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Görlitzer Stadthalle kann die Wirtschaft beflügeln

Sebastian Beutler über Anhänger und Kritiker der Halle

Symbolbild
Symbolbild © Nikolai Schmidt / Montage: SZ-Bildstelle

Ja, es ist Wahljahr. Und ja, es geht wieder um die Stadthalle – wie bei allen Wahlen seit 2005. Das kann auch gar nicht anders sein. Die Sanierung der Halle und ihr künftiger Betrieb sind keine Kleinigkeit für diese Stadt, die man mal so aus der Portokasse finanzieren könne. Da haben Kritiker und Befürworter recht.

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Zunächst sollte man festhalten, was in diesen Tagen von keiner Seite mehr infrage gestellt wird: Die Stadthalle soll saniert werden. Seit Bund und Land angekündigt haben, 90 Prozent der Baukosten zu tragen, sind die größten Skeptiker nicht umgefallen, aber wenigstens der Auffassung, dass Görlitz so viel Geld nicht ablehnen könne, ohne bei den Geldgebern unten durch zu sein. Deswegen hat sich der Streit auf Nutzungs- und Betriebskonzept verlegt. Das ist aus Sicht der Stadthallen-Anhänger gefährlich, denn wer hier auf Zeit spielt, verpasst möglicherweise das derzeit noch günstige Zeitfenster für eine Sanierung. Schon heißt es beim Bund, man müsse sparen, weil die Steuern nicht mehr so fließen. Da wäre es töricht mit Görlitzer Uneinigkeit den Haushaltspolitikern in Berlin auch noch in die Hände zu spielen. Nach dem Motto: Einigt Euch erst einmal, dann kommt wieder, bis dahin können wir das Geld anderswo gut gebrauchen. 40 Millionen Euro sollen in die Stadthalle fließen. Allein dafür, damit sie wieder zu einer der erstklassigen Musikhallen wird, wäre das ein unangemessener Einsatz von Steuergeld. Die Stadthalle wird künftig für diese Stadt mehr sein müssen. Durch mögliche Kongresse und Tagungen kann sie die Görlitzer Wirtschaft beflügeln, die sich seit Schließung der Stadthalle stark verändert hat. Als sie im Betrieb war, gab es keine Forschungsinstitute, wie sie sich in Görlitz etablieren mit Senckenberg, mit digitaler Systemforschung und vielem mehr. Tourismus spielte damals nicht die Rolle. Die Dienstleistungsbranche eh nicht, das Internet nicht. Europa spielt heute eine ganz andere Rolle. All das kann kombiniert werden in einer neuen digitalen Welt, in der das stilvolle Zusammentreffen nicht verschwinden wird. Die Kritiker der Stadthalle werfen den Befürwortern immer vor, sie würden die Halle aus Nostalgie wiederhaben wollen. Nun ist die emotionale Bindung an die Stadthalle durch die Erlebnisgeneration nichts Schlechtes. Gäbe es sie nicht, niemand würde heute mehr über die Sanierung reden. Tatsächlich hören sich aber auch die Kritiker eher wie die Nörgler von gestern an. Denn auch ihnen fehlt die Fantasie, die neue Wirtschaft mit der Stadthalle als Ganzes zu denken. Aber nur so wird ein Schuh daraus.

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