merken

Standort für Oberschule abgelehnt

Plötzlich darf der geplante Bau nicht mehr stattfinden, ein anderer Ort ist gefunden – wieder zwei Monate Zeitverzug.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Ullendorf. Ein Meer von gelben Rapsblüten, frisches grünes Laub an den Bäumen und manchmal blauer Himmel zwischen den Wolken. Nichts deutet darauf hin, dass hier am Rand von Ullendorf in ein paar Jahren mehrere Hundert Kinder zur Schule gehen könnten. Doch genau das ist der Plan. Am Dienstag beschloss der Rat der Gemeinde Klipphausen, die neue Oberschule innerhalb von Ullendorf hierher zu verlegen. „Nach neuesten Informationen des Landratsamtes darf die Oberschule am bisher vorgesehenen Standort am Gewerbegebiet Röhrsdorf aufgrund schädlicher Substanzen durch das Humuswerk Otto, nicht gebaut werden“, heißt es dazu in der Beschlussvorlage für den Gemeinderat.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Die Immissionsschutzbehörde des Kreises lehnt den ursprünglichen Standort in einer Stellungnahme ab. „Der Abstand zum Werk – 20 Meter – war viel zu gering. Es sind 300 Meter bei geschlossenen und 500 Meter bei offenen Anlagen Vorschrift“, erklärte Kreissprecherin Kerstin Thöns auf SZ-Nachfrage.“ „Außerdem sollte dem Unternehmen auch die Möglichkeit einer Erweiterung nicht ,verbaut‘ werden.“

Worin den die schädlichen Substanzen bestehen könnten, weiß Kerstin Thöns ebenfalls. Sie verweist auf die Richtlinie 4250 Blatt 3 „Bioaerosole und biologische Agenzien“ des Vereins Deutscher Ingenieure. Dort heißt es: „Beim Umgang mit organischen Materialien können Emissionen von Bioaerosolen entstehen. Dies betrifft im Wesentlichen Abfallverwertungs- und Abfallbehandlungsanlagen .  Dabei werden zum Teil sehr spezifische Mikroorganismen emittiert und in die Umgebung verfrachtet. Diese hierdurch verursachten Immissionen können zu einer Exposition der Anwohnerinnen und Anwohner gegenüber Bioaerosolen und gegebenenfalls zu Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit führen.“

Für Bürgermeister Gerold Mann (parteilos) kamen die Einwände der Immissionsschutzbehörde des Kreises völlig überraschend. „Seit 14 Jahren haben wir am Standort in Ullendorf neben der Humusanlage gearbeitet, bislang gab es nie von einer Behörde Einwände dagegen, dort eine Schule bauen zu wollen, auch unser Flächennutzungsplan ist ja von allen Ämtern und Behörden genehmigt worden.“ Gerold Mann ist verärgert über die plötzliche Kehrtwende.

Dem neuen Standort kann er jedoch auch Positives abgewinnen. Das künftige Schulgelände liege zwischen zwei Grünstreifen, sei noch viel ruhiger als der ursprüngliche Standort und sei von der Erschließung her nicht teurer, befinden sich doch in der Nähe sowohl Abwasser- als auch Wassertrassen. „Die Gemeinde schlägt nunmehr vor, als Ausweichstelle die Oberschule an der Taubenheimer Straße, an der Musterhaussiedlung auf den Flurstücken 88, 89 und 97 zu errichten“, heißt es in der Beschlussvorlage für den Gemeinderat. Mit den Grundstückseigentümern seien bereits Gespräche geführt worden, wobei diese ihre Verkaufsbereitschaft signalisiert hätten. Von den Eigentümern, einer Agrargenossenschaft und einem Einzellandwirt, sei das „eine große Geste“, erklärt Gerold Mann.

Und wie geht es nun weiter? Der Gemeinderat hat nicht nur die Aufstellung des geänderten Bebauungsplanes für die neue Oberschule beschlossen, sondern auch eine entsprechende Änderung ihres rechtskräftigen Flächennutzungsplanes. Nun müssen wiederum die Öffentlichkeit, die Behörden und die Träger öffentlicher Belange vom Abwasserzweckverband über den Naturschutzbund bis hin zum Rettungsdienst unterrichtet werden. „Das bedeutet ungefähr acht Wochen Verzug, das hilft uns nicht weiter“, sagt Bürgermeister Mann.

Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Klipphausen mit ihren 43 Ortsteilen sind seit 1989 drei Mittelschulen geschlossen worden. Die Analyse der Schülerzahlen für die kommenden 15 Jahre hat ergeben, dass die Gemeinde eine eigene an die Grundschule anschließende Oberschule braucht. Da Klipphausen keine Unterstützung vom Freistaat Sachsen dafür erhält, will die Gemeinde das Projekt in eigener Regie stemmen. Für den Schulneubau werden Kosten von acht Millionen Euro veranschlagt, für den Bau der Sporthalle drei Millionen.

Trägerverein für die Oberschule Klipphausen in Ullendorf wird der Christliche Schulverein Wilsdruffer Land, der bereits eine Grundschule und ein Gymnasium führt. Um den eigentlichen Schulbetrieb in Ullendorf vorzubereiten, will der Verein mit Schuljahresbeginn 2017/18 zunächst mit einer fünften Klasse in angemieteten Räumen der Grundschule Naustadt an den Start gehen.