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Stadt nutzt Zwangspause am Blauen Wunder

Die Blasewitzer Zufahrt wird frisch asphaltiert. Allerdings müssen Kraftfahrer noch warten, bis die Brücke wieder frei ist.

Das Blaue Wunder ist wieder frei. Zumindest glauben das einige Radler, die die Absperrungen vor der Fahrbahn ignorieren und an Ralf Adler vorbeirollen. „Da müsste man Nagelbretter hinlegen“, sagt er. Der promovierte Baufachmann hat zum Wochenauftakt alles stehen und liegen lassen und überwacht seitdem in Zwölf-Stunden-Schichten die Brücke. Am Freitag fahren ganz Dreiste sogar noch über den 20-Meter-Abschnitt an der Blasewitzer Brückenkammer, auf den schon frischer Asphalt-Haftgrund aufgetragen ist. Doch damit ist schnell Schluss, als der gewaltige Deckenfertiger anrollt.

Über 20 Meter lang ist dieser Abschnitt, den der Deckenfertiger am Freitagnachmittag asphaltiert hat. Das Straßenbauamt hat schnell reagiert und die Sperrung für die dringend nötigen Arbeiten genutzt. Damit ist die Schlaglochfalle beseitigt.
Über 20 Meter lang ist dieser Abschnitt, den der Deckenfertiger am Freitagnachmittag asphaltiert hat. Das Straßenbauamt hat schnell reagiert und die Sperrung für die dringend nötigen Arbeiten genutzt. Damit ist die Schlaglochfalle beseitigt.

„Wir machen aus der Not eine Tugend“, erklärt Rolf Mörbt. Der Flutkoordinator der Tiefbauamts-Brückenabteilung ist am Nachmittag gerade vorbeigekommen. Denn vorm Café Toscana wird frischer Asphalt aufgebracht. „Seit fünf Jahren kommen wir nicht dazu“, sagt Mörbt. Deshalb habe sich das Straßenbauamt jetzt kurzfristig entschlossen, die hochwasserbedingte Pause zu nutzen und die Schäden vom Thiendorfer Fräsdienst beseitigen zu lassen. Die Firma hat für solche Fälle einen Jahresvertrag mit der Stadt. Die Straßenbauer waren am Mittwoch angerückt, hatten den alten Belag abgefräst und Schadstellen mit Spezialmörtel aufgefüllt. Binnen drei Stunden ist der Asphalt aufgebracht, der jetzt noch aushärten muss.

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Doch Fahrzeuge können so schnell nicht übers Blaue Wunder rollen, erklärt Mörbt. Bei 7,10 Metern war die Brücke in der Nacht zum Dienstag gesperrt worden. Sinkt der Pegelstand wieder unter diese Marke, kann sie vorerst nur im Ausnahmefall für Rettungsfahrzeuge freigegeben werden. „Das war schon bei der Jahrhundertflut 2002 so und hat viele verwundert“, sagt Mörbt. Dafür gebe es aber einen guten Grund, der sich in den Ankerkammern an den Brückenenden verbirgt: Die reichen bis in eine Tiefe von zehn Metern unter der Fahrbahn. Darin hängen schwere Schlackesteine, mit denen die Stahlkonstruktion stabilisiert wird. Als das Hochwasser kam, wurde Wasser bis in eine Höhe von vier Metern in die Kammern gepumpt. „Damit sichern wir die nötige Stabilität, wenn das Grundwasser von unten drückt“, erläutert der Brückenfachmann.

Allerdings könne dieses Wasser nicht gleich abgepumpt werden, wenn der Elbepegel sinkt. Danach steige das Grundwasser erst einmal an. „Wenn dann schon das Wasser abgepumpt wäre, würden die Böden der Ankerkammern rausbrechen“, beschreibt Mörbt die Gefahr. Deshalb sei dies ähnlich wie bei Kellern, für die genau dieses Vorgehen empfohlen wird. Sinkt der Pegel also unter 7,10 Meter, könne es durchaus noch anderthalb Wochen dauern, bis das Blaue Wunder wieder freigegeben werden kann.

Auf Mörbt und seine Brückenkollegen kommt nach der Flut viel Arbeit zu. Sobald der Wasserstand bei 5,50 Metern liegt, beginnt der erste Schritt. Mit Ultraschallmessgeräten werden Fachleute die Pfeiler auf Schäden untersuchen. Später nehmen sie dann die befestigten Flächen um die Pfeilerfüße unter die Lupe. „2002 hatte die Flut das Deckwerk abgetragen, da gab es riesige Löcher“, sagt er. Es hatte wochenlang gedauert, bis die steinernen Flächen wieder ordentlich befestigt waren.

Doch jetzt haben Flutkoordinator Mörbt und seine Kollegen noch andere Aufgaben. Sie müssen die Elbbrücken überwachen, wofür der Experte am Freitag wieder auf den Blasewitzer Pylon kletterte, der 25 Meter über dem Pfeiler emporragt. Zwar hängt am Loschwitzer Pfeilerfuß ein Baum, am benachbarten Schiffsanleger ein weiterer. Doch sichtbare Schäden an der Brücke habe es bisher nicht gegeben. Mörbt hofft, dass dies so bleibt.