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Stadt will Kirchsteig verkaufen

Den Weg in Ostrau gibt es zwar nur noch auf dem Papier. Doch er beschäftigt jetzt intensiv Verwaltung und Anlieger.

© Symbolfoto: Kristin Richter

Von Gunnar Klehm

Bad Schandau. Der Ostrauer Helmut Ulbrich wohnt gern in dem Bad Schandauer Ortsteil hoch über der Stadt. Hier hat er ein Häuschen und kommt gut mit seinen Nachbarn aus. Vor einiger Zeit hat ihn aber die Stadt aufgefordert, ein Stück Bauland zu kaufen. „Das möchte ich aber nicht“, sagt er. Zum einen wolle er gar nicht bauen, zum anderen ist ihm der Preis von 70 Euro pro Quadratmeter zu hoch. Das Problem ist jedoch, dass es sich um einen Streifen Land handelt, der quer durch seinen Garten verläuft. Es ist der alte Kirchsteig, auf dem die Bewohner des alten Ostrau früher Richtung Kirnitzschtal und dann hinunter zur Kirche nach Bad Schandau gelaufen sind. Später wurden der Ostrauer Ring und der Schanzenweg angelegt. Der Kirchsteig wurde nicht mehr genutzt und geriet in Vergessenheit. Die neuen Flurstücke wurden jedoch vom Ostrauer Ring über den Kirchsteig hinaus angelegt. In den Kaufverträgen war das zwar ausgewiesen. Zu DDR-Zeiten hat es aber niemanden gekümmert.

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Mit der Flurbereinigung in allen Kommunen hat sich das aber geändert. Der Kirchsteig gehört der Stadt. Wer den 2,50 Meter breiten Streifen in seinem Garten weiter nutzen will, muss ihn kaufen, heißt es aus dem Rathaus. Das haben auch schon Bewohner getan.

Weil aber einige Anlieger wie Helmut Ulbrich nicht mitmachen, entstehen sogenannte „unselbstständige Teilflächen“, die allein keinen Wert haben. „Das ist Gartenland. Als das würde ich den Streifen auch kaufen“, sagt er. Der Baulandpreis sei nicht gerechtfertigt. Die Stadt könne in den Kaufverträgen ja festlegen, dass nachgezahlt wird, sollte gebaut oder weiterverkauft werden. Die sieht aber keine andere Handhabe, weil die Flächen nun mal für Wohnbebauung ausgewiesen sind.

Die Stadt hat bereits angekündigt, dass sie die Nutzung des Streifens untersagen wird. Helmut Ulbrich ficht das nicht an. Dann werde er eben außenrum zu seinem hinteren Gartenstück laufen, wie er sagt.