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Stahl-Fußballer wollen Entschädigung

Das ZDF hat für einen Bericht über einen schwulen Fußballer unerlaubt alte Filmaufnahmen von Stahl Riesa verwendet. Das kann rechtliche Folgen haben.

© dpa

Von Jörg Richter

Riesaer Fußballfans sind fassungslos. Sie fragen sich, wie es sein kann, dass in einem Fernsehbericht über das Coming-out des früheren Nationalspielers Thomas Hitzlsperger plötzlich Stahl-Riesa-Kicker auftauchen. So geschehen am vergangenen Mittwochabend im Heute-Journal. (Die SZ berichtete.) Die sechs Sekunden dauernde Filmsequenz zeigt Spieler des ehemaligen TSV Stahl, wie sie in der Kabine einen Sieg bejubeln. Die Aufnahmen stammen aus dem Sommer 2006 und wurden in einem anderen Zusammenhang von einem ZDF-Kamerateam aufgenommen.

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Auf Nachfrage der SZ, wie das alte Video in den Hitzlsperger-Beitrag gelangen konnte, entschuldigte sich das ZDF am Tag danach. „Fälschlicherweise hat der Autorentext den Eindruck erweckt, es handele sich um Spieler der Bundesliga. Die Heute-Journal-Redaktion bedauert diesen Fehler ausdrücklich“, schrieb Rainer Stumpf von der ZDF-Presseabteilung.

Doch so leicht könnte der Fernsehsender, mit dem man angeblich besser sieht, nicht davonkommen. Das bestätigt auch der Riesaer Rechtsanwalt Marco Müller. „Es handelt sich hierbei um eine Rechtsverletzung, denn die Fußballer von Stahl Riesa sind keine Personen des öffentlichen Lebens, so wie Angela Merkel“, sagt er. Der Filmausschnitt des ZDF-Berichtes von 2006 hätte nur im gleichen Zusammenhang wiederholt werden dürfen. Also nur dann, wenn es in einem neuen Bericht explizit um Stahl Riesa gegangen wäre. „Ansonsten gilt der Grundsatz der vorherigen Einwilligung“, so Müller.

Im Klartext: Das ZDF hätte vorher die gezeigten Spieler oder zumindest den Verein, der sich 2012 in BSG Stahl Riesa umbenannt hat, fragen müssen, ob es die alten Aufnahmen noch einmal verwenden darf. Es sei denn, der Verein hätte eine Erklärung unterschrieben, mit der die Bildrechte uneingeschränkt an das ZDF abgetreten werden. – Unterschriftsberechtigt war der damalige sportliche Leiter des TSV, Hubert Lein. „Ich habe keinen Vertrag mit dem ZDF unterschrieben“, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu, „da hätten wir schon damals Geld genommen.“

Weil es diese Erklärung nicht gibt, hätte das ZDF dem Verein nicht nur vorher fragen, sondern auch sagen müssen, dass es das alte Video für einen Bericht über einen homosexuellen Fußballer benutzen will. Ob Stahl Riesa oder irgendein anderer Verein dann noch zugestimmt hätte, ist fraglich. Denn das Thema „Schwule Fußballer“ gilt immer noch als heikel.

„Hätte das ZDF Kabinenbilder von einem Profiteam wie Bayern oder Dortmund benutzt, dann wäre der Aufschrei viel größer gewesen“, sagt Toni Anders. Er ist einer der Spieler, die in dem Hitzlsperger-Beitrag zu sehen sind. Gerade vom FC Bayern München, der 2013 gleich fünf nationale und internationale Titel feiern konnte, habe es sicherlich genügend Filmaufnahmen aus der Kabine gegeben. Doch wahrscheinlich haben es sich die ZDF-Redakteure nicht getraut, es auf einen Rechtsstreit mit den Bayern oder anderen Proficlubs ankommen zu lassen. Also musste ein kleiner Provinzverein herhalten.

Doch wie nun weiter? – Die betroffenen Spieler können auf Unterlassung klagen und sogar Schmerzensgeld verlangen, sagt Rechtsanwalt Müller. Wie hoch dieses Schmerzensgeld sei, müsste ausgehandelt werden. „Sicherlich reden wir hier nicht von einer Summe unter 100 Euro“, so Müller. Es könne sich durchaus um eine vierstellige Zahl handeln.

Die Reaktionen auf die Entschuldigung des ZDF sind verschieden. Toni Anders, der jetzt bei der SG Kreinitz spielt, kann gut damit leben. „Man sollte über dieser Sache stehen“, sagt er. Stahl-Trainer Ron Bößneck ist zwiegespalten: „Auf der einen Seite kann man das lustig nehmen, auf der anderen Seite wird man für jeden Fehler, den man selbst verzapft, angezählt.“ Der BSG-Aufsichtsratsvorsitzende Karsten Ruckau tendiert auch dazu, die vom ZDF unglücklich gewählten Kabinenaufnahmen mit halbnackten Riesaer Fußballern ad acta zu legen. „Das sehe ich nicht so verbissen, sie haben ja alle noch etwas an.“