Merken

Stadtplaner halten an der Straßenbahn fest

Bis 2028 soll es nur ganz kleine Veränderungen geben. Bei den Buslinien aber tut sich einiges.

Teilen
Folgen
© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ingo Kramer

Seit dem gestrigen Montag liegt er öffentlich in der Jägerkaserne aus: Der Entwurf für das neue Nahverkehrskonzept der Stadt. Und er enthält eine klare Botschaft: Die Straßenbahn bleibt. Dafür sprechen viele Gründe. Unter anderem: Bei einer Umstellung von Straßenbahn auf Bus würde sich die Fahrzeit nach Königshufen deutlich verlängern, weil der Bus nicht den direkten Weg nehmen kann. Dann würden weniger Görlitzer mitfahren. Im Einzelfall rechnet das Konzept mit einem Rückgang der Fahrgastzahlen von 25 Prozent. Die SZ hat sich den Entwurf genau angesehen – und nennt hier die wichtigsten Inhalte.

Wenn die Bahn bleibt, bleibt dann auch alles andere wie bisher?

Ein Schlüsselsatz in dem Papier heißt: „Unter Berücksichtigung aller Faktoren wurde für die Prognose von einem ÖPNV-Angebot ausgegangen, das in Qualität und Quantität dem heutigen entspricht.“ Übersetzt heißt das: Im Großen und Ganzen bleibt 2019 bis 2028 alles, wie es ist. Im Detail aber sind so einige Verbesserungen geplant. Diese starten aus Kostengründen nicht alle sofort.

Was verändert sich an den Linienführungen?

Bei den Straßenbahnen gar nichts, wohl aber bei den Bussen. Fakt ist nämlich, dass der östliche Teil von Alt- und Innenstadt, also das Neißeufer, bisher schlecht angebunden ist. Ab 2019 soll der A-Bus aus Richtung Landeskronsiedlung wie gewohnt zum Demianiplatz fahren und dann weiter über Obermarkt, Klosterplatz, Elisabethstraße, Joliot-Curie-Straße und Dr.-Kahlbaum-Allee zur Hochschule. Von dort soll jede zweite Fahrt als Linie D weitergehen über Schiller-, Bahnhof-, Kröl- und Luisenstraße zum Demianiplatz und dann weiter entlang der jetzigen Linie A nach Klingewalde. Die übrigen Fahrten enden an der Brückenstraße. Auch beim B-Bus ist eine Veränderung geplant. Er fährt derzeit zwischen Demianiplatz und Heiligem Grab parallel zur Straßenbahn. Künftig soll er über Teich-, Lüders- und Zeppelinstraße zum Klinikum fahren. So entfällt nicht nur die Doppelung mit der Straßenbahn, sondern auch neue Ziele wie Finanzamt, Polizeidirektion und künftiges Jugendzentrum erhalten erstmals eine Busanbindung. Einziger Haken: Die Haltestelle Kummerau entfällt. Aber nicht komplett: Hier sollen künftig pro Stunde mehrere Überland-Busse halten. Eine weitere Veränderung betrifft den Nachtbus: Er soll künftig von Rauschwalde auch zum Klinikum pendeln, und das stündlich. Dafür fährt er zur Landeskrone nicht mehr alle 30 Minuten, sondern ebenfalls stündlich. Da beide Busse in Rauschwalde abwechselnd abfahren, bleibt es auf dem ersten Abschnitt beim 30-Minuten-Takt.

Kommen nun endlich die neuen Niederflur-Straßenbahnen?

Ja, aber nur nach und nach. Insgesamt müssen acht neue Fahrzeuge angeschafft werden. Die Stadt rechnet dabei mit Kosten von 20 bis 28 Millionen Euro. Davon müsste sie die Hälfte aus eigener Tasche bezahlen. So viel Geld ist aber nicht vorhanden. Deshalb sollen bis 2022 drei Fahrzeuge gekauft werden, sodass zunächst auf jeder Linie einmal pro Stunde eine barrierefreie Bahn fahren kann. Bis 2028 sollen die übrigen fünf Fahrzeuge angeschafft werden.

Müssen auch die Haltestellen umgebaut werden?

Ja, allerdings kostet auch das viel Geld. Es gibt 49 Straßenbahnhaltestellen und 170 Bussteige. Der Ausbau kostet insgesamt 3,2 bis 3,5 Millionen Euro. Deshalb sollen bis 2022 nur die wichtigsten Haltestellen ausgebaut werden, die anderen später.

Gibt es Veränderungen bei den Taktzeiten der Bahnen und Busse?

Nur im Detail sind Änderungen angedacht. So soll am Sonnabend der Takt auf den Linien 2,3 und B an die veränderten Nutzerzahlen angepasst werden. Das heißt, morgens zwischen 6 und 8 Uhr nur noch alle 30 statt 20 Minuten, dafür aber von 14 bis 16 Uhr dann alle 20 statt 30 Minuten. Der E-Bus zum Berzdorfer See soll von Mai bis September häufiger als bisher zwischen Weinhübel und Deutsch Ossig pendeln: stündlich am Wochenende, stündlich auch an jedem Tag der Sommerferien.

Steigen mit der Umstellung bald die Fahrpreise?

OB Siegfried Deinege sagt: „Wir wollen den ÖPNV neu ordnen und finanziell günstiger betreiben.“ Bis zu 20 Prozent Kostenersparnis bei der Betreibung seien möglich. Allerdings legt das Konzept keine Fahrpreise fest. Das muss der Betreiber tun, wenn er irgendwann feststeht. Preisfragen sind also zum jetzigen Zeitpunkt nur Spekulation.

Haben die Görlitzer bei den Plänen ein Mitspracherecht?

Ja. Am heutigen Dienstag, 18 Uhr, gibt es dazu im Rathaus eine Info-Veranstaltung. Hier will die Verwaltung einen Einblick in die Pläne geben. Am 5. Juli, 17 Uhr, veranstaltet der Aktionskreis für Görlitz zum gleichen Thema ein Bürgerforum mit OB Deinege im Schlesischen Museum. Außerdem liegt der Entwurf für das Konzept im Parterre der Jägerkaserne, Raum 57, aus. Bis zum 15. Juli kann es jeder einsehen und seine Anmerkungen aufschreiben. Der Stadtrat beschließt erst im September.

Einsicht: Dienstag, 9 bis 12 und 13 bis 18 Uhr, Donnerstag, 9 bis 12 und 13 bis 16 Uhr, Freitag, 9 bis 12 Uhr

Termine außerhalb dieser Zeiten nach telefonischer Vereinbarung unter 03581 672145 oder 671805