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Stadthalle in aller Munde

Der Ministerpräsident will sie, der Präsident der Kulturstiftung Sachsen auch – nun muss nur noch Geld fließen. Und die Stadt Görlitz mitmachen.

© nikolaischmidt.de

Von Sebastian Beutler

Auf der gemeinsamen Sitzung der Stadträte von Görlitz und Zgorzelec schien gerade gepflegte Langeweile auszubrechen, als Ulf Großmann ans Rednerpult trat. Der frühere Görlitzer Bürgermeister und heutige Präsident der Kulturstiftung Sachsen sollte das 20-jährige Bestehen der Europastadt Görlitz/Zgorzelec mit ein paar Episoden aus der Vergangenheit illustrieren. Doch dann tat Großmann etwas, wofür er immer gut ist. Er belebte den Augenblick mit drei Wünschen. Kinder aus beiden Städten sollten einfacher Kitas und Schulen auf der jeweils anderen Neißeseite besuchen können, die Abschlüsse sollten gegenseitig anerkannt sein. Dann warb er für ein weiteres Zusammenwachsen beider Städte, für Kontakte zwischen Vereinen und Initiativen wie die Europa-Chor-Akademie. Vor allem aber setzte sich Großmann für die baldige Sanierung der Stadthalle als „europäisches Veranstaltungs- und Konzertzentrum“ ein. Er griff damit auf, was der Görlitzer Verleger Alfred Theisen am selben Tag in der SZ vorgeschlagen hatte.

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Überraschenderweise ist die Stadthalle in diesen Tagen wieder in aller Munde. Begonnen hatte alles vor einer Woche mit dem Auftritt von Bürgermeister Michael Wieler vor dem Förderverein der Stadthalle und seiner Aussage, dass er optimistischer ist, eine große Fördersumme für die Stadthalle einwerben zu können als zehn Jahre lang noch weiter eine Million Euro. Von 40 Millionen Euro ist da die Rede. Landtagsabgeordneter Octavian Ursu (CDU) berichtete zugleich von Initiativen auf Landesebene. Dann überraschte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Montag den Görlitzer OB Siegfried Deinege mit seiner Äußerung, auch der Rest der Stadthalle müsse nun saniert werden und er würde gern für mehr Schub sorgen – wenn die Stadt will. Deinege reagierte auf Kretschmers Ansage nicht. Und jetzt auch noch Großmann. Der Förderverein Stadthalle ist froh und gleichzeitig besorgt über diese Entwicklung. „Wenn Kretschmer das so gesagt hat, dann lässt sich daraus schließen, dass das Rathaus seine Hausaufgaben nicht so macht, wie es die Geldgeber in Land und Bund gerne hätten“, sagt er gegenüber der SZ. „Das wäre dann mehr als traurig, wenn die ausgestreckte Hand eines Ministerpräsidenten nicht ergriffen wird.“ Vielleicht ist es aber auch ganz anders und Deinege will sich wieder mal nicht in seine Karten schauen lassen. Am Mittwoch jedenfalls reagierte er auf den Stadthallen-Vorstoß von Großmann: Sie sei auf keinem schlechten Weg, aber manchmal sei es eben ein etwas steinigerer Weg.