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Stadträte zwischen Zweifel und Entsetzen

Das neue Doppelgeländer der Albertbrücke sorgt auch bei Bauexperten der Fraktionen für Debatten. Sie sind sich einig, dass es keine gute Lösung ist.

© Peter Hilbert

Von Peter Hilbert

Auf der Albertbrücke gibt es derzeit einen besonderen Hingucker. Viele Passanten bleiben stehen, begutachten das Doppelgeländer. Das stellt einen Kompromiss zwischen altem Vorbild und aktuellen DIN-Normen dar. Einige schütteln den Kopf. Nicht anders geht es den Stadträten, die im Bauausschuss die Richtung vorgeben. Zwar haben sie den Grundsatzbeschluss zur Sanierung der Brücke gefasst. Bei diesen Gestaltungsdetails sind sie jedoch nicht gefragt worden. „Ich habe Verständnis, dass sich viele über das Geländer aufregen“, sagt Gunter Thiele, der baupolitische Sprecher der CDU-Fraktion. Auf der Visualisierung der sanierten Brücke seien vorher keine zwei Geländer zu sehen gewesen, verweist er auf den Ursprung.

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Er hätte sich durchaus vorstellen können, das Geländer nach historischem Vorbild etwas zu strecken oder einen Sockel darunter zu bauen, um die normgerechte Höhe von 1,30 Metern zu erreichen. „Alle anderen Lösungen wären besser gewesen. Da hätte ich mir eine moderatere Haltung des Denkmalschutzes gewünscht“, sagt Thiele. Vorschläge von erfahrenen Brückenbauern gab es mehrere, wie die SZ berichtete. Die Stadt hatte jedoch argumentiert, dass die jetzige Lösung die beste ist.

Thieles Bauausschuss-Kollege Thomas Löser von den Grünen hatte schon vor einem halben Jahr gewarnt, dass die Doppelgeländer-Lösung sehr problematisch ist. Er hat mehrfach gefordert, dass die Details im Bauausschuss vorgestellt werden. Doch nichts geschah. „Da sind Leute am Werke, die nur nach der DIN denken“, kritisiert Löser. Die Gestaltungsfragen bei dieser historisch wertvollen Sandsteinbogenbrücke blieben dabei auf der Strecke.

„Wenn man für viel Geld ein Originalgeländer nachbaut, sollte es auch eine ordentliche Wirkung entfalten“, sagt Löser. An der elbaufwärts liegenden Seite, wo das Doppelgeländer zum Großteil schon montiert ist, könne es jetzt nicht mehr zurückgebaut werden. „Die Stadt sollte aber prüfen, ob auf der anderen Brückenseite eine andere Lösung umgesetzt werden kann“, fordert der grüne Baupolitiker.

Hin- und hergerissen ist Bausprecher Tilo Wirtz von den Linken. „Die Lösung ist nicht glücklich“, sagt der Diplom-Bauingenieur. Er hätte zwar auch nichts davon gehalten, das nachgebaute Geländer zu strecken, um die nötige Höhe zu erreichen, oder einen Sockel darunter zu setzen. Die jetzige Konstruktion erfülle ihre Funktion. Das sei auch wichtig. Schließlich habe es in den 1990er-Jahren einen Unfall gegeben, bei dem ein Radfahrer übers Geländer in die Elbe gestürzt war, erinnert er sich. „Das Sicherheitsgeländer erscheint mir aber sehr spartanisch. Insgesamt sieht es furchtbar aus“, sagt Wirtz.

Bausprecher Franz-Josef Fischer von der FDP/Freie-Bürger-Fraktion wartet sehnsüchtig darauf, dass die Albertbrücke endlich wieder für den gesamten Verkehr, also auch für Autos, geöffnet wird. Denn das hat die Stadt schon mehrfach verschoben. Voraussichtlich wird das erst Ende Juni, wenn die Brücke saniert sein soll.

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„In puncto Geländer blamiert sich die Stadt erneut“, so der Stadtrat. Jeder Dresdner, der die Brücke überquert, werde nun Tipps abgeben, wie man ein Geländer hätte bauen oder erhöhen können, ohne ein zweites zu errichten. „So ist Dresden: Die einen nörgeln, die anderen bauen Schildbürgermodelle nach“, sagt Fischer.