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Start-up Staffbase will 100 neue Mitarbeiter einstellen

Das sächsische Unternehmen sammelt acht Millionen Euro Kapital zur Weiterentwicklung seiner Mitarbeiter-App ein.

© Staffbase

Von Nora Miethke

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Eine Smartphone-App als Intranet – diese Idee lockt Geldgeber. Das Chemnitzer Unternehmen Staffbase konnte für die Weiterentwicklung seiner Mitarbeiter-App acht Millionen Euro einwerben. Der globale Risikokapitalgeber E.ventures mit besten Verbindungen ins Silicon Valley ist nun neuer Hauptinvestor.

Etliche Mitarbeiter wollen die Firmengründer Lutz Gerlach ...
Etliche Mitarbeiter wollen die Firmengründer Lutz Gerlach ... © Staffbase
Martin Böhringer ...
Martin Böhringer ... © Staffbase
...und Frank Wolf noch einstellen.
...und Frank Wolf noch einstellen. © Staffbase
Über die Mitarbeiter-App von Staffbase können nicht nur Nachrichten verschickt oder Betriebsinformationen veröffentlicht werden. Mitarbeiter finden auch Schulungsvideos und Speisepläne vor.
Über die Mitarbeiter-App von Staffbase können nicht nur Nachrichten verschickt oder Betriebsinformationen veröffentlicht werden. Mitarbeiter finden auch Schulungsvideos und Speisepläne vor. © Maria Caballero

Diese dritte Finanzierungsrunde abzuschließen war nicht schwer für die 2014 gegründete Firma. „Wir hatten viele Angebote von Kapitalgebern, die uns finanzieren wollten, weil wir so schnell wachsen“, sagt Mitgründer Frank Wolf. Und das Wachstum soll sich durch die neuen Geldspritzen noch beschleunigen. Bis Ende 2019 will Staffbase in Dresden und Chemnitz 100 neue Mitarbeiter einstellen, die Belegschaft also mehr als verdoppeln. Derzeit sind es 85 Mitarbeiter, davon acht in Dresden.

Frank Wolf ist zuversichtlich, diese 100 Digitalexperten und -expertinnen in Sachsen zu finden oder sie dorthin holen zu können. Gerade im Bereich mobile Kommunikation wird der Fachkräftemangel immer größer. „Wir sind ein schnell wachsendes Unternehmen und sehr international. Das Durchschnittsalter ist 30 Jahre und wir bieten Mitarbeitern an, auch einige Zeit in unserem Büro in New York arbeiten zu können“, zählt Wolf die Punkte auf, die Staffbase als Arbeitgeber aus seiner Sicht so attraktiv machen.

Der wichtigste Punkt ist aber natürlich das Produkt selbst. Die Mitarbeiter-App von Staffbase ist viel breiter angelegt als andere Apps zur internen Kommunikation. Über sie können nicht nur Nachrichten verschickt oder Betriebsinformationen veröffentlicht werden. Mitarbeiter finden auch Schulungsvideos und Speisepläne vor. Und bald können sie über die App sogar Urlaubsanträge stellen und ihr Zeitkonto überwachen. Mit dem frischen Geld sollen entsprechende Personaldienste entwickelt werden. Die Mitarbeiter-App ist also eine eigene Kommunikationsplattform, die kontinuierlich erweitert wird. „Und das finden Entwickler spannend, denn so viele in Sachsen originär entstandene Plattformen gibt es nicht“, betont Wolf. Die meisten Softwareprogrammierer würden an verlängerten Werkbänken westdeutscher oder internationaler Firmen sitzen oder im Service arbeiten. Deshalb ist dem 43-Jährigen nicht bange, dass die Firma die geplanten Stellen auch besetzen kann.

Von Wolf stammt die Idee zur Mitarbeiter-App. Der gebürtige Dresdner und studierte Wirtschaftsingenieur hat zuvor bei der Telekomtochter T-Systems Multimedia Solutions das Intranetteam aufgebaut und 2011 das Buch „Social Intranet“ veröffentlicht. Daraus sei dann die Idee entstanden, ein eigenes Produkt anzubieten, das nun weltweit zum „zentralen Eingangstor“ zum digitalen Arbeitsplatz werden soll. Denn das, was sich viele Menschen als Erstes am Morgen auf dem Smartphone oder am PC ansehen würden, sei ihre Mitarbeiter-App. „Es entsteht nicht nur eine neue Kommunikationslösung. Auch das Intranet wird revolutioniert, indem wir es schnell und mobil machen“, betont der Staffbase-Marketingchef.

Obwohl auch andere Agenturen Apps zur internen Kommunikation anbieten, sind die Sachsen so erfolgreich, weil sie von Anfang an auf Standardisierung setzten. Staffbase programmiert nicht für jeden Kunden einzeln eine App, sondern liefert einen Rahmen, mit dem unkompliziert für jedes Unternehmen eine individuelle Lösung im eigenen Firmendesign erstellt werden kann. „Unsere Lösung trifft vor allem den Bedarf großer Unternehmen – mit vielen Außendienstmitarbeitern ohne eigenen Schreibtisch – , die viele Informationen strukturieren und dezentral in mehreren Sprachen erstellen müssen“, so Wolf. 250 Kunden ließen sich schon überzeugen, die Hälfte im Ausland. Der Umsatz konnte in den vergangenen zwei Jahren jeweils mehr als vervierfacht werden. Siemens, die Deutsche Telekom, Volkswagen und andere Dax-Schwergewichte haben die Mitarbeiter-App im Einsatz. International gehören Transdev, Rio Tinto und die Smiths-Group in Großbritannien zum Kundenkreis. Bei der Frage nach sächsischen Kunden fallen Wolf außer der Industrie- und Handelskammer Dresden auf die Schnelle noch nicht so viele ein. Das New Yorker Büro mit derzeit acht Mitarbeitern soll weiter wachsen und in diesem Jahr will Staffbase auch ein Büro in London eröffnen.

Die Nachfrage nach mobiler Mitarbeiterkommunikation ist sehr groß, aber auch der Wettbewerb zieht an, stellen Wolf und seine Mitgründer Martin Böhringer und Lutz Gerlach fest. Daher sei die Finanzierungsrunde jetzt so wichtig gewesen, betont er, um rasch mehr Geld in die Produktentwicklung, Kundenbetreuung und Vermarktung investieren zu können. Jörg Binnenbrücker, Partner bei Capnamic Ventures, und Matthias Hornberger, Finanzchef von Kizoo Technology Capital, den beiden Bestandsinvestoren, sind sich sicher: „Staffbase hat nun die Chance, der internationale Champion für das mobile Intranet der nächsten Generation zu werden.“