merken

Stadtrat stimmt gegen Flachdächer

Nach langer Debatte wollen die meisten Stadträte erst Klarheit zur Gestaltung, bevor über die Bebauung entschieden wird. Eine Varainte ist unerwünscht.

© Visualisierung: Seidel+Architekten

Von Marcus Herrmann

Anzeige
Spannende Idee: Die mobile Fußballschule

Fußballprofi - ein Traum, der immer mit auf den Rasen läuft, wenn die Jüngsten zum Training oder Punktspiel antreten. Aber genügt dafür allein Talent? 

Meißen. Was vor einer Woche im Bauausschuss nichtöffentlich, sondern in geheimer Sitzung besprochen wurde, kehrte am Mittwochabend in die Öffentlichkeit zurück. Denn der Stadtrat hatte sich mit den Plänen um fünf zwischen zwei- und zweieinhalb Geschosse hohe Häuser auf dem Meißner Plossen auseinanderzusetzen.

Das vom Volksmund Würfelhäuser genannte Projekt hatte wegen seiner nicht in die bauliche Gestaltung am Kapellenweg passenden Konzeption seit März für reichlich Widerspruch gesorgt. Nach einer öffentlichen Diskussion im Stadtrat Ende April wurde die Aufstellung eines Bebauungsplans zunächst verschoben, um nun im Stadtrat verabschiedet zu werden.

In der letzten Woche, so teilte Stadtsprecherin Katharina Reso mit, hatten einige Stadträte nochmals „über die Rahmenbedingungen für den Beschluss“ sprechen wollen. Das Projekt treibt die Stadtentwicklungsgesellschaft Seeg zusammen mit der Familie Dathe, den Sanierern der Hornschen Villa, voran.

Aber welche strukturellen Änderungen sind überhaupt möglich und wie stehen die Stadträte nach den internen Diskussionen nun zu den zunächst mit Flachdächern konzipierten Häusern mit reichlich Glas, Balkonen und Terrassen?

Grundsätzlich richten sich Bauvorhaben in dem betreffenden Gebiet an der zuletzt 2004 geänderten Gestaltungssatzung für einen Bereich, der etwa doppelt so groß ist wie die Fläche der fünf geplanten Häuser. Das erläuterte Stadtplanerin Marina Jach am Mittwoch. Diese verbiete Flachdächer am Kapellenweg nicht, sage aber aus: „Gebäude müssen sich deutlich in Dach und Fassade unterscheiden.“

Ob ein Flachdach nach dieser Sachlage möglich ist, sei nicht Gegenstand des Aufstellungsbeschlusses. Über die genaue Gestaltung werde erst später – wenn es um die Beteiligung öffentlicher Träger und an den Satzungsbeschluss geht – entschieden. In der Stadtratssitzung solle lediglich allgemein die Bauabsicht per Beschluss definiert werden.

„Wir brauchen attraktive Wohnstandorte in der Stadt. Mit guter Anbindung, geringem Erschließungsaufwand und nah an den Sehenswürdigkeiten“, sagte Holger Metzig (ULM). Das alles sei bei dem Baugebiet Kapellenweg gegeben, weshalb er für Zustimmung warb. „Die genaue Gestaltung kommt erst im Laufe des Verfahrens auf uns zu.“ Ähnlicher Meinung war Linken-Stadtrat Günter Jordan, der die Flachdach-Debatte gerne später geführt hätte.

Anders sah das die Mehrheit des Stadtrates. So erinnerte Martin Bahrmann (FDP) an Beispiele wie das Neumarktcenter, wo ein überdachter Innenhof trotz Willensbekundungen nicht realisiert worden war. Auch Heiko Schulze (Freie Bürger/SPD/Grüne) plädierte dafür, lieber gleich über Probleme bei der Gestaltung zu sprechen. So müsse doch besser schon jetzt vermerkt werden, dass die Mehrheit im Stadtrat klar gegen Flachdächer sei.

Als nach etlichen Wortbeiträgen schließlich CDU-Stadtrat Jörg Schlechte eine namentliche Abstimmung zum vorgelegten Aufstellungsbeschluss beantragte, erhielt er Zustimmung. Die Gegenrede von OB Olaf Raschke wurde abgelehnt. Letztlich stimmten die Stadträte mit deutlicher Mehrheit gegen den Aufstellungsbeschluss in der jetzigen Form. Die Verwaltung muss nun nachbessern, Bauherren warten.

Damit wird die geltende Satzung vorerst nicht verändert. So griffen die Stadträte der Gefahr vor, dass das Gebiet um den Kapellenweg durch weitere Neubauten mit deutlich anderem Aussehen – frei nach dem Motto: Moderne Architektur kann aufwerten – ortsbildprägend verändert wird.