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Stadt will zusätzliche Parkplätze bauen

Ein Dresdner Ingenieurbüro hat die Parkplatzsituation im Görlitzer Stadtzentrum untersucht. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

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© Nikolai Schmidt

Von Ingo Kramer

Eine neue Tiefgarage unter dem Wilhelmsplatz? Oder besser unter dem Marienplatz? Oder unter dem Obermarkt? Oder lieber ein Parkhaus im Hinterhof der Jakobstraße? Oder das bestehende Parkhaus City Center erweitern? All diese Ideen wurden in den vergangenen Jahren wieder rege diskutiert, denn in der Alt-, Innen- und Nikolaivorstadt sind die Parkflächen oft knapp. Bewohner, Gäste, Arbeitspendler, Gewerbetreibende und andere konkurrieren um die oftmals zu wenigen Stellplätze. Allerdings: Selbst die Stadtverwaltung weiß nicht, wohin sie tendieren soll.

Deshalb hat das Amt für Stadtentwicklung eine vertiefende Untersuchung zum Verkehr in der Innenstadt, vor allem zum ruhenden Verkehr, in Auftrag gegeben: Das Ingenieurbüro Ivas aus Dresden wurde mit der Bearbeitung beauftragt. Neben Fußgänger-, Rad- und fließendem Verkehr haben sich die Fachleute vor allem die Parksituation angeschaut. „In den zurückliegenden Monaten gab es umfangreiche Vor-Ort-Termine und Zählungen, um auch die Auslastung der Stellplätze zu ermitteln“, erklärt Stadtsprecherin Anett Böttger. Ferner seien automatische Datenerfassungssysteme an Parkplätzen und -häusern ausgewertet sowie Betreiber solcher Anlagen befragt worden. Die Verkehrsuntersuchung soll einerseits einen aktuellen Überblick zum Parken im Görlitzer Zentrum liefern. Andererseits strebt das Rathaus an, anhand der sich abzeichnenden Nachfrage konkrete Maßnahmen abzuleiten.

Inzwischen ist die Analyse abgeschlossen. „Sie ermöglicht eine detaillierte Einschätzung der aktuellen Situation“, sagt Anett Böttger. Kapazitätsengpässe haben sich nach ihrer Aussage prinzipiell bestätigt: „Allerdings stellt sich die Lage durchaus differenzierter dar, als zu vermuten war und allgemein angenommen wird.“ So habe sich herausgestellt, dass es sowohl Quartiere mit deutlichem Stellflächendefizit als auch Gegenden mit einem ausgewogenen Angebot an Parkplätzen gibt.

Das Untersuchungsgebiet umfasst im Prinzip fast die komplette Alt-, Innen- und Nikolaivorstadt. Es wird begrenzt von Neiße, Dr.-Kahlbaum-Allee, Bahnhofstraße, Cottbuser Straße, Christoph-Lüders-Straße, Pontestraße, Steinweg und Großer Wallstraße. In diesem Areal wurde festgestellt, dass das Maximum der Auslastung bei fast 80 Prozent liegt. „Im öffentlichen Straßenraum gibt es kaum noch Reserven, wobei Stellplätze vor allem in der Historischen Altstadt gefragt sind“, erläutert die Sprecherin. Dort habe es Auslastungsspitzen von mehr als 90 Prozent gegeben, etwa an Sonnabenden und am späten Vormittag.

„Es ist zu erwarten, dass die Nachfrage nach Parkplätzen künftig eher steigen wird“, sagt Anett Böttger. Gründe seien der sich abzeichnende Bevölkerungszuwachs im Zentrum, die weitere Stärkung der Innenstadt als Einzelhandels- und Dienstleistungsstandort sowie die geplante Erweiterung von Behörden und Institutionen wie Landratsamt und Senckenberg-Museum.

Im nächsten Schritt will die Stadt gemeinsam mit Ivas mögliche neue sowie bis heute nicht verwirklichte Standorte zum Parken untersuchen. Der Fokus wird vor allem rund um die Altstadt liegen. Darüber hinaus soll das Gründerzeitviertel entlang der Berliner Straße im Detail betrachtet werden. Das Konzept werde voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte vorliegen. Wie die Situation verbessert werden kann, soll auch mit Bürgerbeteiligung ermittelt werden. Ähnlich wie in der Vergangenheit bei der Gestaltung des Postplatzes soll es Workshops geben, bei denen das Rathaus auf rege Beteiligung hofft. Einen genauen Zeitplan dafür gibt es aber noch nicht.