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Starker Trend zur Teilzeit

Innerhalb von zehn Jahren hat sich in Sachsen die Menge verkürzter Jobs verdoppelt. Dabei gibt es genug zu tun.

© Angelika Warmuth/dpa

Dresden. Immer mehr neue Arbeitsplätze in Sachsen: Seit dem Jahr 2005 ist die Zahl der Beschäftigten um mehr als 15 Prozent gestiegen. Am stärksten gewachsen sind dabei Teilzeitjobs: Ihre Zahl hat sich verdoppelt, in gut einem Jahrzehnt. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit hat in einer repräsentativen Firmenbefragung im Jahr 2016 ermittelt, dass jeder fünfte Beschäftigte in Sachsen eine Teilzeitstelle hat.

Vor allem in Dienstleistungsberufen ist Teilzeit zunehmend selbstverständlich geworden. Dort hat jeder Vierte eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitstelle. Minijobs sind dabei nicht mitgerechnet. Am stärksten ist Teilzeit im Gesundheits- und Sozialwesen verbreitet, also in Branchen mit mehr als 80 Prozent Frauenanteil. Auf dem Bau oder in der Industrie blieb Teilzeit dagegen selten: Vier Prozent der sächsischen Industriebeschäftigten arbeiten Teilzeit. Nur jeden fünften Teilzeitjob in Sachsen hat ein Mann.

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Der Begriff Teilzeit sagt nur aus, dass kürzer gearbeitet wird als im Betrieb üblich. Darunter fallen nicht nur Halbtagsjobs, sondern zum Beispiel auch 30-Stunden-Wochen. Die Arbeitszeit des durchschnittlichen Erwerbstätigen in Sachsen ist von 2010 bis 2016 um drei Prozent gesunken, berichtet das Statistische Landesamt. Das machte im Jahr 44 Stunden weniger aus. Weil aber mehr Menschen arbeiten, blieb die geleistete Stundenzahl in Sachsen etwa gleich. 2,04 Millionen Erwerbstätige leisteten 2,87 Milliarden Arbeitsstunden – im Durchschnitt jeder 1 411 Stunden im Jahr. Das waren 52 Stunden mehr als der Pro-Kopf-Durchschnitt in Deutschland.

Allein in der Stadt Dresden haben 75 000 Beschäftigte eine Teilzeitstelle, berichtet die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. Ihr Dresdner Geschäftsführer Volkmar Heinrich sagte, das seien 33 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Darunter seien viele Frauen, die ihre Arbeitszeit für die Erziehung der Kinder verringert hätten – oder um Eltern zu pflegen. Der Gewerkschafter fordert ein „verbrieftes Rückkehrrecht auf Vollzeit“. Ein solcher Gesetzesentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) war allerdings in der Großen Koalition nicht durchgesetzt worden.

Die IAB-Forscher schreiben, Teilzeit entspreche „mehrheitlich den Wünschen der betroffenen Arbeitnehmer in Ostdeutschland“. Die meisten seien mit ihrer Arbeitszeit zufrieden, schreibt auch die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft. Der Arbeitgeberverband ist gegen ein Gesetz, das Vollzeit garantiert. Seine Begründung: „Wenn jemand ungewollt Teilzeit arbeitet, liegt das häufig nicht am Arbeitgeber, sondern beispielsweise an fehlenden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder.“