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Standpunkt: Autoprämie bringt keine neuen Umsätze

Die geplante Abwrackprämie ist weder vernünftig noch klug. Nicht einmal den Autobauern hilft sie wirklich.

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Thomas Herzog ist einer von sechs Gründern der Firma Pendix mit Sitz in Zwickau.
Thomas Herzog ist einer von sechs Gründern der Firma Pendix mit Sitz in Zwickau. © Christoph Soeder/dpa/privat

Von Thomas Herzog

Das Auto ist für meine Generation noch immer eine zentrale Art der Fortbewegung und ich persönlich liebe es. Es bringt mich in kürzester Zeit von A nach B, meist ohne Warten und immer mit einem gewissen Gefühl der Freiheit im Herzen, die ich seit meinem 18. Geburtstag verspüre. Ja, unsere Firma Pendix stellt Elektroantriebe für Fahrräder her. Und diese haben tatsächlich auch meine regionale Fortbewegung geändert, und zwar von Auto auf Pedelec. Für lange Strecken bleibt es aber weiterhin bei dem Vierrad mit Dach. 

Das Auto ist ein großer Kostenfaktor und deshalb wird die Entscheidung für oder gegen ein neues Auto in mehrjährigen Zyklen getroffen. Diese Zyklen dauern bei den Menschen in meinem Umfeld zwischen zwei und zwanzig Jahren. Wie würde nun also eine Autokaufprämie dieses Verhalten beeinflussen? Es würde einzig und allein dazu führen, dass die erwähnten Personen ihre Entscheidung für ein neues Auto vielleicht ein bis zwei Jahre vorziehen, um die Prämie mitzunehmen. Für die Autoindustrie heißt das bestenfalls Geschäft jetzt statt 2021 oder 2022. Es bedeutet aber in den meisten Fällen nicht Geschäft jetzt und später gleich noch einmal. Und deshalb bin ich gegen solche Prämien, die nun mit der heißen Nadel gestrickt werden. Warum sollte die Bundesregierung Kaufanreize für einen Teil der Mobilitätsindustrie schaffen, der lediglich Umsätze verschiebt oder vorzieht und fast keine neuen Umsätze bringt? Der Verkauf von 2020 fehlt dann in den Folgejahren. 

Das vermeintliche Ankurbeln der Wirtschaft wird also nur vorgezogen, die Wirtschaftsleistung Deutschlands wird somit aber keineswegs intensiviert. Und warum sollten wir in Zeiten knapper Ressourcen heute ein Auto abwracken, welches seinen Zweck noch erfüllt und mit zeitgemäßer Abgasbehandlung versehen ist? Allein aus Umweltschutzgründen halte ich das weder für klug noch für nachhaltig. Die Diskussion um das Auto kehrt übrigens alle paar Jahre wieder, und sie läuft immer wieder auf eine einfache Zahl hinaus: zehn Kilometer. Dies ist der durchschnittliche tägliche Weg, den Arbeitnehmer zur Arbeit zurücklegen, manche mehr, viele weniger. Das Auto ist dazu nicht zwingend nötig, wird aber aufgrund der fehlenden Anreize für andere Verkehrsmittel weiter gern bevorzugt, da nehme ich mich nicht aus. Und diejenigen, welche das Rad zum Pendeln nutzen, werden nicht nur nicht bevorzugt, sondern durch fehlende Infrastruktur beeinträchtigt und im schlimmsten Falle sogar gefährdet. Das spüre ich regelmäßig am eigenen Leib.

Ich denke, dass das Geld, das der Staat in eine Autokaufprämie stecken würde, weit besser und zukunftsträchtiger in eine Optimierung der Radinfrastruktur oder von mir aus auch in die Verbesserung des ÖPNV investiert wäre. Wenn ich will, kaufe ich mir trotzdem ein neues Auto. Aber dann eben erst in zwei Jahren. Weil ich es liebe.

Unser Autor: Thomas Herzog ist einer von sechs Gründern der Firma Pendix mit Sitz in Zwickau. Mit dem Pendix-Antrieb wird ein Rad zum Pedelec.