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„Dresden ist so herrlich retro“

Niemand ist so unverhohlen ehrlich und charmant zugleich wie er. Seine Fans lieben Guido Maria Kretschmers loses Mundwerk. Auch zu Dresden hat der Stardesigner, der am Freitag den Semperopernball moderiert, seine ganz eigene Meinung.

© Karsten Prausse

Von Nadja Laske

Ist er wirklich so ...? So knuffig? So freundlich? So witzig? So charmant?

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Ja. Ist er. Hundertprozentig knuffig, freundlich, witzig, charmant. Und professionell. Superprofessionell. Meine Kolleginnen und Freundinnen sind völlig aus dem Häuschen. Eine von ihnen darf Guido Maria Kretschmer treffen! Die eine bin ich.

GMK, so des Designers Kürzel, wird am 29. Januar den Semperopernball moderieren. Kaum eine Frau, die sich darüber nicht Sternlein in die Augen freut. Auch das Gros der Männer nickt anerkennend: Da ist Ball-Chef Hans-Joachim Frey ein Coup gelungen. Er holt den Frauenversteher der Nation nach Dresden, und der TV-Liebling fühlt sich aufrichtig geschmeichelt.

Extrem viel um die Ohren hat Guido Maria Kretschmer als Modemacher, Shopping-Queen-Juror, Werbegesicht und Moderator. Trotzdem nimmt er sich bei seinem ersten Besuch in Ballmission viel Zeit für all die Journalisten, Veranstaltungsplaner und Passanten, die ihn beim Fotoshooting vor der Semperoper um ein Lächeln in die Kameras bitten. Das ist nun schon ein paar Wochen her, und ich erinnere mich an mein Staunen über die grenzenlose Geduld des Fernsehstars, der immer wiederkehrende Fragen beantwortete, als erzähle er alles zum ersten Mal: von seiner Verwandtschaft mit Dresdner Wurzeln, dem Entzücken über die Stadt und der Freude über das Angebot, durch den Ball-Abend führen zu dürfen.

Durchtanzte Ballnacht zu gewinnen

Schließlich reiste er zurück nach Berlin-Tiergarten, wo der 50-Jährige auf rund 300 Quadratmetern Kunden in seinem Show-Room empfängt und Präsentationen ausrichtet. In freien Lofts der Königlichen Porzellanmanufaktur hat sich Guido Maria Kretschmer vor acht Jahren einen seiner Arbeitsplätze geschaffen. Dort sitzen junge Leute in lässigen Outfits an weißen Tischen und gucken in Laptops. Wer zu Besuch kommt, wird zu Getränken neben einem Buffet aus Gummitieren, Keksen und Obst geführt. In einem niedlichen kleinen Kühlschrank, leuchtend Orange, stehen Fläschlein mit spinatig grünem Inhalt: Smoothies made by GMK. Ja, auch das kann Guido – Spinat mit Apfel und einigen Geheimnissen verquirlen und sich damit wieder ein paar Freunde mehr machen.

Zum Beispiel die MDR-Moderatorin Anna Funck. Die ist begeistert und verbringt die Zeit, bis ihr dienstliches Date auftaucht, mit Small Talk über trinkbar püriertes Gemüse. Schließlich kommt Guido angehetzt und begrüßt die Gäste aus Sachsen. Für die Medienpartner des Balles hat sich der künftige Conférencier einen Tag nach seiner großen Show auf der Fashion Week Berlin drei Stunden Zeit genommen. Mitleidige Anteilnahme verscheucht der Designer mit sorgenfreier Miene: Kein Stress, alles gut, ich freue mich und bin für euch da.

Als Mädchen hatte ich nie Poster an den Wänden. In Morten Harket hätte ich verschossen sein können. Oder in Dave Gahan. A-ha oder Depeche Mode, eins von beiden musste sein in den 80ern. Mit Morten knutschen? Dave ein Kind schenken? Nein, das Schwärmen lag mir nie. Sollte sich das mit über 40 noch ändern? Fördert Guido das Schwärmerische in mir zutage?

„Ziehe deine Manolos an“, rät mir eine Freundin, „dann hat der Guido nix zu meckern!“ „Kannst du für mich eine Verabredung mit ihm klarmachen“, fragt eine Kollegin. Ich werde mit Selfi-Aufträgen überhäuft, als gäb’s kein Morgen und als hätte ich nicht wenigstens einen klitzekleinen Job zu erfüllen. Vorerst aber plaudert Guido in die Kamera des Mitteldeutschen Rundfunks. Anna hat die Haare schön, findet er. Schön ist auch Dresden, die Landschaft drumherum, die Architektur und Kultur. „Dresden ist so herrlich retro“, schwärmt der Modemacher und nimmt für sich in Anspruch, gern spießig zu sein. Dazu passe auch ein Ball mit all seinen Etiketten und Protokollen. Dazu gehören die Debütanten, die nach altem Brauch in die gehobene Gesellschaft aufgenommen werden. Und der Dresscode natürlich: Langes Kleid die Damen, Smoking oder Frack die Herren. Kann ein Designer den Blick wertungsfrei übers Ballpublikum schweifen lassen? Oder beglückt ihn Entzücken und schüttelt ihn Entsetzen?

Nein zu Nippel- und Nabelschau

„Jede Frau hat sich für diesen besonderen Abend schön gemacht. Die Mode ist der Spiegel der Seele, und auf dem Ball sind alle Seelen schön.“ Deshalb sei er auch bereit, zwei, drei Augen zuzudrücken. Und wenn sich ein kleines Moppel in ein Rüschenkleid presst, sagt sich Guido: „Lass sie doch ein Sahnebaiser sein. Ich kann textil einiges ertragen.“ Was überhaupt ist die perfekte Ballrobe? Alles darf Frau zu solch einem Anlass sein: „Göttin oder wildes Ding“, sagt Guido. „Wenn Erna ihr Kleid aus dem Schrank nimmt, sich vorm Spiegel dreht, und ihr Mann sieht sie an und sagt: Mensch Erna! Dann ist es perfekt.“

Da spricht der Menschenfreund. Mehr noch als Mode und sie zu entwerfen, liebt Guido die Menschen. Deshalb habe er auch keine Angst vor großen Auftritten. Von der Menge des Publikums getragen fühle er sich, wozu also Aufregung und Versagensängste? Mehr in seiner eigenen Mitte kann man nicht sein. Egal, wenn dort in dieser Mitte mehr ist, als noch vor ein paar Jahren. Ja, Guido hat größtes Verständnis für ein paar Kilos zu viel: „Im Alter wird man gescheiter – und breiter.“ Eigentlich hatte er sich Diät vorgenommen. Eine Woche vor dem Semperopernball aber ist klar. Er wird die Pfunde mit nach Dresden bringen.

Lieber dazu stehen und sich entsprechend kleiden, rät der Mitfühlende. Doch was zu viel ist, ist zu viel: „Manche Frauen sehen aus, als ob ihr Kleid sie wieder herausquetschen will.“ Auch Ausschnitte bis zum Nabel und Nippel haben auf Bällen nichts zu suchen. „Brust ist etwas sehr Privates.“ Das sollte manch Dame nicht vergessen, mahnt der Meister.

Na endlich! Ein kleiner Stachelrochen im Meer des Wohlwollens. Jetzt bin ich endgültig Fan und schwärme tatsächlich – für Guido Maria Kretschmer, der nicht nur knuffig, freundlich, witzig und charmant ist. Sondern auch herrlich ehrlich.