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Stachler brauchen Hilfe

In der Igelhilfe werden derzeit viele Tiere abgegeben. Oft verletzt. Vergiftungen durch Schneckenkorn sind nur ein Grund.

© Norbert Millauer

Von Raphael John

Radebeul. Der Schauplatz ist eine kleine Hütte in Lindenau. An den Wänden stapeln sich Regale, Käfige und Kisten und dazwischen ist ein wenig Platz zum Laufen. Ein Fauchen, Fiepen und Rascheln ist zu hören. In den Boxen sind manchmal stachlige Kugeln zu sehen, hier und dort schaut eine kleine Schnauze unter einer warmen Decke hervor. Aber es gibt auch ein paar mutige Bewohner, die sich zeigen.

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Dutzende Igel leben in dem Gartenhaus und auf der umliegenden Anlage der Igelhilfe Radebeul. Die genaue Anzahl ist schwer zu bestimmen, aber allein im September sind mehr als 130 Tiere abgegeben worden. „Kapazität haben wir schon lange keine mehr“, erklärt Sissy Gommlich, eine der ehrenamtlichen Helferinnen, die sich um die Stachler kümmern. Die Anzahl der pflegebedürftigen Tiere führt sie auf den kalten, langen und verregneten Frühling zurück, der den Fortpflanzungszeitraum der Igel nach hinten verschoben hat.

Auch die jetzigen kühlen Temperaturen und die wenigen Insekten, deren Zahl schon in den letzten Jahren sank, sind ihrer Meinung nach Gründe für die vielen stachligen Patienten. Bei jedem eingelieferten Igel werden der Name, eine Nummer, das Gewicht und vorhandene Verletzungen notiert. Auch die Fundstelle ist wichtig. So können die Helfer das Tier im nächsten Jahr wieder am selben Ort aussetzten.

Die Pflege dauert bestenfalls vier Wochen und im schlimmsten Fall sechs Monate. Schwerbehinderte Igel, die zum Beispiel eine vordere Pfote verloren haben, wohnen sogar für den Rest ihres Lebens im Außengehege.

Im Frühling werden viele Tiere abgegeben, die von einem Rasenmäher verletzt worden sind, und im Sommer meist Igelmütter mit ihren Babys. Im Herbst finden häufig durch Gartenarbeit verwundete Stachler ihren Weg zu den Helfern und im Winter oft schwache und kleine Vertreter dieser Art, die zu zeitig aus dem Schlaf aufgewacht sind und keine Nahrung finden. Igel fressen hauptsächlich Insekten, aber in den letzten Jahren stehen immer öfter Schnecken auf dem Speiseplan. Dann machen ihnen die Parasiten und das Schneckenkorn der Gärtner zu schaffen, die sich in den Kriechtieren befinden. Durch deren Verzehr gelangt das Gift in den Körper der Igel und verursachen innere Blutungen, an denen sie häufig sterben.

Rund 13 Helfer sind zurzeit im Verein aktiv, davon sind zwei Rentner und der Rest berufstätig. Die meisten versorgen auch zu Hause noch weitere Tiere, weshalb sie immer nach Helfern und Pflegestellen suchen. Auch Spenden sind bei der Igelhilfe immer gern willkommen. Es gibt zwar viele hilfsbereite Unterstützer, aber durch die deutlich stärker ansteigende Zahl der zu pflegenden Tiere, ist der Großteil privat finanziert.

Wer spenden will, wird gebeten sich vorher zu melden, da es vorkommen kann, dass kein Helfer in der Station vor Ort ist. Auch möchten die Verantwortlichen sich gern persönlich bedanken und die Spenden in Empfang nehmen. Die Igelhilfe hofft weiter auf mehr Unterstützung durch die Stadt Radebeul. Ideen von ihnen wären zum Beispiel die Vergabe einer sechsstündigen Arbeitsstelle als Aushilfspfleger oder auch finanzielle Hilfe.

Und was tun, wenn man selbst einen verletzten Igel findet? Für Erstversorger der Tiere gibt es viele Dinge zu beachten. Der Verein rät, mit verletzten Igeln nur zu Ärzten zu gehen, die auf Wildtiere spezialisiert sind. Andere Tierärzte haben oftmals nicht das nötige Wissen, um die Stachler richtig zu versorgen. Vorher sind Fliegeneier und Maden zu entfernen und auch Wärme ist überlebenswichtig. Erst nach dem Aufwärmen des Bauches kann gefüttert werden. Katzennassfutter und ungewürztes Rührei bieten sich als Insektenersatz an. Gefährlich sind für die Tiere Obst, Gemüse, Milch und Milchprodukte. „Ein Schälchen Wasser im Frühling rauszustellen, wäre auch schon hilfreich“, sagt Sissy Gommlich. Nach der Erstversorgung ist es am besten, umgehend die Igelstation zu informieren, denn nur durch Futter und Liebe wird der Stachler meist nicht gesund.

www.igelhilfe-radebeul.de