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Stadt kauft Ballsäle Coßmannsdorf

Die Entscheidung im Freitaler Stadtrat war umstritten, aber eindeutig. Manche Stadträte befürchten ein ganz bestimmtes Szenario.

© Oberthür

Von Annett Heyse

Freital. Am Ende fielen sich einige Frauen in die Arme, die Männer ballten triumphierend die Fäuste, sogar ein paar heimliche Tränen wurden schnell aus Augenwinkeln gewischt. Und es gab langanhaltenden Applaus vom Publikum, als der Stadtrat am Donnerstagabend in seiner Sitzung mit 23 Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen und sechs Nein-Stimmen entschied, dass Freital die Ballsäle Coßmannsdorf kauft. Die Männer und Frauen vom BC-Verein und dem Hainsberger Faschingsverein dürften anschließend noch etwas gefeiert haben. Denn es war eine Entscheidung mit dem Herzen – und gegen manche mahnende Stimme. Die Ballsäle Coßmannsdorf sind das letzte große Veranstaltungshaus der Stadt, welches sich für Tanz, Theater, Fasching, Kino, Vereinsarbeit, Disco eignet. „Immer wieder sagen mir die Freitaler, dass es zu wenig Angebote für junge Leute gibt“, berichtete Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) vor einigen Tagen im Gespräch mit der SZ. Die Ballsäle, kurz BC genannt, könnten diese Lücke füllen. Deshalb sei es ihm eine Herzensangelegenheit, eine Lösung für Sanierungsstau und Unwirtschaftlichkeit zu finden.

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Derzeit gehört die Immobilie der Freitaler Wohnungsgesellschaft (WGF), einem Tochterunternehmen der Stadt. Die WGF hatte die Ballsäle 2016 vom letzten Privateigentümer gekauft, mit dem Ziel, das Haus als Veranstaltungsort zu erhalten. Andernfalls wäre es zum Wohngebäude umgebaut worden. „Es gab solche Angebote“, sagte Rumberg. Doch die WGF müsste eine Sanierung – mindestens 2,8 Millionen Euro – komplett aus eigener Tasche bezahlen. Dafür bekommt das Unternehmen keine Fördermittel. Entsprechende Nachfragen wurden bis jetzt negativ beantwortet.

Der Rettungsplan der Stadt sieht nun vor, das BC der WGF abzukaufen, eine Sanierung zu planen und durchzuführen. Um Fördermittel zu bekommen, wird der Stadtteil Hainsberg ins Fördergebiet Städtebauliche Erneuerung aufgenommen, beschloss der Stadtrat. Bisher ist dort schon Deuben vertreten. Damit kann Freital für die Ballsäle einen Zuschuss von 2,8 Millionen Euro bekommen. Mit dem Eigenanteil von 1,8 Millionen Euro kann man also für Kauf, Planung und Sanierung sogar 4,2 Millionen Euro ausgeben.

Manchem Stadtrat ist das zu viel. „Wir haben jetzt zehn Jahre Aufschwung und müssen damit rechnen, dass es auch mal andersherum kommt“, sagte Lothar Brandau. Der FDP-Mann erinnerte daran, dass die Stadt noch andere, teure Bauprojekte habe wie die Lederfabrik oder das neue Stadtzentrum. CDU-Rätin Franziska Darmstadt merkte an, dass die BC-Sanierung mehr als ein Kita-Neubau koste. Zudem sorgt sie sich um die Folgekosten. „Wir müssen schon für Kulturhaus und Schloss Burgk viel Geld ausgeben. Kommt noch das BC hinzu, überfordern wir uns.“ Roland Willing (Die Linke) erinnerte daran, dass Kultur, Soziales und Jugend schon immer Zuschussgeschäfte gewesen seien. „Wir schlagen vor, dass ein Dachverein gegründet wird, der das Haus betreibt“, sagte er.

Die Stadtverwaltung hat dahingehend andere Vorstellungen. Die Technischen Werke Freital (TWF) soll die Ballsäle künftig betreiben. Bei der TWF hat man mit der Leitung des Freizeitzentrums Hains, dem Betrieb der Schwimmbäder und den Veranstaltungsräumen auf Schloss Burgk einschlägige Erfahrungen. Allerdings würde das BC hauptsächlich rote Zahlen schreiben: Die Stadt rechnet mit einem jährlichen Defizit von rund 94 000 Euro. „Es kann ja nicht nur um die Zahlen gehen“, konterte CDU-Fraktions-Chef Martin Rülke. Das BC sei das letzte Gebäude in dieser Form in Freital. „Wir haben sonst keinen Anlaufpunkt mehr für die Jugend. Das ist die letzte Chance.“