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Statistiker haben sich verrechnet

Die Kommunen wachsen, in den Kitas und Schulen wird es eng. Zuzügler drängen ins Elbland.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Peggy Zill

Noch immer sterben mehr Menschen als geboren werden. Aber die Städte und Gemeinden wachsen durch Zuzügler – und trotzen den Prognosen der Statistiker. Die waren bis vergangenes Jahr davon ausgegangen, dass die Bevölkerung im Landkreis Meißen bis 2025 um mindestens zwölf Prozent sinkt.

Die aktualisierte Bevölkerungsprognose geht nun von einem leichten Wachstum aus. Das stellt die Kommunen vor Herausforderungen.

In Radeburg gibt es fast kein Bauland mehr zu kaufen

Radeburg hat unterm Strich vier Einwohner dazugewonnen. Ende Dezember wurden 7 399 gezählt. 308 Radeburger entschieden sich, ihre Heimat zu verlassen, dafür kamen 318 neu hinzu. Vor allem aus der näheren Umgebung, wie Bürgermeisterin Michaela Ritter mitteilt, aber auch aus Berlin, München, Bayreuth und Stuttgart. Auch wenn es nur ein langsames Wachstum ist, ist es spürbar, so die Bürgermeisterin. Zum Beispiel an der stetigen Nachfrage nach Bauland sowie an der Knappheit der Wohnungen. „Baugrundstücke sind bis auf wenige Einzelfälle nicht mehr verfügbar.“ Neuausweisungen und die Erschließung von Baulücken sind deshalb nötig. Unterstützt werde deshalb auch die Umnutzung von zum Beispiel ehemaliger landwirtschaftlicher Gebäude. Kitaplätze gibt es laut Michaela Ritter ausreichend in der Gemeinde.

In Weinböhla wird es in den Kitas und Schulen eng

Im Januar hat Weinböhla die 10 600-Einwohner-Marke geknackt. Laut Bürgermeister Siegfried Zenker erstreckt sich der Zuwachs über alle Altersklassen und Lebensbereiche. „Weinböhla ist jedoch auch speziell für junge Familien mit Kindern sehr attraktiv.“ Die Nachfrage nach Bauland ist hoch. Die Auslastung der Kitas habe man im Blick. „Hier werden wir gefordert sein, Möglichkeiten einer moderaten Kapazitätserweiterung zu beleuchten und uns zeitnah mit einem Kita-Träger zu verständigen.“ Sollte es so weiter gehen, müsste auch die Grundschule erweitert werden. Aber auch die Senioren dürfen laut Zenker nicht vergessen werden. Der Umbau des ehemaligen Waldhotels sowie den Seniorenwohnpark Dresdner Straße/Schwarzer Weg begrüße die Gemeinde daher sehr.

Moritzburg sucht Baulücken und plant eine neue Kita

Im Vergleich zu den Vorjahren hat Moritzburg mit einem Plus von 45 Einwohnern kräftig zugelegt. Die 512 Zugezogenen kamen im Wesentlichen aus dem Umland und Dresden, aber auch aus dem ganzen Bundesgebiet. Unter den 429 Menschen, die Moritzburg verlassen haben, waren laut Bürgermeister Jörg Hänisch auch viele junge Leute, die wegen Ausbildung und Studium gehen mussten. Hänisch ist optimistisch, dass die Zahlen stabil bleiben. Das zeige die eigene Bevölkerungsprognose, die die Gemeinde erstellen lassen hat. So kann sich mit realistischer Sicherheit planen lassen, dass zum Beispiel eine neue Kita in Boxdorf nötig sein wird. „Ebenso sind unsere beiden Grundschulen auf Dauer ausgelastet.“ Die Boxdorfer Oberschule soll erweitert werden. Dort ist inzwischen eine dauerhafte Dreizügigkeit gesichert. Auch Bauland ist in Moritzburg gefragt. Allerdings gibt es kaum noch Platz. „Wir sind derzeit dabei, ein ‚Baulückenkataster‘ zu erstellen“, so der Bürgermeister. Allerdings soll die Ortsstruktur erhalten bleiben. „Baudruck und Bauerwartung darf nicht bedeuten, sich und seine Identität aufzugeben.“

Neues Wohngebiet am Spitzgrund zieht Senioren nach Coswig

Zum ersten Mal seit Jahren hat Coswig wieder mehr als 21 000 Einwohner. Zum Vergleich: 1988 lebten noch weit über 27 000 Menschen in der Stadt. Besonders der Anteil der über 75-Jährigen steigt seit Jahren. Und auch in diesem Jahr retten die Senioren die Einwohnerstatistik. Denn die neue Seniorenwohnanlage am Spitzgrund mit 180 Wohnungen ist fertiggestellt worden. Etwa ein Viertel der Bewohner stammt aus Coswig. Die meisten Neu-Coswiger kommen aus Dresden, danach aus der näheren Umgebung wie Radebeul, Weinböhla und Moritzburg. Die Einwohnerentwicklung macht sich laut Stadtsprecherin Ulrike Tranberg in vielen Bereichen bemerkbar. „Der Mix macht’s. Wir brauchen sowohl Angebote für junge Familien als auch für Senioren. Kitaplätze, Bauland, aber auch seniorenfreundliche Wohnungen.“

Radebeul wächst in den nächsten Jahren um bis zu sechs Prozent

In Radebeul waren Ende vergangenen Jahres 41 Einwohner mehr als im Dezember 2015 gemeldet. Die Statistiker gehen davon aus, dass die Bevölkerung in den nächsten Jahren um bis zu sechs Prozent wächst. Daran muss die städtische Infrastruktur angepasst werden, sagt Stadtsprecherin Ute Leder. „Kinder, die im Kita-Alter zuziehen, brauchen dann auch den entsprechenden Schulplatz. Im baulichen Bereich muss zwischen Wünschen und den städtebaulichen Erfordernissen abgewogen werden.“