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Start mit Trümmerteilen

Vor genau 60 Jahren wurde die AWG gegründet. Sie hat das Stadtbild von Löbau entscheidend geprägt.

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© Vereinsarchiv

Von Gabriel Wandt

Löbau. Stefan Kreb steht fast sinnbildlich als einer von vielen für die Geschichte der heutigen Löbauer Wohnungsgenossenschaft: Vor 60 Jahren startete die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) das Errichten von Wohnungen. Die damaligen Arbeiten prägen das Stadtbild von Löbau bis heute entscheidend. Denn es wurden wortwörtlich Grundsteine für Stadtviertel gelegt, die nach wie vor Bestand haben.

Drei Gesichter einer Genossenschaft heute: Inge Pfeil ist Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Löbau eG, Thomas Stolpe ist technischer Mitarbeiter und Stefan Kreb ist schon seit Jahrzehnten Mitglied: Seit 1962 wohnt er in Löbau-Süd, ist Erstmieter der dama
Drei Gesichter einer Genossenschaft heute: Inge Pfeil ist Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Löbau eG, Thomas Stolpe ist technischer Mitarbeiter und Stefan Kreb ist schon seit Jahrzehnten Mitglied: Seit 1962 wohnt er in Löbau-Süd, ist Erstmieter der dama © Bernd Gärtner
Gärten und Felder waren zuvor dort, wo in den 1950ern und 60ern Löbau-Süd entstand.
Gärten und Felder waren zuvor dort, wo in den 1950ern und 60ern Löbau-Süd entstand. © Vereinsarchiv
Die Eimerkette war bei den Arbeiten für den ersten AWG-Wohnblock auf der Ahornallee 1-7 unverzichtbar.
Die Eimerkette war bei den Arbeiten für den ersten AWG-Wohnblock auf der Ahornallee 1-7 unverzichtbar. © Vereinsarchiv

Die Gebäude am Trommlerbusch und in der Ahornallee waren die ersten. Stefan Kreb ist 1962 in Süd eingezogen, da standen die ersten Gebäude schon. Aber er wohnt bis heute dort und ist damit einer von vielen aus seiner Generation. Wer damals die Gebäude mit aufgebaut hat, hat eine ganz besondere Beziehung zu ihnen, sagt Inge Pfeil vom Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Löbau eG, wie der Nachfolger der AWG heute heißt. Als Gründungstag gilt heute der 14. Mai 1956, und daher wird an diesem Sonnabendabend in der Löbauer Messehalle groß gefeiert. Alle, mehr als 1 000 Genossenschafter, hat die WG dazu eingeladen, knapp 500 Gäste sind es an diesem Abend. Sie werden sich unter anderem zurückerinnern, wie der Aufbau der damals so dringend nötigen Wohnungen für Löbau vonstattengegangen ist.

Reichlich Handarbeit ist nämlich nötig gewesen, erzählt Vorstand Wolfgang Winkler. Denn in Löbau fehlten in den 1950er Jahren nicht nur die Wohnungen, sondern auch Technik und Material, um Gebäude zu bauen. Also passierte fast alles in Handarbeit. Löbauer, die in hiesigen Firmen arbeiteten, zogen ihre späteren Wohnhäuser selbst hoch. Das Material wurde teilweise aus den Trümmern in Dresden geholt und mit Waggons nach Löbau gebracht. Der erste Trägerbetrieb der AWG war der VEB (K) Bau Löbau, später folgten die Löbauer Schuhfabrik, die Oberlausitzer Textilbetriebe, Grobgarnwerke und Baumwollspinnerei, Ankerteigwaren, Post, Fernmeldeamt und das Löbauer HO-Kombinat. Bis zu 900 Aufbaustunden musste jedes Genossenschaftsmitglied leisten. So entstanden die Blöcke in der Richard-Müller-Straße und am Trommlerbusch und quasi das ganze heutige Löbauer Südviertel. In den 1970ern kamen die Blöcke in der Siemensstraße in Nord dazu, 1980 starteten die Erschließungsarbeiten in Ost. 1983 waren 342 AWG-Wohnungen im Plattenbaustil fertig, auch Wohnungen in Großschweidnitz gehören seit 1981 dazu.

Inzwischen sind Erweiterungen für die Genossenschaft die Ausnahme. 2008 wurde mit der Wohnanlage „Alte Essigfabrik“ der erste Neubau nach Jahrzehnten eingeweiht. Zuletzt sind auch Gebäude in Herrnhut und Strawalde zum Bestand dazugekommen, eine Wachstumsstrategie steht aber nicht dahinter. Inzwischen steht die Erhaltung und Modernisierung der Gebäude im Vordergrund, und auch die kostet Geld: Rund 30,5 Millionen Euro hat die WG Löbau in ihre Gebäude und Anlagen investiert. Gerade wurde die Umfeld-Aufwertung an der Rosenstraße 2-8 beendet.

Und es geht weiter: Noch dieses Jahr soll die Sanierung des Hauses Schlockwerder am Löbauer Altmarkt starten. Dorthin soll die Geschäftsstelle der WG umziehen. Und in der Lortzingstraße 30-32 in Ost beginnen bald umfangreiche Modernisierungsarbeiten: Hier entstehen altersgerechte Wohnungen, denn auch die WG Löbau muss auf die älter werdende Bevölkerung reagieren. Das wird auch in den kommenden Jahren ein Thema sein. Bislang sei Leerstand noch kein ganz großes Problem, sagt Vorstand Inge Pfeil. Vor allem in Süd ziehen immer wieder junge Familien ein, denn das Wohngebiet bietet vom Discounter über Kita und Schule alles, was man so braucht. Wie sich die Entwicklung gestaltet, muss sich zeigen. Die Genossenschaft hat sich jedoch verpflichtet, das Eigentum ihrer Mitglieder zu erhalten. Ein Rückbau ist damit kein Thema, und in diesen Tagen sowieso nicht: An diesem Sonnabend werden die 60 Jahre Bestehen gefeiert – mit denen, die schon von Anfang an dabei sind, und denen, die erst vor Kurzem in die Genossenschaft eingetreten sind.