merken

Startschuss für „Kleine Hafencity“

Insgesamt sollen sechs Gebäude mit ungewöhnlicher Kunst entstehen. Ob das wirklich klappt, ist aber noch nicht klar.

© Visualisierung: Archlab Architekten

Von Sarah Grundmann

Anzeige
Wieder kunstvolle Pferdeshow in Riesa

Europas beliebteste Pferdeshow ist zurück. Am 26. und 27. Oktober startet CAVALLUNA mit „Legende der Wüste“ in der SACHSENarena die neue Tour.

Noch klafft an der Ecke Hafen-/Uferstraße ein Loch. Doch das soll sich bald ändern. Der Dresdner Investor Frank Wießner will die Brachfläche bebauen, der Startschuss fällt bereits im Sommer. Dann entstehen bis Ende 2017 zunächst drei Mehrfamilienhäuser mit etwa 39 Wohnungen. Damit soll aber nicht Schluss sein: Wießner plant weitere drei Gebäude, um auf der Uferstraße bis zur bestehenden Bebauung anzuschließen. Doch es gibt ein Problem.

Denn der Investor hat bislang nur fünf der Grundstücke in seinem Besitz, die Fläche zwischen dem dritten und fünften Haus gehört bislang der Stadt. Verkauft sie diese nicht, würde zwischen den Neubauten eine kleine Lücke klaffen. Doch der Dresdner ist optimistisch. „Wir haben bereits beantragt, dass die Stadt das Grundstück zum Verkauf ausschreibt“, sagt er. Jetzt ist diesbezüglich also erst einmal abwarten angesagt. Die Zeit nutzt Wießner aber sinnvoll, im Sommer beginnen die Arbeiten an den ersten drei Gebäuden.

Dort entstehen ein Mix aus Miets- und Eigentumswohnungen. Wer einzieht, steht zwar noch nicht fest. Denn der Verkauf hat gerade erst begonnen. „Mit der Zeit entwickelt man aber ein Gespür dafür, was geht und was nicht geht“, sagt Wießner, der seit 20 Jahren in Dresden aktiv ist. Dass die Appartements in der Hafenstraße schnell vergeben sein werden, daran zweifelt er nicht. Es gebe auch schon erste Reservierungen. „Gerade wegen des Elbblicks, den man aus jeder Wohnung hat.“ Doch die Nähe zum Wasser birgt auch Gefahren, vor allem bei Hochwasser. Für den Schutz werden die Gebäudeteile, die von den Fluten erreicht werden können, aus wasserdichtem Beton gefertigt. Auch wenn es bislang nur Reservierungen gibt, hat der Investor schon eine genaue Vorstellung, wer die Räume beziehen könnte.

„Mir ist es ein besonderes Anliegen, Wohnraum für Familien zu schaffen“, sagt der vierfache Vater. Deswegen gibt es in dem Ensemble auch einige Vierzimmerwohnungen, teilweise mit bis zu 170 Quadratmetern. Und es ist noch Luft nach oben. Denn Wießner will den künftigen Bewohnern die Möglichkeit offenlassen, zwei Appartements zu einem größeren zusammenzulegen. Neben großen sind auch Einzimmerwohnungen dabei. Dem Investor kommt es auf Vielfalt an – und das nicht nur bezüglich der Größen.

„Auch bei den Fassaden wollen wir etwas machen, was es so relativ selten in Dresden gibt“, sagt Wießner. Zwar orientiert er sich bei allen an den Gründerzeitbauten, doch wie werden ganz unterschiedlich. „Die Bewohner sollen sich ja in den Häusern wiederfinden.“ Die Moderne, die Klassische und die Bauhaus-Moderne nennt der Familienvater die verschiedenen Fassaden. Ein roter Faden zieht sich trotzdem durch das Projekt: Die Gebäude sollen ungewöhnliche Kunst beherbergen.

So wird es an der modernen Fassade des linken Hauses außergewöhnliche Balkone geben. Sie zeigen sogenannte Katagamis – Muster, die früher auf japanische Kimonos gestickt wurden. Inspiriert wurde Wießner dabei von einer Ausstellung, die im Japanischen Palais zu sehen war. Dort zeigten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ihre Sammlung ebensolcher Muster, sie ist die weltweit größte. „Ich bin stundenlang über diese Ausstellung gegangen und war begeistert“, sagt der Investor. Also hat er sich mit dem Dresdner Museum zusammengesetzt und sich die Genehmigung zur Verwendung eingeholt, die Muster sollen auch im Innenraum zu sehen sein. Künstlerisch geht es auch im rechten Gebäude im Bauhaus-Stil zu.

Dort ist eine etwas andere Deckenbemalung geplant. „Quasi eine moderne Interpretation“, sagt Wießner. Der Künstler Michael Rohde hat die Räume im Einsteinhaus in Caputh fotografiert. Diese Fotos werden im Hafenviertel an die Decke gebracht – mit einem Clou. Denn durch eine spezielle Computertechnik wirkt es für den Betrachter, als würde er von unten in die Zimmer hereinschauen.

Für den ersten Bauabschnitt investiert Wießner rund zehn Millionen. Ein Problem gibt es aber auch hier noch. Denn dem Stadtplanungsamt gefällt der Turm nicht, der im Eckgebäude entstehen soll. Deswegen müssen Architekten jetzt noch einmal Alternativvorschläge vorlegen. Erst dann gibt es die Genehmigung für die „kleine Hafencity“, wie der Investor es nennt.