donald Trump holte sich Kim Jong Un Schützenhilfe beim traditionellen Verbündeten China. Sollte der Gipfel mit Trump platzen und wieder alles gefährlich auf einen militärischen Konflikt zulaufen, braucht der Machthaber die Chinesen, um mäßigend zu wirken.

„Die Wiederherstellung der nordkoreanisch-chinesischen Beziehungen wird Kim Jong Un voraussichtlich größere Verhandlungsstärke bei den Treffen mit Südkorea im April und mit den USA im Mai geben“, schrieb Südkoreas Zeitung Hankyoreh.

Nach dem ersten Ausbruch aus seiner jahrelangen Abschottung wurde Kim Jong Un in den Medien zu Hause als Staatsmann mit diplomatischem Geschick präsentiert. Es war viel von traditioneller Freundschaft mit China und strategischer Zusammenarbeit die Rede – über die Uneinigkeit im Streit um das Atomprogramm kein einziges Wort. Im Gegenteil: Xi Jinping wurde mit den Worten zitiert, die jüngste positive Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel könne einer „strategischen Entscheidung“ Kims zugeschrieben werden.

Für China war seine Visite ein unerhofftes Geschenk. Nach der Annäherung des nordkoreanischen Führers seit Jahresanfang an Südkorea spielte China bei den Plänen für die Gipfel nur die Rolle eines Außenseiters. Indem sich Kim Jong Un wieder der alten Freundschaft beider Ländern besinnt, schiebt er Xi Jinping erneut ins Zentrum des diplomatischen Tauziehens.

„China will in die Zeit der Sechs-Parteien-Gespräche zurückkehren, als es die dominante Position in der Diplomatie für eine Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel einnahm“, sagte der chinesische Historiker Zhang Lifan. So hoffe China auch, dass der Gipfel zwischen Trump und Kim Jong Un in Peking stattfinden könne.

In dem Konflikt hat China drei Prioritäten: Krieg verhindern, den Status quo wahren, eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel schaffen. Verhandlungen sichern zumindest die ersten beiden Punkte. Atomare Abrüstung ist da nur ein sehr langfristiges Ziel. Doch die Reihenfolge der Prioritäten der USA ist genau umgekehrt. Ganz oben: Atomwaffen abschaffen. Wenn nicht, droht Krieg. Der Status quo interessiert Trump nicht.

Nicht nur in den USA gibt es Zweifel, dass Nordkorea die Forderung nach einer überprüfbaren und unumkehrbaren atomaren Abrüstung erfüllen wird. Der Machthaber hatte jahrelang einen solchen Schritt kategorisch ausgeschlossen. (dpa)