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Promikoch tischt jetzt in Stadt Wehlen auf

Thorsten Bubolz stand im Kempinski und der Gläsernen Manufaktur am Herd. Nach dem Schlosshotel in Pillnitz zieht es ihn in die Sächsische Schweiz - aus gutem Grund.

Thorsten Bubolz hat in Spitzenzeiten für 1.800 Gäste von Volkswagen gekocht, jetzt zieht es ihn kulinarisch ins beschauliche Wehlen.
Thorsten Bubolz hat in Spitzenzeiten für 1.800 Gäste von Volkswagen gekocht, jetzt zieht es ihn kulinarisch ins beschauliche Wehlen. © Steffen Unger

Er hat für die bekanntesten Politiker gekocht: Jacques Chirac, Madelaine Albright oder Johannes Rau. Auch die thailändische Kronprinzessin durfte von seinen Kreationen probieren. Thorsten Bubolz hat sich mit seiner Kochkunst über Sachsen hinaus einen Namen gemacht - in den bekanntesten Küchen.

Der 51-Jährige kochte unter anderem 15 Jahre lang im Restaurant Lesage in der Gläsernen Manufaktur in Dresden, das zum Kempinski gehört. Zuletzt arbeitet er als Küchenchef im Schlosshotel in Pillnitz. Jetzt will Thorsten Bubolz den kulinarischen Neustart wagen. Wieder an der Elbe. Allerdings etwa 17 Kilometer flussaufwärts. Der gebürtige Niedersachse hat in Stadt Wehlen in der Sächsischen Schweiz angeheuert: im Manufakturhotel von Mario Lucia.

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Bubolz will schöne Gerichte ohne viel Chichi

Am 15. Juni übernimmt Bubolz das Kommando im Restaurant 1881. Damit die Neueröffnung nach dem siebenmonatigen Corona-Lockdown gelingt, hat sich Thorsten Bubolz bereits warm gekocht. Thunfischtatar mit Mango, Poulardenbrust oder Kalbsbäckchen mit Pastinaken-Kartoffelpüree will er auf den Teller bringen. Ohne viel Schörkel oder Chichi. Dafür mit Konzentration auf das Produkt. Das ist der Stil, für den Bubolz steht und bekannt ist.

Genau deswegen hat ihn Hotelchef Mario Lucia nach Stadt Wehlen geholt. Die beiden kennen sich seit Jahren aus der Gastroszene. Sie haben zusammen für Kempinski gearbeitet, im Restaurant Lesage. Lucia machte sich schließlich selbstständig, gründete mit Pasta Lucia ein eigenes Unternehmen, das heute 15 verschiedene Sorten an Teigwaren produziert.

Kurze Zeit später eröffnete er das Manufakturhotel in Stadt Wehlen, in dem nicht nur Gäste übernachten, sondern auch die Pasta hergestellt wird. Der Kontakt zu Thorsten Bubolz hielt in der Zeit. "Er hat immer an mir gebaggert", erzählt Thorsten Bubolz. Dem "Lesage", seiner großen berufliche Liebe, wie er sagt, blieb er dennoch Treu. Bis mit dem Aus für die Phaeton-Produktion in Dresden auch das Restaurant geschlossen wurde.

Manufakturhotel will sich mit Küche abheben

Im Schlosshotel in Pillnitz fand der 51-Jährige danach eine neue kulinarische Heimat. "Wegen meiner beiden Söhne, die heute 18 und 21 sind, wollte ich damals im Raum Dresden bleiben", sagt er. Nach vier Jahren lockte ihn die Neugier auf etwas ganz Neues. "Das Manufakturhotel und das Restaurant in Stadt Wehlen haben ein riesiges Potenzial", ist Bubolz überzeugt. Die Lage an der Elbe, der Blick in Richtung Basteigebiet. Das gibt es nicht überall. Das Haus am Wehlener Markt hätte deshalb mehr verdient. Daran wolle er mitarbeiten. Mit einer Küche, die sich abheben soll.

"Ich will schöne Teller machen", sagt Bubolz. Und meint damit nicht die Optik. Schmecken muss es. Das ist sein Ansporn. Neue Gerichte entstehen bei ihm erst im Kopf. "Ich sammle Produkte, die ich gern verwenden möchte. Dann schaue ich, wie diese kombiniert werden können, damit es geschmacklich passt", erzählt er. Thunfisch und Mango sei eine solche Kombination. Ungewöhnlich auf den ersten Blick, raffiniert am Gaumen. Was seinen Geschmackstest besteht, kommt auf die Karte.

Thunfischtatar mit Mango und Pflücksalat. Wenig Schnörkel, voller Geschmack, das ist die Handschrift, die Gerichte von Thorsten Bubolz prägen.
Thunfischtatar mit Mango und Pflücksalat. Wenig Schnörkel, voller Geschmack, das ist die Handschrift, die Gerichte von Thorsten Bubolz prägen. © Steffen Unger

"Das alles funktioniert nur, wenn man frei und kreativ sein kann - und umgeben ist von einem guten Team", sagt Thorsten Bubolz. Mit drei weiteren Köchen wird Thorsten Bubolz künftig in Stadt Wehlen arbeiten. Perspektivisch soll die Zahl wachsen. Der Ton in der Küche sei zwar manchmal sehr direkt, denn bei der Arbeit komme es auf Konzentration und Schnelligkeit an. Laut und rau gehe es bei ihm aber nie zu. "Es soll und muss uns allen ja Spaß machen", sagt er.

Die Gastronomie leide sei Jahren unter einem Fachkräftemangel. Das liegt vor allem an den Arbeitszeiten, die mit einem normalen Familienleben oft kollidieren. Deshalb sei es wichtig, den Mitarbeitern auch mal am Wochenende frei zu geben - auch ohne besonderen Grund wie die Hochzeit der Schwester. "Man muss sein Personal pflegen, damit es bleibt", sagt er.

Das Manufakturhotel am Markt in Stadt Wehlen ist der neue Arbeitsplatz von Thorsten Bubolz, genauer: das Restaurant 1881.
Das Manufakturhotel am Markt in Stadt Wehlen ist der neue Arbeitsplatz von Thorsten Bubolz, genauer: das Restaurant 1881. © Marko Förster

Mario Lucia ist froh, dass er Thorsten Bubolz in die Sächsische Schweiz locken konnte. Einen, der in der Dresdner Messe schon für rund 1.800 Gäste von Volkswagen gekocht hat - etwas mehr als Stadt Wehlen Einwohner hat. "Wir wollten schon immer etwas zusammen machen", sagt der Pasta-Unternehmer. Jetzt sei es so weit.

Übersichtliche Karte und Pasta ab 15 Euro

"Ich will meinen Gästen mehr bieten, als Würzfleisch oder Steak au four", sagt er. Espuma-Schaum müsse es dann aber auch nicht sein. Solch ein Chichi gehöre für ihn nicht in die Sächsische Schweiz. Dennoch: Exzellent müssten die Produkte sein, die auf den Teller kommen. "Zu einem akzeptablen Preis", sagt Lucia. Im Restaurant 1881 beginnen die Vorspeisen bei 7 Euro, Pasta gibt es ab 15 Euro, Hauptgerichte kosten zwischen 20 und 30 Euro. Die Auswahl ist übersichtlich. Auch das sei ganz bewusst so gewählt.

"Restaurant 1881" im Manufakturhotel, Markt 9 in Stadt Wehlen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 12 bis 21 Uhr.

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