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Stadt der Einpendler

„Neue Perlen – Bauen, Wohnen und Leben jenseits der Großstädte“ war Thema beim Immobiliensymposium in Meißen.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. Es ist ein Märchen, dass die Mehrzahl der Deutschen in Großstädten wohnen wollen. Gerade einmal 21 Prozent sind dies. Allerdings zieht es 40 Prozent der 18- bis 29-Jährigen in die großen Städte. Diese Zahlen nannte Axel Gedaschko, der Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft am Donnerstag auf dem 3. Meißener Immobiliensymposium. Dazu waren rund 100 Investoren, Planer und Makler in den Rathaussaal eingeladen worden. Ziel des Treffens: „Interessenten die Vorteile des Standortes Meißen nahzubringen und Kontakte vor Ort zu vermitteln.“

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Einen der Vorteile Meißens, etwa der gerade einmal 25 Kilometer entfernten Landeshauptstadt gegenüber, sind natürlich die vergleichsweise moderaten Baukosten. „Hier in Meißen kann man noch vergleichsweise preiswert bauen, das ist eine Riesenchance für die Stadt“, erklärte Gedaschko. Und dies vor dem Hintergrund enorm gestiegener und weiter steigender Bauwerkskosten. Zwischen 2000 und 2017 haben sie um 55 Prozent zugelegt, haben sich also mehr als verdoppelt. Allein zwischen Februar 2017 und Februar 2018 betrug der Preisanstieg vier Prozent.

Das Einsparpotenzial der Zukunft für die Eigenheimbauer sieht Professor Timo Leukefeld, Energiebotschafter der Bundesregierung, in neuen Formen des Energiegebrauchs. „Meine Theorie ist, dass Energie aus der Sonne einmal fast zum Nullkostenpreis zur Verfügung stehen wird“, nur noch einen Cent pro Kilowattstunde kosten werde. Dementsprechend müssten Eigenheimneubauten viel stärker mit Anlagen zur Sonnenenergiegewinnung ausgerüstet werden, als das derzeit der Fall sei. Das würde zwar anfangs die Baukosten verteuern, hätte aber langfristig Einsparungen zur Folge. Strom, Wärmenergie und die Energie für das Elektroauto ließen sich so quasi zu Hause gewinnen. Er habe im Selbstversuch ein solches Energiehaus in Freiberg gebaut und für 180 Quadratmeter Wohnfläche einen jährlichen Energieverbrauch von 180 Euro – ein Großteil davon entfalle auf die Kosten für das Kaminholz.

Axel Gedaschko hatte seinen Vortrag „Neue Perlen – Bauen, Wohnen und Leben jenseits der Großstädte“ genannt und erklärte, „Meißen ist einer dieser Perlen“. Mit Zahlen hatte dies vor dem Symposium die Stadtverwaltung zu unterlegen versucht. Danach wird Meißen „als Wohn- und Arbeitsort vor den Toren der Landeshauptstadt immer beliebter: Mehr als 1 800 Zuzüge konnte die Porzellan- und Weinstadt 2017 verzeichnen.“ Von den rund 23 000 Quadratmetern im vergangenen Jahr neu ausgewiesenen Wohnbauflächen seien 90 Prozent bereits verkauft. Die Stadtentwicklungs- und Erneuerungsgesellschaft SEEG habe 400 neue Mieter gewonnen. „Kein Wunder also, dass die Stadt auch für Investoren im Einzugsgebiet der Landeshauptstadt immer interessanter wird.“

Oberbürgermeister Olaf Raschke erklärte, dass die Zahl der Einpendler nach Meißen von 8 000 auf 9 000 gestiegen sei, was doppelt so viele wie Auspendler seien. „Es arbeiten rund 4 200 Personen mehr in Meißen, als die Stadt zum Arbeiten verlassen.“ Zunehmend würden sie sich nach Wohnraum in der Stadt umschauen. Das bestätigte Thomas Lehmann vom Mitveranstalter des Symposiums, Lehmann Immobilien: „Wir spüren den Trend, dass Einpendler hier sesshaft werden wollen.“ Außerdem gebe es zunehmend Rückkehrer. „Menschen, die nach der Wende auf der Suche nach Arbeit in den Westen gegangen sind, wollen in die Heimat zurückkehren.“

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Ein weiteres Plus für die Stadt ist die verbesserte S-Bahn-Anbindung. So fahren im Berufsverkehr viermal pro Stunde Züge aus der Innenstadt nach Dresden beziehungsweise weiter nach Pirna – insgesamt sind täglich 55 Züge zwischen Meißen und Dresden unterwegs.

Die geplanten Firmenerweiterungen in den Gewerbegebieten würden die Arbeitsbedingungen für Meißner und Zuzugwillige weiter verbessern, erklärte der Oberbürgermeister. Das sei wichtig, um qualifizierte Menschen in die Stadt zu holen.