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Stadtbäckerei schließt

Nach zwei Jahren gibt Steffen Zabel den Standort im Zittauer Stadtzentrum auf. Die nächste Bäckerei schließt in Pethau.

Von Mario Heinke

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Die Stadtbäckerei an der Ecke Reichenberger/Albertstraße schließt zum Jahresende. „Nachmieter gesucht“ steht seit einigen Wochen auf einem großen Aufkleber am Schaufenster. Bäckermeister Steffen Zabel aus Eckartsberg übernahm die Stadtbäckerei samt Verkäuferinnen im Dezember 2016 ohne viel Tamtam. Sein Vorgänger, Bäckermeister Steffen Runge, der im Jahre 2011 die Bäckerei Scheffler übernommen hatte und in Stadtbäckerei umbenannte, musste einige Monate zuvor schließen. Zabel setzte große Hoffnungen auf den Standort mitten im Zittauer Stadtzentrum. Die Drogeriekette Rossmann will auf der anderen Straßenseite bauen, das würde viele Menschen anziehen, so spekulierte er. „Da tut sich gar nichts“, so der Bäckermeister frustriert. Es kam aber noch viel schlimmer. Bereits im ersten Jahr nach der Übernahme der Stadtbäckerei wurde die Straße aufgerissen, monatelange Bauarbeiten folgten. Zeitgleich schloss auch die Parkschule wegen Bauarbeiten, sodass auch die Schüler nicht mehr kamen. Der Umsatz blieb überschaubar. In diesem Frühjahr fragte Steffen Zabel bei der Stadtverwaltung nach, ob er auf der Betonfläche gegenüber der Stadtbäckerei Tische, Stühle und Sonnenschirme aufstellen könne. Ein kleines Straßencafé zum Verweilen bei schönem Wetter sollte den Umsatz befördern, so der Plan. „Wegen laufender Grundstücksverhandlungen lehnte die Stadt ab“, erzählt Zabel und schüttelt den Kopf. Bis heute hat sich auch auf der grauen Betonfläche mit den zwei Parkbänken nichts getan. „Ich konzentriere mich jetzt auf die anderen Standorte“, sagt der Meister etwas desillusioniert. Er betreibt neben seiner Bäckerei in Eckartsberg Filialen in der Löbauer und in der Leipziger Straße, beschäftigt zehn Mitarbeiter und einen Azubi.

Die Rahmenbedingungen für das Bäckerhandwerk werden nicht besser, das bestätigt auch Steffen Heidrich, Inhaber der Bäckerei in der Hauptstraße in Pethau. Er beklagt den steigenden Mindestlohn, steigende Produktionskosten, Bevölkerungsrückgang und mangelnden Umsatz in der Woche. „Das passt alles nicht mehr, wenn die Leute nur am Wochenende zum Bäcker gehen.“ Auch Steffen Heidrich wird deshalb Ende Februar 2019 in Pethau schließen. Die Filiale in Olbersdorf bleibe aber bestehen, dort laufe es besser, so Heidrich.

Von einer Schließungswelle zu sprechen, ist vielleicht übertrieben, Fakt ist jedoch: Die Zahl der Gewerbeanmeldungen sinkt seit Jahren und derzeit sind auch keine Neuansiedlungen von Handel, Handwerk und Gewerbe im Stadtgebiet bekannt. „Im Rahmen der EU-Förderung für Kleinunternehmen gibt es mehrere Anfragen potenzieller Neugründer, die einen Standort in der Innenstadt suchen“, sagt Zittaus Wirtschaftsförderin Gloria Heymann. Sie schränkt aber gleich ein, noch kein Vorhaben benennen zu können. Dazu seien die Pläne noch zu unkonkret.