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Stadt lässt Ex-Kleinbahner abblitzen

Hans Rolf Küpper hat der Stadt ein Kaufangebot unterbreitet. Auf eine Ablehnung ist er bereits vorbereitet.

© Archiv/Dietmar Thomas

Von Cathrin Reichelt

Waldheim. Der Vorsitzende der ehemaligen IG Kleinbahn kann nicht von Waldheim lassen. Hans Rolf Küpper möchte das Kleinbahngelände in Unterrauschenthal kaufen. Dafür bietet er 5 000 Euro. Das ist ein Zehntel dessen, was die Stadt Waldheim im Jahr 2013 für die Gleisanlage von Rauschenthal bis zum Waldheimer Bahnhof, einschließlich der Haltepunkte in Rauschenthal und auf der Schillerhöhe, bezahlt hat, nachdem Küpper den Verein in die Insolvenz geführt hatte. Der Anfrage hat der Stadtrat am Donnerstagabend eine klare Abfuhr erteilt. Zu viel ist vorgefallen in den vergangenen Jahren. Diskussionsbedarf gab es deshalb unter den Räten nicht. Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) kommentierte die Entscheidung: „Mit unserem einstimmigen Beschluss vertreten wir sicherlich zu 95 Prozent die Meinung unserer Bürger.“

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Küpper will das Bahngelände räumen

Sein immer noch bestehendes Interesse hat Küpper im Vorfeld gegenüber dem Döbelner Anzeiger so erklärt: „Ich habe das Baby entwickelt und zwölf Jahre hart dafür gearbeitet.“ Zum einen zeigt er sich kompromissbereit. „Der jetzige Verein würde von dem Angebot partizipieren“, sagt er. Zwar wolle er die Gleisanlagen erwerben, gleichzeitig garantiere er, dass sie dem Verein zur Nutzung zur Verfügung stehen. Das müsse natürlich vertraglich geregelt werden. „Meine Firma wäre auch bereit, die Betriebsführung zu übernehmen“, sagt Küpper und meint damit die Thü-Sa-A bau- + technische Dienstleistungen + Verwaltungs GmbH mit Sitz in Freiberg. Laut Internet bietet das Unternehmen Dienstleistungen im Bereich Eisenbahnfahrweg und Eisenbahnfahrzeuge, die Verwaltung des Sachvermögens Dritter sowie gewerbliche Tätigkeiten im Bereich Metallbau und Winterdienst an.

Auch bei einer Ablehnung seines Kaufantrages hat der 75-Jährige schon einen genauen Plan. „Wenn ich nicht die Rolle spielen darf, die mir zusteht, dann hat sich das Thema Kleinbahn erledigt“, erklärt er. Dann werde er alles vom Unterrauschenthaler Gelände abtransportieren, das ihm das Gericht zugesagt habe. Das betreffe weitestgehend das bewegliche Inventar. Nur ein Bauwagen, ein W 50 und ein Container, in dem sich aber private Sachen von Küpper befänden, habe der Insolvenzverwalter zugesprochen bekommen. Für alles andere gebe es bereits Interessenten in Ost- und Westdeutschland.

Für Objekte fehlen Unterlagen

Seit dem Jahr 2013 begleitet Rechtsanwalt Tobias Hohmann das Insolvenzverfahren über das Vermögen der IG Kleinbahn. „Bis vor ein paar Wochen habe ich mit dem Anwalt von Herrn Küpper über einen Vergleich verhandelt. Letztendlich war er aber nicht dazu bereit“, so Hohmann. Bis heute sei die Situation schwierig, weil es nur sehr wenige Unterlagen über die einzelnen Objekte auf dem Bahngelände gebe. Auch eine ordentliche Bilanz sei nicht vorhanden.

Tobias Hohmann hatte es vor vier Jahren durch intensive Verhandlungen geschafft, dass die Stadt Waldheim die Bahnstrecke und die Gemeinde Kriebstein die Brücke erwerben konnten. Zwei Jahre und sieben Monate zuvor hatte Küpper die Brücke gesperrt, weil sie seiner Meinung nach nicht mehr statisch belastbar war. Nach dem Kauf durch die Gemeinde wurde sie wieder geöffnet.

Eisenbahnfreunde ignorieren Angebot

Andreas Lässig, Vorsitzender des Vereins Waldheimer Eisenbahnfreunde, entlockt das Kaufangebot von Hans Rolf Küpper nur ein müdes Lächeln. In seiner Arbeit lässt sich der Ende 2013 gegründete Verein dadurch nicht beirren. Und er entwickelt Ideen, auch ohne das vorhandene Inventar zurechtzukommen. So wurde ein altes Stationshaus von Kleinmockritz nach Unterrauschenthal versetzt und instand gesetzt. Auch wenn es noch nicht ganz fertig ist, soll es zum ersten Vereinsfest der Eisenbahnfreunde am 6. und 7. Mai eingeweiht werden. (mit DA/sol)