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Stadt muss mehr fürs E-Werk zahlen

Das Gelände im Lößnitzgrund soll als Lager dienen. Doch es gibt Kritik am geplanten Kauf, der teurer wird.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

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Radebeul. Zwei Dampfmaschinen, jeweils gekoppelt mit einem Einphasen-Wechselstromgenerator – das reichte aus, um ab 1896 die Gemeinden Niederlößnitz, Radebeul, Oberlößnitz, Serkowitz und einen kleinen Teil von Kötzschenbroda zu beleuchten. Erzeugt wurde der Strom im Elektrizitätswerk im Lößnitzgrund. Heute, mehr als 120 Jahre später, soll das Gelände des alten E-Werks einen ganz anderen Zweck erfüllen. Die Stadt möchte dort Lager für die Stadtfeste und den Katastrophenschutz einrichten.

Im Dezember 2017 hatte der Stadtrat beschlossen, das rund 24 000 Quadratmeter große Areal von der Enso für 575 000 Euro zu kaufen. Jetzt steht fest: Die Stadt muss mehr Geld hinlegen, nämlich insgesamt über 695 000 Euro. Die erste Summe beruhte auf einem Wertgutachten von 2014. „Anhand der aktuellen Marktlage war schon absehbar, dass es teurer wird“, sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Die jetzt geforderte Summe sei aber trotzdem ein vernünftiger und komfortabler Preis, so Wendsche.

Bisher gibt es in Radebeul kein zentrales Katastrophenschutzlager. Technik und Gerätschaften sind bei den einzelnen Feuerwehren verteilt. Ursprünglich war ein neues Lager an der Schildenstraße geplant. Dort, wo auch die Feuerwache Ost gebaut wird. Das würde aber mindestens 500 000 Euro kosten, sagt Wendsche. Die Idee wurde deshalb über den Haufen geworfen. Auch für ein anderes Lager müsste die Stadt in absehbarer Zeit viel Geld zahlen. Sämtliche Utensilien für die Stadtfeste – von Holzbuden, über Kulissen bis zur Beleuchtung – sind derzeit in einer Halle hinter dem Weißen Haus in Serkowitz untergebracht, welche die Stadt bald nicht mehr nutzen kann. Kosten für einen Neubau: rund eine Million Euro, schätzt der OB. Deshalb sollen das Katastrophen- und das Festlager ins alte E-Werk ziehen, ebenso wie das Verkehrszeichenlager der Stadt.

Während die Stadt das als praktische Lösung ansieht, gibt es in den Reihen der Stadträte auch Kritik an diesem Plan. SPD-Fraktionschef Thomas Gey findet das Nutzungskonzept nicht gut. Der Standort sei nicht ideal für ein Katastrophenlager und zu klein für die Utensilien der Stadtfeste. Auch Stadtrat Martin Oehmichen (Bürgerforum/Grüne) sieht den Kauf kritisch. Für das Geld sollte man lieber die Kitabeiträge in der Stadt halbieren oder Schulen und Fußwege sanieren, sagt er.

Die Sorge der Skeptiker: Das E-Werk könnte ein Fass ohne Boden werden. Denn mit dem Kauf alleine ist es nicht getan. Anschließend muss die Stadt in die Renovierung und den Brandschutz investieren, damit die Räume genutzt werden können. Circa 1,75 Millionen Euro seien dafür nötig, sagt der OB. Das Geld könne aber in einzelnen Jahresscheiben aufgebracht werden. „Wir müssen nicht alle Bereiche auf einmal sanieren“, so Wendsche. Ob die veranschlagte Summe tatsächlich ausreicht, lässt auch Stadträtin Andrea Meinel (Freie Wähler) zweifeln. Sie vermutet, die Kosten könnten allein wegen des Denkmalschutzes um ein Vielfaches teurer werden.

OB Wendsche betont unterdessen, dass der Kauf auch für das Karl-May-Fest wichtig sei. Bekomme das E-Werk einen anderen Besitzer, sei es gut möglich, dass die Stadt das Gelände, das bis zum Meiereiweg reicht, nicht mehr für das Fest nutzen darf. Dann wären wichtige Veranstaltungsorte wie Fort Henry und die Westernranch in Gefahr.

Die Mehrheit der Stadträte sieht den Erwerb des E-Werks ebenfalls als einmalige Gelegenheit und stimmt trotz der Preiserhöhung dafür.