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Stadträte gesichtslos

Der Internetauftritt der Stadt ist unaktuell und lückenhaft. Sie verspricht Besserung. Aber erst im nächsten Jahr.

Von Jürgen Müller

Lommatzsch. Ob es uns nun gefällt oder nicht: Ohne Internet geht nichts mehr, es ist ein wichtiges Informationsmedium. Auch Städte und Gemeinden kommen nicht darum herum, ihre Internetseiten sollten ein Aushängeschild sein. Das sind sie aber in vielen Fällen nicht. Oft entsteht der Eindruck, dass mit dem Internetauftritt eine ungeliebte, lästige Pflicht erfüllt werden muss. Beispielhaft ist das am Lommatzscher Internetauftritt, der schon des Öfteren kritisiert wurde, zu sehen. Die Seiten sind nicht nur unaktuell, sondern auch lückenhaft. Ein paar Beispiele: Unter dem Punkt Sitzungen und Beschlüsse des Stadtrates stammt die „aktuellste“ Meldung vom 28. Mai 2014. Als „aktueller Termin“ wird die Kellernacht vom 3. Oktober 2015 vermeldet. Die letzte Pressemeldung stammt vom August 2011. Wer sich nach den Steuersätzen in der Stadt erkundigen möchte, bekommt als aktuellste Eintragung den Stand von 2012 zu lesen. Bis vor Kurzem war sogar noch ein Aufruf zu finden, der Interessenten für den Friedensrichter ansprach. Doch der ist schon seit zwei Jahren im Amt. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Doch das ist nicht alles. So werden zum Beispiel der Stadträte vorgestellt, aber viele von ihnen sind nicht mit Foto zu sehen. Sieben von 18 Stadträten zeigen kein Gesicht. Warum legt die Stadt Lommatzsch so wenig Wert auf einen aktuellen und vollständigen Internetauftritt?

Stars im Strampler aus Meißen
Stars im Strampler aus Meißen

Hier werden Fotos von Neugeborenen aus der Region gezeigt oder die im Landkreis Meißen Verwandtschaft haben. Vielleicht ist auch Ihr Bild bald dabei?

Versäumnisse eingeräumt

Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) räumt Versäumnisse ein. „Als das Amtsblatt noch nicht im Internet stand, erfolgte darüber die Veröffentlichung beispielsweise der Beschlüsse und aktuellen Informationen. Inzwischen ist der Anzeiger mit aktuellen Infos online, und wir wollen die Texte nicht doppelt einstellen“, sagt sie. Warum ein Teil der Stadträte nicht mit Foto zu sehen seien, könne sie nicht sagen. „Da fragen Sie die Stadträte bitte selbst“, so die Bürgermeisterin. Das Einstellen der Fotos sei jedenfalls kein Problem.

Einer von denen ohne Foto ist Peter Rennert. Er sitzt für die CDU im Stadtrat. Den gesichtslosen Eintrag kann er sich nicht erklären. „Ich habe kein Problem, mit Foto auf der Internetseite zu erscheinen“, sagt er. Rennert ist in Lommatzsch bekannt, nicht nur als Stadtrat aktiv, sondern auch im Sport- und im Karnevalsverein. Anderer Meinung ist dagegen Andreas Pomplun. Der Tischlermeister vertritt ebenfalls die CDU, hat aber zur Öffentlichkeitsarbeit offenbar einen ganz anderen Standpunkt als sein Fraktionskollege. „Ein Foto muss nicht sein, das ist doch so was von unwichtig“, sagt er. Die Bilder auf der Internetseite schaue sich doch ohnehin keiner an.

Käbschütztal vorbildlich

„Diejenigen, die mich gewählt haben, kennen mich doch“, sagt er. Damit ist für ihn das Gespräch beendet. Vielleicht sollten sich die Stadträte, die so öffentlichkeitsscheu sind, mal mit ihren Kollegen im benachbarten Käbschütztal austauschen. Der Internetauftritt dieser Gemeinde ist zwar auch nicht gerade ein Ausbund von Aktualität und Übersichtlichkeit, in Sachen Gemeinderat aber geradezu vorbildlich. Alle Räte werden mit Name, Foto, Adresse und der Partei oder Wählergemeinschaft, die sie vertreten, vorgestellt. Doch nicht nur das. Es finden sich auch die Telefonnummern, unter denen sie erreichbar sind, teilweise sogar die Handynummern. Auch das ist in Lommatzsch nicht der Fall. Telefonnummern fehlen vollständig. Wer ein Problem hat und dieses dem Stadtrat seines Vertrauens mitteilen will, der muss sich in Lommatzsch schon zu ihm begeben. Denn viele Stadträte sind auch im Telefonbuch nicht zu finden.

Möglich, dass sich in absehbarer Zeit die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Lommatzsch einschließlich Internetauftritt verbessert. Die neue Mitarbeiterin, die für Kultur und das Schützenhaus zuständig ist und im Januar eingestellt wurde, soll sich künftig auch um Öffentlichkeitsarbeit kümmern. „Die Struktur der Website passt nicht mehr mit unseren aktuellen Bedürfnissen überein, das ist uns bewusst. Um die Seite zu ändern, braucht man Zeit und Geld. Vor allem Zeit fehlte uns im letzten Jahr, weil andere Aufgaben Priorität hatten“, so die Bürgermeisterin. Im Jahr 2016 solle die Website nun endlich überarbeitet werden. Allerdings werde eine neue Website erst ab Juni 2017 online gehen.