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Stadt will altes Kinderheim kaufen

Die leere Villa im Wald gehört zu einem ganzen Immobilienpaket in Sebnitz. Für eine Wiederbelebung stehen die Chancen aber schlecht.

© Dirk Zschiedrich

Von Dirk Schulze

Sebnitz. Uneingeweihte werden das Gebäude kaum entdecken. Die einstige Villa ist komplett zugewachsen, frisches Grün verdeckt die maroden Mauern. Das zweigeschossige Gebäude im Wald oberhalb des Eisenbahnviadukts und der Brückenschänke ist den Sebnitzern als früheres Kinderheim bekannt. Seit 1995 steht der landhausähnliche Villenbau leer und ist dem Verfall preisgegeben. Regelmäßig gibt es seit dem Anfragen, was denn aus dem Gebäude werden soll. Vor allem wenn mal wieder Kinder und Jugendliche in dem verlassenen Gebäude rumturnen, wittern Anwohner Gefahr.

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Die Stadt Sebnitz nimmt jetzt einen neuen Anlauf, die Immobilie zu erwerben. Eine Entwicklungsperspektive für das denkmalgeschützte Haus samt dem 6 300 Quadratmeter große Waldgrundstück gibt es jedoch nicht. Das alte Kinderheim steht nicht mal im Fokus des städtischen Interesses. Es gehört mit über 50 anderen Grundstücken zum Nachlass der ehemaligen Sebnitzer Papierfabrik, deren Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg endete. Sebnitz will die Ländereien jetzt als Komplettpaket vom Rechtsnachfolger der Papierfabrik AG kaufen, der zum Unilever-Konzern gehört. Das war bereits vor einigen Jahren der Plan, als die Stadt die Villa am Burggässchen gekauft hat, die ebenfalls zum Bestand der Papierfabrik AG gehörte. Kurz vor Abschluss des Geschäfts hätten die Verkäufer laut Rathaus aber einen Rückzieher gemacht – beziehungsweise ihre Forderungen hochgeschraubt. Das Komplettpaket wurde der Stadt damals zu teuer, sie kaufte vorerst nur die Villa am Burggässchen, einen früheren Kindergarten.

Jetzt will Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) die Verhandlungen um die verbliebenen 56 Grundstücke erneut aufnehmen. Es geht um eine Gesamtfläche von rund 154 000 Quadratmetern. Den Anlass gibt die von der Stadt verkündete Baulandoffensive. Sebnitz will gezielt Flächen für Eigenheimbauer erschließen. Zu den ins Auge gefassten Flächen gehören unter anderem Felder an der Jostleite westlich der Seifen. Sie sind ebenfalls im Besitz der Papierfabrik AG. Die Jostleite erhielt ihren Namen im Übrigen zu Ehren von Friedrich Hermann Jost, wie der Sebnitzer Historiker Manfred Schober bekannt machte – und damit schließt sich der Kreis. Jost war von 1904 an der Direktor der Sebnitzer Papierfabrik. Er lebte bis zu seinem Tod in der um 1860 erbauten Villa über dem Hainersdorfer Viadukt – dem späteren Kinderheim, seinerzeit Jost-Villa genannt.

Aus Sicht der Stadt ist das alte Kinderheim jedoch völlig uninteressant, wie OB Mike Ruckh erklärt. Es gebe keinerlei Pläne für eine neue Nutzung und derzeit auch keine Kaufinteressenten. Das Hauptproblem ist die fehlende verkehrstechnische Erschließung. Die Zufahrt ist nicht durchgängig gewährleistet, ganz bis ran kommt man nur zu Fuß.

Bleibt die immer wieder aufgeworfene Frage nach der Sicherung des teils baufälligen Hauses. Für die Öffentlichkeit gehe keine Gefahr von dem Gebäude aus, sagt Ruckh. Es stehe auf einem Privatgrundstück, und das habe niemand unbefugt zu betreten, weder Kinder noch Erwachsene.