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Städtebahn macht nach Streit um Bäume Verluste

Das Unternehmen hofft auf ein Einlenken der Deutschen Bahn. Indes wird schon die nächste Sperrung geplant.

© Frank Baldauf

Von Maik Brückner

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Osterzgebirge. Die Müglitztalbahn rollt durchs Tal, als ob nichts geschehen wäre. Vor ein paar Tagen sah das noch ganz anders aus. Weder in Glashütte noch in Altenberg oder Geising fuhr ein Zug ein. Die privat geführte Städtebahn Sachsen weigerte sich, auf der Trasse zu fahren. Sie verwies auf die Triebwagen, die mit Bäumen kollidiert waren und dabei beschädigt wurden. Während sie ihre eigentliche Kundschaft mit Bussen im Schienenersatzverkehr durchs Müglitztal chauffierte, verhandelte sie hinter den Kulissen mit dem Trassenbetreiber, der Deutsche Bahn-Tochter DB Netz. Das hatte offenbar Erfolg. Die Bahntochter wurde aktiv, ließ Bäume fällen und Äste zurückschneiden, die auf die Trasse hingen.

Mit der Arbeit ist Torsten Sewerin, Geschäftsführer der Städtebahn (SBS), zufrieden. Denn seither läuft der Bahnbetrieb störungsfrei. „Nach dem Rückschnitt hat selbst das Sturmtief Friederike keine Bäume auf die Gleise verworfen, was auf allen anderen Strecken der SBS erheblich der Fall war“, so der Bahnchef. Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack dieser Auseinandersetzung. Durch den Einsatz des Schienenersatzverkehrs fuhr die Städtebahn auf der Strecke zwischen Heidenau und Altenberg einen Verlust in Höhe von 100 000 Euro ein. Der resultiert auf zusätzlichen Ausgaben für den Schienenersatzverkehr und entgangenen Ticketeinnahmen. Nach SZ-Informationen wichen einige Pendler auf alternative Buslinien aus.

Sewerin will sich das Geld von der DB Netz AG zurückholen. Er möchte die Aufwendungen mit den Forderungen verrechnen, die die Bahntochter der Städtebahn gegenüber aufmacht. Die DB Netz AG verlangt von der Städtebahn für das Befahren der Gleise eine Trassennutzungsgebühr. Diese beläuft nach Angaben von Sewerin für das gesamte Netz der Städtebahn auf rund zehn Millionen Euro pro Jahr. Die Städtebahn erwartet von der DB Netz AG zudem einen Ausgleich, da diese für den Rückschnitt verantwortlich ist.

Die Auseinandersetzung dürfte den Bahnbetrieb nicht stören. Anfang Januar war das anders. Doch offenbar kamen die meisten Fahrgäste mit dem Schienenersatzverkehr zurecht. Beim Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), der den Bahnverkehr auf der Müglitztalbahn bestellt und den Nahverkehr in der Region mitorganisiert, ging während des Schienenersatzverkehrs nur eine Beschwerde ein, sagt Marketingchefin Gabriele Clauss. Kritisiert wurde die mangelhafte Informationspolitik. Die Städtebahn indes bekam viele Briefe, sagt Städtebahnchef Sewerin. Deren Absender hätten zumeist Verständnis für das Verhalten der Städtebahn gezeigt. Auch VVO-Sprecher Christian Schlemper lobt den Mut der Städtebahn, sich als kleines Bahnunternehmen mit dem Riesen Deutsche Bahn anzulegen. Er hofft, dass diese in Zukunft die Bäume und Sträucher entlang der Trasse nun intensiver pflegen wird.

Die Hoffnung ist berechtigt. Denn nach Auskunft der DB Netz werden bereits im Juli präventiv Bäume und Sträucher zurückgeschnitten. Das kündigt Bahnsprecherin Erika Poschke-Frost zumindest an. Dafür werde eine erneute, diesmal planmäßige Sperrung der Strecke genutzt. Auf die können sich die Fahrgäste bereits jetzt einstellen. Vom 2. bis zum 23. Juli – also in den Sommerferien – werden die Züge der Müglitztalbahn im Depot bleiben. Bis Ende Juli werden auch keine Abendzüge fahren. Grund dafür sind Arbeiten einer Bahnbrücke in Weesenstein. Für 800 000 Euro wird die DB Netz AG dort den Überbau des Bauwerkes erneuern. Unter anderem werden eine Art Wanne, in der das Gleis verläuft, sowie die dort verlegten Schienen ausgetauscht.

Die DB Netz möchte die Sperrung auch nutzen, um Netze an den Felsvorsprüngen auszutauschen und Stoßlücken zu regulieren. Diese traten vor allem im Bereich der engen Bögen oberhalb von Geising auf. „Hier laufen aktuell die Planungen, die Kosten bewegen sich im sechsstelligen Bereich“, sagt Unternehmenssprecherin Poschke-Frost. Die Arbeiten werden sich auch auf den Straßenverkehr im Müglitztal auswirken. Denn während der Bauzeit werden die Züge durch Busse ersetzt. An einem Wochenende wird auch die Müglitztalstraße bei Weesenstein voll gesperrt. Das wird notwendig, weil Autokräne ein wichtiges Brückenteil in die Brücke heben müssen, erklärt Gabriele Clauss.