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Startschuss für Freitals neues Stadtzentrum

Die Brache am Sächsischen Wolf soll an einen Investor verkauft werden. Manche befürchten nun einen „großen Klotz“.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

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Freital. Bekommt Freital endlich das Zentrum, um das seit der Stadtgründung im Jahr 1921 gerungen wird? Ein Ja auf diese Frage ist nach der Stadtratssitzung in der vergangenen Woche zumindest wahrscheinlicher geworden. Mit großer Mehrheit haben die Volksvertreter einem Grobkonzept für die riesige Brache an der Ecke Dresdner Straße/Poisentalstraße, ehemals Standort der Gaststätte „Sächsischer Wolf“, zugestimmt. Die Stadtverwaltung kann nun weiter den Verkauf des Areals an einen Investor vorantreiben. Zum hundertjährigen Stadtjubiläum, so die Hoffnung, soll das Grundstück bebaut sein.

Nach den Vorstellungen der Stadt entsteht dort ein neues Ortszentrum, das die Stadtteile Hainsberg, Deuben und Potschappel verbindet. Geplant ist eine Art Center mit Gewerbe, Gastronomie, Wohnen, Parkplätzen, Handel, Freizeitangeboten. Das Investitionsvolumen wird auf rund 30 Millionen Euro geschätzt.

In der Stadtratssitzung wurde aber deutlich, dass die Diskussionen um Freitals neues Zentrum jetzt erst begonnen haben. Dabei wird es weniger darum gehen, ob die Brache bebaut wird, sondern wie. „Wir haben Bauchschmerzen mit der sehr kompakten Masse“, sagte der Fraktionschef der AfD, Norbert Mayer. Er bemängelte, dass es in dem Exposé keine Höchstmaße für die Höhe der Bebauung gebe. „Das ist ein großer Klotz.“ Er bezog sich auf eine Visualisierung, die Teil des Exposés ist. Mit diesem will die Stadt potenzielle Investoren anlocken. Auf den Ansichten sind massive Baukörper zu sehen, ähnlich hoch wie die umliegenden Häuser. Die Fassadengestaltung erinnert an ein Einkaufszentrum auf der grünen Wiese. Versehen sind die Ansichten allerdings mit dem Hinweis „unverbindliche Darstellung“.

Vertreter der Stadtverwaltung betonten, dass sich aus den Visualisierungen keinerlei Rechtsanspruch für künftige Investoren ergebe, genauso bauen zu dürfen. „Wir wollen keine Konkurrenz schaffen zum Weißeritzpark“, sagte Andreas Worbs von dem Stadtentwicklungs-Unternehmen Steg, das das Grobkonzept im Auftrag der Stadt entwickelt hat. „Wir zeigen hier ganz bewusst das maximal Mögliche“, so Worbs. Demnach könnten auf dem Grundstück bis zu vier Gebäuderiegel entstehen. Zur Dresdner Straße und Poisentalstraße hin ist eine abgeschlossene Bebauung geplant. Auf jeden Fall freigehalten werden soll der Blick in Richtung Windberg.

Einkaufszentrum nicht erwünscht

Im Exposé wird explizit darauf hingewiesen, dass kein Einkaufszentrum entstehen soll. Lediglich die Ansiedlung eines großen Supermarktes, eines sogenannten Vollsortimenters, sei erwünscht. Darüber hinaus sollen etwa Büros, Restaurants, kleine Geschäfte und Praxen entstehen. Generell sind die Vorgaben aber noch sehr vage. „Wir wollen keine Knebelausschreibung machen“, sagte Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU). „Bis zur Übergabe wird es sicher noch etliche Runden geben.“ Damit begründete er, warum die Vorgaben an die möglichen Investoren eher unkonkret sind. „Das ist eine Vision, wie Freital doch noch zu einem Ortszentrum kommen kann“, so Rumberg. „Es wäre schön, wenn wir uns vor Bewerbern nicht retten können.“

In der Stadtratssitzung wurde auch mitgeteilt, dass bislang zwei Investoren Interesse an der Fläche bekundet haben. Ob einer von ihnen zum Zug kommt, ist aber noch ungewiss. Mit dem Votum des Stadtrates kann das Rathaus nun weiter an der Ausschreibung des drei Fußballfelder großen Grundstücks arbeiten. Über den Ausschreibungstext stimmt dann der Stadtrat noch einmal ab. Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz sagte, dass die Fläche bis zum Ende des Jahres verkauft und damit der Investor gefunden sein soll. Der Kaufpreis liegt bei mindestens 740 000 Euro. Entscheidend wird aber nicht nur sein, welcher Investor am meisten zahlt, sondern wer das beste Konzept für das Grundstück vorlegt.

Anschließend würde ein sogenannter Bebauungsplan aufgestellt. In diesem werden alle Details, wie Gebäudehöhen und Fassadengestaltung, festgelegt. Gesetzlich festgelegt ist auch, dass dabei die Bürger mitreden dürfen. Am Ende entscheidet der Stadtrat über den Bebauungsplan. Erst dann dürfen die Arbeiten beginnen. Weil das alles sehr aufwendig ist, ist ein Baustart vor Anfang 2019 nicht realistisch – zumal vor der Ausschreibung des Grundstücks noch Dinge zu klären sind.

Weil die Stadt den Gasthof „Sächsischer Wolf“ sowie die Industriebrachen Oevermann und LMT im Jahr 2010 mithilfe von Fördermitteln abreißen ließ, darf zumindest ein Teil der Flächen eine Zeit lang nicht wieder bebaut werden – es sei denn, die Stadt zahlt den Zuschuss, den sie für den Abriss bekommen hat, zurück. Das Rathaus verhandelt deswegen zurzeit mit dem Freistaat.

„Ich bin auch nicht Fan der bunten Bilder“, sagte SPD-Fraktionschef Klaus Wolframm mit Blick auf die gezeigten Visualisierungen. „Aber es ist eine Chance für einen Stadtkern.“ Bis auf AfD-Fraktion stimmten alle Stadträte für das Grobkonzept. „Wir haben hier die Chance, die Stadt maßgeblich zu gestalten“, sagte CDU-Fraktionschef Peter Pfitzenreiter. Linke-Fraktionschef Michael Richter stellte einen Antrag, dass sich auch die städtische Wohnungsgesellschaft WGF an der Ausschreibung beteiligen soll. Da der Ausschreibungstext aber eh noch einmal Thema im Stadtrat sein wird, zog er seinen Antrag zunächst wieder zurück.