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Stadt dreht Geldhahn für Tierpark zu

Ab Januar gibt es für Chef Heiko Drechsler keinen Zuschuss mehr. Trotzdem soll der Tierpark erhalten werden. Nur wie?

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© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Das Handy von Heiko Drechsler klingelt am Donnerstagmittag. Dran ist Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos). Er wolle ihm, bevor es der Tierparkchef von jemand anderem oder aus den Medien erfährt, mitteilen, dass die Stadt ihm ab Januar nicht mehr finanziell unterstützen werde. Zu den Gründen sagt das Stadtoberhaupt zunächst nichts. So erzählt es Drechsler der SZ am Telefon.

Er sei betroffen und überrascht gewesen, müsse nun wohl seinen drei Tierpflegern kündigen. Im vergangenen und diesem Jahr hatte die Stadt über den Förderverein des Tierparks jeweils 60 000 Euro für den Betrieb gezahlt. Dass Drechsler am vergangenen Wochenende in seinem Kleinzoo Plakate der Partei AfD aufgehangen hatte und damit nicht nur viele Stadträte verärgerte, soll nicht der ausschlaggebende Grund für die im jüngsten Verwaltungsausschuss gefällte Entscheidung gewesen sein. Dennoch hatte die Aktion Auswirkungen, wie Stadtrat Martin Bahrmann (FDP) bestätigt. Seine Frau ist stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins.

„Mehrere Stadträte aller Fraktionen und Mitglieder des Fördervereins sind am Montag bei Herrn Drechsler gewesen. Wir haben ihn darauf hingewiesen, dass so eine Aktion, egal um welche Partei es sich handelt, auf dem von der Stadt verpachteten Gelände nicht geht.“ Auch CDU-Stadtrat Martin Schade habe ihm gesagt, er verstoße durch die Wahlwerbung im Park gegen die Regeln des Mietvertrages, erzählt Drechsler. „Nur stimmt das nicht. Im Paragrafen 4 steht, dass ich das Gelände für die Zurschaustellung von Tieren, Zucht, für Verkauf und für jegliche Werbung nutzen kann“, bekräftigt er. Zwar räumt der 54-Jährige ein, dass seine Aktion unüberlegt gewesen sei. „Trotzdem stehe ich jetzt vor dem Nichts. Man hätte mir doch wenigstens einen geringeren Zuschuss für ein weiteres Jahr gewähren können.“

Geholfen hätte ihm vermutlich, wenn er sich während des Verwaltungsausschusses der Stadt erklärt, seine Beweggründe für die Plakat-Aktion erläutert hätte. „Ich habe ihn angefleht zu kommen. Er hat es nicht getan“, sagt Martin Bahrmann enttäuscht.

Auch sein Stadtratskollege Ullrich Baudis (Die Linke) glaubt, dass Drechsler diesen Schritt hätte gehen müssen. „Wir waren vor wenigen Wochen fast soweit, dass wir sogar einen höheren Zuschuss erreicht hätten. Diese Aktion, als auch das Nichterscheinen Herrn Drechslers, haben alles zerstört. Das macht den Eindruck, als sei es ihm egal und er sowieso im Recht. So funktioniert eine Zusammenarbeit aber nicht.“ Laut Baudis müsse nun zeitnahe ein Vertrag her, der Rechte und Pflichten zwischen Pächter und Stadt genau regelt und nicht länger als zwölf Monate Gültigkeit haben sollte – mit Option auf Verlängerung. Grundsätzlich wollten Stadträte und Verwaltung den Tierpark erhalten, weil er zu Meißen gehöre. „Dass ein neuer Vertrag mit Herrn Drechsler gelingen kann, halte ich für sehr unwahrscheinlich“, so Baudis. Stadtsprecherin Katharina Reso bekräftigt unterdessen, dass der Förderverein des Tierparks für sein engagiertes Wirken in den Jahren 2016 und 2017 zu loben sei, nichts für die Entscheidung könne. „Trotz der Unterstützung durch den Förderverein und der finanziellen Hilfe seitens der Stadt Meißen ist es nicht gelungen, den Tierpark betriebswirtschaftlich in ein Fahrwasser zu bringen, das guten Gewissens in die Zukunft blicken lässt“, teilt sie mit. Beide Aussagen kann Heiko Drechsler nicht nachvollziehen. „Die Stadt kennt die aktuellen Zahlen nicht. Ich habe bisher einen ordentlichen Umsatz in diesem Jahr gemacht, verstehe diese Aussage nicht.“ Vom Förderverein habe er nach eigener Aussage „nicht einen Cent Spenden erhalten“. Laut Stadtrat Bahrmann sei das „eine glatte Lüge“.

Heiko Schulze, Vorsitzender der Freien Bürger/SPD/Grünen, sagt, man wolle sich bald öffentlich zum Thema äußern, sollte der Tierpark nicht Gegenstand der Stadtratssitzung am 27. September sein. Das wird er laut Sprecherin Reso nicht. Er sei „zunächst nicht mehr auf der Tagesordnung“. Wie geht es also weiter? Im kommenden Jahr würde Drechsler sein 15-Jähriges im Tierpark feiern. Die Tiere, die meisten Tiergehege und weitere Anlagen gehören ihm. Wie die Stadt den Park unter diesen Umständen erhalten will, ist fraglich. Eine Übergangslösung wären abgespeckte Öffnungszeiten. Doch dafür müsste eine vorläufige Einigung mit dem Betreiber her. Nach der sieht es nicht aus. Die Fronten sind verhärtet.