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Stadion bleibt im Flutgebiet

Es gibt keine anderen Flächen in Niederstriegis für einen Sportplatz. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

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Von Heike Stumpf

Eigentlich wollten die Vorstandsmitglieder des SV Grün-Weiß Niederstriegis überhaupt keinen Plan B schmieden. Jetzt brauchen sie doch einen. Denn so, wie sie es sich vorgestellt hatten, kommen sie nicht zu einem neuen Platz. Demnach müssen sie den alten am Zusammenfluss von Mulde und Striegis weiter nutzen.

Das hat mehrere Konsequenzen: Für den Wiederaufbau des Platzes werden sie keine öffentlichen Gelder in Anspruch nehmen können. Deshalb werden die Sportler bei jedem folgenden Hochwasser wieder bangen und, wenn das Wasser weg ist, kräftig zupacken müssen. Auf diese Weise haben sie die Plätze schon mehrfach hergerichtet, zuletzt ab vergangenem Juni. Auf dem frischen Rasen kann im Moment noch nicht trainiert werden. Im Laufe des Jahres dürfen die verschiedenen Gruppen wieder loslegen und Sport treiben.

Darüber hatte Vereinschef Jens Funke die Ortschaftsräte informiert. Im Vorfeld gab es eine Gesprächsrunde mit Anwohnern. Nachdem sich die Suche nach einem Alternativgrundstück als äußerst schwierig erwiesen hatte, waren die Sportler unterhalb der Tankstelle fündig geworden. Der Eigentümer hatte seine Bereitschaft zum Verkauf signalisiert. Auch von der Größe her hätte das passen können. Der Haken: In der Nähe befinden sich Wohnhäuser. „Dort einen Sportplatz neu zu errichten, klappt nur, wenn das die Nachbarn nicht stört.“ Das hatte Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) schon im Vorfeld gesagt. Nur mit der Aussicht darauf, dass alle Anlieger einverstanden sind, wollte er die Planung für einen neuen Sportplatz in Auftrag geben. Andernfalls sieht er keine Chancen, in einem Wohngebiet zum Baurecht für einen Sportplatz zu kommen.

Nach dem Gesprächstermin mit Anwohnern steht fest, dass der offenbar einzig mögliche Standort für einen neuen Sportplatz in Niederstriegis nicht infrage kommt. „Ein wenig kann man die Leute sicher auch verstehen“, meint Ortsvorsteher Heinz Martin. Sich nicht über deren Befindlichkeiten hinwegzusetzen, findet er richtig. „Das gäbe nur Knatsch“, sagt er.

Auf der anderen Seite versteht Martin genauso die Enttäuschung der Sportler. Gerade deshalb freut er sich, dass sie an dem Standort festhalten. „Es ist toll, dass sie nicht in die Knie gehen und trotz des Wissens, dass sie alles aus eigenen Mitteln zahlen müssen, weitermachen.“

Der Sportplatz in Niederstriegis ist einer der ältesten im früheren Landkreis Döbeln. 1954 errichtet, ist er nachweislich „schon viermal abgesoffen“, sagt der Ortsvorsteher. Doch offenbar gibt es kein besseres Fleckchen Land, auf dem die Niederstriegiser Sport treiben können – selbst wenn der Verlust staatlicher Hilfe droht. Diese gibt es den aktuellen Richtlinien zufolge nur für Standorte, die hochwassersicher gemacht werden können. Das für ein Areal zwischen zwei Flüssen zu wollen, ist ein aussichtsloses Unterfangen.