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Statt Asylbewerbern ziehen Studenten ein

Eine für viel Geld hergerichtete und nie genutzte Asyl-Unterkunft erhält eine neue Aufgabe.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

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Beine statt Auto

Lieber mal laufen statt Auto fahren: Für zwei Professoren von der TU Dresden wäre das schon ein guter Anfang. Was noch geht haben wir im Interview gefragt.

Meißen. Fast hätte man von einer Investruine sprechen müssen. Als 2015 und 2016 plötzlich Geld für Tausende Plätze in Asyl-Unterkünften floss, sanierte der Landkreis Meißen für 1,8 Millionen Euro ein aus den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammendes Lehrlingswohnheim auf der Cöllner Straße in Meißen. 75 Asylbewerber hätten dort untergebracht werden können. Als die südslawischen Länder gemeinsam mit den Visegrad-Staaten und Österreich ab 2016 die sogenannte Balkanroute abriegelten, wurde das teuer sanierte Heim nicht mehr benötigt. Nun tut sich eine neue Perspektive auf. Wie einer Vorlage für die Kreistagssitzung am Donnerstagabend im Riesaer Kulturhaus Stern zu entnehmen ist, bietet sich dem Kreis die Chance, die Immobilie an den Freistaat zu veräußern. Als Preis werden 1,55 Millionen Euro genannt. Diese Summe liege deutlich über dem Verkehrswert, heißt es aus dem Landratsamt. Ein „Erlös der Sanierungskosten“ erscheine nicht aussichtsreich.

Genutzt werden soll das Gebäude künftig voraussichtlich als Studentenwohnheim der benachbarten Verwaltungshochschule. Diese hat kürzlich von Sachsens Staatsregierung die Zusage für das größte Ausbauprojekt seit der Wende erhalten. Der Öffentliche Dienst in Sachsen steht vor einem erheblichen Generationenwechsel. Bis 2030 wird mehr als die Hälfte der Beschäftigten ausscheiden. Sachsens Behörden sind dramatisch überaltert. Die geplante Ausbildungsoffensive soll dies ändern.

Mit dem Einzug der Studenten in das frühere Lehrlingswohnheim würde zudem – zumindest teilweise – ein seit langer Zeit gehegter Wunsch der Stadt erfüllt, junge Leute in den Stadtteil Cölln zu bringen. Ob es darüber hinaus gelingt, noch mehr Studentenunterkünfte im innerstädtischen Bereich zu schaffen, scheint unterdessen zweifelhaft. Umfragen zeigen, dass die Studierenden der Verwaltungshochschule lieber zentral und konzentriert wie jetzt bereits am Standort Bohnitzsch wohnen möchten. Möglichkeiten zur Erweiterung wären dort durchaus gegeben.