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Stadt stoppt vorerst Straßenausbau im Hechtviertel

Neben besonders aufwendig sanierten Straßen gibt es äußerst marode Wege. Anwohner fragen sich, warum das so ist.

© Sven Ellger

Ulrike Kirsten

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Viel Geld hat die Stadt investiert, um im Viertel Straßen, Gehwege und Gebäude zu sanieren. Seit 1991 sind insgesamt 58,1 Millionen Euro in die Neustädter Infrastrukur geflossen. Klaus Zimmermann, der in der Paulstraße lebt, findet es zwar schön, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten so viel in der Landeshauptstadt getan hat. Trotzdem fragt sich der gebürtige Dresdner wie andere Bewohner auch, warum wichtige Straßen wie die Louisenstraße noch immer von Schlaglöchern übersät sind, während andere aufwendig saniert wurden.

© Eric Münch

„Es ist auffällig, dass einige Viertel bevorzugt werden. Es gibt Gebiete, da sind die Straßen toll saniert, und an anderer Stelle werden die Wege immer schlechter“, sagt der 72-Jährige. Dresden habe sich super entwickelt. Aber trotzdem versteht Zimmermann nicht, nach welchen Prioritäten die Stadt bei der Sanierung vorgeht. Vor allem der Ausbau der Kiefernstraße im Hechtviertel hat sein Interesse geweckt. „Sieht ja nett aus, aber musste die Straße wirklich so luxuriös ausgebaut werden?“

In diesem Bereich in der Neustadt hat die Stadt in den vergangenen Jahren vermehrt Straßen, Plätze und Gebäude saniert, zuletzt besagte Kiefernstraße. Fast ein halbes Jahr war die Straße gesperrt und wurde von Grund auf saniert. Nun ist eines der aktuellsten Ausbauprojekte im Hechtviertel fertig. Mit Betonplatten, Natursteinpflaster und Granitkrustenplatten auf dem Gehweg hat die Straße einen boulevardähnlichen Charakter. Sie ist die bisher einzige ausgebaute Wohnstraße in der Neustadt. „Sieht ein bisschen so aus, wie in einem Erholungsort an der Ostsee“, sagt Zimmermann. Doch die Stadt fährt damit eine klare Strategie, erklärt Rathaussprecher Karl Schuricht. „Die Straße ist genauso ausgebaut worden, weil sie nicht für den Durchgangsverkehr gedacht ist und sich von anderen Straßen abheben soll.“

Mit der Gestaltung habe die Stadt auf den Wunsch der Anwohner reagiert, die Straße in einen verkehrsberuhigten Bereich umzuwandeln. Rund 462.000 Euro hat der Ausbau der etwa 150 Meter langen Straße gekostet. Finanziert wurde die Sanierung zu je einem Drittel von Bund, Land und Stadt. Letztere hat hierfür Städtebaufördermittel verwendet. „Um den verschiedenen Ansprüchen an die Straße gerecht zu werden, konnte und sollte die Kiefernstraße nicht billiger gebaut werden“, so Schuricht.

Damit ist nun eine der letzten unsanierten Straßen im Hechtviertel ausgebaut worden. Insgesamt 4,5 Millionen Euro hat die Stadt hier in neue Straßen und Gehwege investiert. Das Gebiet wird seit Jahren gefördert und gehört zu den neun städtischen Sanierungsgebieten. Mit dem Ausbau dieser historischen Viertel will die Stadt dem Verfall seit Jahren gezielt entgegenwirken. Diese Viertel waren nach der Wende besonders desolat. Trotz der außergewöhnlichen Gestaltung der Kiefernstraße halten sich die Kosten für Straßensanierungen in der Neustadt die Waage. Die Heinrichstraße im Barockviertel wurde beispielsweise mit ähnlichen Materialien ausgebaut. 600.000 Euro hat sie vor zwei Jahren gekostet.

Zwar sind noch längst nicht alle Straßen im Hechtviertel saniert. Trotzdem ist hier vorerst Schluss. „Das Geld der Stadt reicht nicht aus, um alle weiteren Straßen und Plätze im und um das Sanierungsgebiet in den nächsten Jahren mit dem gleichen Qualitätsanspruch zu gestalten, wie die Landeshauptstadt das bisher getan hat“, sagt Schuricht. In den kommenden Jahren habe der Bau von Schulen und Kindertagesstätten Priorität.

Probleme mit unsanierten Straßen gibt es auch in der Äußeren Neustadt, obwohl der Stadtteil ebenfalls Sanierungsgebiet ist. Sieben Millionen Euro wurden hier in den Ausbau von Nebenstraßen und Fußwegen gesteckt. Seit Jahren geben hingegen wichtige Verbindungsstraßen, wie die Katharinen- und Louisenstraße, ein schlechtes Bild ab. Schlaglöcher, kaputte Gullydeckel, die Straßen verfallen zusehends. Das weiß auch die Stadt. Anwohner müssen sich aber weiter in Geduld üben, bis sich hier etwas tun wird. „Die Katharinenstraße soll bis Ende des Jahres 2017 grundhaft saniert werden, sofern die Stadt im Haushalt dafür Geld einplant“, sagt Baubürgermeister Jörn Marx (CDU). Für die Louisenstraße sind die Aussichten sogar noch schlechter. Die Sanierung sei derzeit im Rahmen der Stadterneuerung nicht geplant, so Marx.