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Stahlfirmen schauen auf Amerika

In Riesa, Zeithain und Gröditz beobachtet man mit Sorge, was aus den geplanten Stahlzöllen wird.

© Sebastian Schultz

Von Christoph Scharf

Riesa. Kommen sie – oder kommen sie nicht? Am Donnerstagnachmittag war die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump über Strafzölle noch offen. 25 Prozent auf die Einfuhr von Stahl, zehn Prozent auf Aluminiumimporte standen im Raum. Dann deutete Trump auf Twitter an, dass man auf „echte Freunde“ unter Handelspartner auch Rücksicht nehmen könnte. So oder so: In Riesa verfolgt man die Nachrichten aus Amerika aufmerksam.

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„Wir exportieren zwar nichts in die Vereinigten Staaten“, sagt Frank-Jürgen Schaefer, Werkleiter bei Feralpi Stahl. „Aber die Entscheidung von Trump könnte trotzdem auf uns Auswirkungen haben.“ Ein Beispiel: Produzieren andere deutsche Stahlunternehmen weniger, weil sich der Export in die USA durch Strafzölle nicht mehr lohnt, hätte das Folgen für die Rohstoffmärkte. „Wir in Riesa brauchen wie andere Stahlhersteller Schrott“, sagt Schaefer. „Ein Zoll hätte Änderungen auf die Nachfrage beim Schrott, aber beispielsweise auch nach Legierungen.“ So gesehen, könnte der Riesaer Stahlhersteller sogar profitieren: Weniger Nachfrage würde auch die Preise für den Rohstoff Schrott sinken lassen.

Grundsätzlich ist man dagegen bei Feralpi an freiem Handel interessiert: Von Riesa aus werden Bewehrungsprodukte für den Stahlbeton-Bau unter anderem nach Skandinavien und in die Niederlande exportiert. Beim sogenannten Halbzeug – Stahlprodukte, die anderswo weiterverarbeitet werden, geht es von Riesa auch in Länder außerhalb der EU, manchmal etwa nach Nordafrika.

Der freie Handel ist für Frank-Jürgen Schaefer aber nur eine Seite der Medaille: „Der Handel muss nicht nur frei, sondern auch fair sein“, sagt der Werkleiter. „Es muss Instrumente geben, um sich gegen Dumping zu schützen.“ Europäische Stahlhersteller haben da Erfahrungen – etwa mit Importen aus China oder Weißrussland. Wenn längere Zeit Stahl auf den Markt kommt, der unter dem Herstellungspreis angeboten wird, müsse man reagieren. Da sei etwa die EU gefragt..

Grundsätzlich sieht der Feralpi-Werkleiter die Lage aber positiv. Jährlich würden in Deutschland 3,5 Millionen Tonnen Bewehrungsstahl verbaut, ein Einbruch der Nachfrage sei nicht zu erwarten.

Bei der GMH-Gruppe aus Georgsmarienhütte – zu der auch die Gröditzer Schmiedewerke gehören – will man sich zu Trumps Plänen erst dann konkret äußern, wenn klar ist, welche Produkte genau betroffen sind. Die Unternehmen der Gruppe wären – nach jetzigem Kenntnisstand – von einer solchen Maßnahme im Wesentlichen indirekt betroffen. „Aus den Produkten der GMH-Gruppe fertigen Dritte Komponenten, die dann unter anderem auch ihren Weg in die USA finden“, teilt der Stahl-Hersteller mit. In den USA fertigt die GMH-Gruppe seit Jahren mit einer eigenen Produktion Zahnstangen für automobile Lenksysteme. Das dafür benötigte Vormaterial aus Stahl werde auch in den USA eingekauft und falle somit nicht unter die geplante Zollmaßnahme.

Auch Frank Lippert, Geschäftsführer der Mannesmannröhrenwerk Gmbh Zeithain, will die Details der Entscheidung abwarten. Dann werde geprüft, welche konkreten Auswirkungen sich auf die Salzgitter AG ergeben. „Sorgen machen uns insbesondere die möglichen indirekten Effekte von Handelsbeschränkungen der USA“, so eine erste Einschätzung des Rohrwerk-Chefs. „Wir erwarten deshalb, dass die EU-Kommission rechtzeitig die erforderlichen Maßnahmen ergreift, um die Umlenkung von internationalen Stahlhandelsströmen in den EU-Markt zu verhindern.“

Die Metallbranche, zu der auch die Stahlherstellung zählt, hatte vergangenes Jahr im Kreis Meißen ein Umsatzplus von mehr als 15 Prozent hingelegt. Mit einem Umsatz von gut 850 Millionen Euro erbringen Metall-Unternehmen aus dem Kreis Meißen mehr als die Hälfte des Umsatzes der sächsischen Metallbranche. (mit SZ/ste)