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Stars ohne Allüren

Ihre Bühne ist die Welt, und sie freuen sich, wenn sie in der Heimat zu Gast sind. Kyau & Albert waren in der Oberlausitz.

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Von Matthias Klaus

Sooooo, hier also. Interessant. Dunkel, dunkler, einsam. Wolfsgebiet, oder? Wahrscheinlich. Oder anders: Weigersdorf, knapp zehn Kilometer nördlich von Weißenberg, Ortsteil von Hohendubrau, Kreis Görlitz, 500 Einwohner. An manchem Wochenende soll sich allerdings ihre Zahl glatt verdoppeln.

Stefan Menzel betreibt den Faceclub in Weigersdorf. Im Winter holt er Szenegrößen auf das Dorf. Am Sonnabend Kyau & Albert aus Löbau.Foto: Archiv/ Alexander Kempf
Stefan Menzel betreibt den Faceclub in Weigersdorf. Im Winter holt er Szenegrößen auf das Dorf. Am Sonnabend Kyau & Albert aus Löbau.Foto: Archiv/ Alexander Kempf

Mindestens. Denn dann lädt hier der Faceclub ein. Partystation für Feierwillige, die bis aus Görlitz, Löbau, Weißwasser und zuweilen noch von viel weiter hierher kommen. Erst recht, wenn Chef Stefan Menzel mal wieder einen Star der Szene engagiert hat. So wie am vergangenen Sonnabend: Kyau & Albert, DJ-Duo aus Löbau, die eigentlich rund um die Welt zugange sind, wollen im Faceclub die Massen zum Tanzen bringen.

Danach sieht’s im Moment jedenfalls noch nicht aus. 21 Uhr, der Faceclub steht dunkel da und schweigt. Der Parkplatz ist leer. Als sich dann doch noch ein Auto hierher verirrt, ist es auch gleich einer der Stars des Abends. „Hallo“, sagt Ralph Kyau. Am 21. Dezember haben er und sein Mitstreiter Steven Albert noch in der Whiskey Bar in Portland, USA, aufgelegt. Nun sind die beiden zum zweiten Mal im Faceclub Weigersdorf zu Gast. „Läuft alles über unseren Manager“, winkt Ralph Kyau ab.

Portland oder Weigersdorf – er findet den Faceclub sehr OK. Kyau gefällt vor allem die LED-Wand hinter dem DJ-Pult. „In den USA beispielsweise, in den großen Clubs, gehört so etwas dazu. Hierzulande ist es schon seltener“, sagt er. Zehn nach neun, Steven Moebius Albert, Stimme des Duos, hat den Weg nach Weigersdorf gefunden. „Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn wir mal wieder hier in der Heimat zu Gast sein können“, sagt er. Dann geht es mit Kyau hinter die DVD- und CD-Spieler. Die Silberscheiben liegen in Klarsichthüllen bereit, alle per Handschrift mit den entsprechenden Titeln versehen. „Manche sind schon sehr alt, da kann es schon mal Aussetzer geben“, schmunzelt Ralph Kyau. Dennoch, das DJ-Duo setzt auf DVD beziehungsweise CD. „Wir reisen nicht nur mit dem Laptop an, das ist nicht unser Stil“, sagt Kyau.

Inzwischen läuft die LED-Wand im Faceclub. Das Logo des DJ-Duos wird einbeblendet. Mitternacht sind Kyau & Albert dran. Drei Stunden lang werden sie dann hier den Saal in Weigersdorf zum Kochen bringen. „Das ist schon eine außergewöhnlich lange Zeit“, sagt Steven Moebius Albert. Ein „normaler“ Club-Gig dauert nur eine Stunde. „Aber wir finden das toll, können auch mal ein paar ältere Stücke bringen, ein bisschen variieren“, schildert Albert.

Halb zehn, die Abstimmungen laufen. Technisch sei im Faceclub alles auf dem Stand der Dinge, die Pioneer-Anlagen kennen Kyau & Albert auch von ihren Auftritten im Rest der Welt. „Das ist einfach Standard“, sagt Ralph Kyau. Er debattiert inzwischen mit seinem Kollegen und Mitarbeitern des Faceclubs über Audio-Signale, übers Umschalten von einem DJ zum anderen, bekrittelt geringe Verzögerungen, die auf der LED-Wand zu sehen seien. Fünf männliche Augenpaare richten sich daraufhin auf die Wand, schauen, wo der Mini-Fehler liegt.

Der Auftritt in Weigersdorf ist für Kyau & Albert nur ein kleiner Zwischenstopp. Die Löbauer sind fast schon wieder auf dem Sprung über den großen Teich. Am 31. Dezember geht es in aller Frühe los: Abflug von Dresden, dann weiter nach Philadelphia. In der Soundgarden Hall steht ihr nächster Auftritt an. Silvester mit der Familie, das wird in diesem Jahr nichts. „Wir hatten es 2012 nach zehn Jahren mal geschafft“, erinnert sich Ralph Kyau. Weihnachten bleibt aber auf jeden Fall der Familie vorbehalten – vor allem, seit die Kinder da sind.

Im kommenden Jahr stehen wieder Gigs rund um die Welt auf dem Programm. Der USA folgt Australien. „Das Gute an solchen weiten Reisen ist, wir können dann zum Beispiel gleich ein neues Video drehen“, lacht Steven Albert. Denn im kommenden Jahr soll es ein neues Album von Kyau & Albert geben, neben diversen Remixen älterer Stücke. Inzwischen laufen im Faceclub testweise Videos. Steven Alberts Herausforderung ist es, lippensynchron mit seinem Double an der Wand zu singen.

Seit zwölf Jahren touren Kyau & Albert, erst in der Gegend. „Heute haben wir eine weltweite Fanbase“, sagt Ralph Kyau. Über 60 Länder haben sie inzwischen bereist. „Wir haben diese Karriere angestrebt. Und wir finden, das ist schon etwas Besonderes, ja Auserwähltes“, so der DJ. 1991 hatte Kyau angefangen, in Neugersdorf, bei einer halblegalen Eiskellerparty.

Jetzt warten die ersten Gäste vorm Faceclub in Weigersdorf. Es ist 22 Uhr durch. „Dürfen wir rein?“, drängeln manche. „Keine Chance!“ Der Mann vom Sicherheitsdienst schaut streng. Muss alles seine Ordnung haben. Auch wenn die Stars drin viel lockerer drauf sind.