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Steimles Neumarkt-Kunstwerk

© Foto/Montage: PR

Uwe Steimle will sich als Günther Zieschong auf den Neumarkt stellen - mit einer Skulptur. Am Montag soll das Werk für zwei Stunden zur Diskussion einladen. Ist das nur Provokation?

Von Nadja Laske

Günther wünscht sich Weltfrieden. Glückliche Gartenzwerge und dass endlich wieder Verlass aufs Wetter ist. Am schönsten aber wäre ne Tasse Kaffee auf dem Dresdner Fernsehturm. Panorama-Café. So herrlich hoch sitzt man dort, dass nicht mal die da oben auf einen runterschauen können. Das nervt den Herrn Zieschong nämlich: diese Belehrungen, diese Schulmeisterei, diese für-dumm-Verkaufe.

„Zwei Jahre soll das ,Denkmal für den permanenten Neuanfang‘ auf dem Neumarkt stehen bleiben“, sagt er, „so lange, bis auch der letzte Depp kapiert hat, wie schön und wertvoll dieses Kunstwerk ist.“ Das habe ihm Dresdens Kulturbürgermeisterin erklärt: Im Laufe der beiden Jahre sei Gelegenheit, ein paar Mal mehr hinzuschauen und sich eine Meinung zu bilden. Wessen Meinung denn? Frechheit! Da kommt dem Bürger der galte Gaffee hoch.

Nun wird der Fernsehturm zu Kunst. Jedenfalls ein Abbild von ihm. Mit einer Miniaturausgabe aus Holz will sich Günther Zieschong am 8. Mai auf den Neumarkt stellen. Nicht etwa für zwei Jahre, nee, für zwei Stunden, von 11 bis 13 Uhr. Länger brauchen die Dresdner auch nicht, um ein Anliegen zu verstehen, findet er. Sind ja nicht blöd!

Das sieht auch Uwe Steimle so. Er ist Zieschongs geistiger Vater und der vom Fernsehturmkunstwerk. Oben auf der Spitze des Sendemastes wird ein Halbmond prangen. „Etwa einen Meter und 70 Zentimeter hoch ist das Ganze – ohne Hitsche!“, erklärt der Kabarettist. Statt auf einer rosafarbenen Hubbühne wie das neue Dresdner Zankobjekt soll Steimles Skulptur auf einer rosaroten Fußbank ruhen. „Die ist nicht so schwer und teuer wie eine Hebebühne und braucht keine extra Genehmigung, um auf dem Neumarkt zu stehen.“

Generell handelt es sich um ein sehr preisgünstiges Kunstwerk. „Es kostet eigentlich fast nix, ein befreundeter Tischler hat es für mich gebaut.“ Und weil es so das ganze Gegenteil von 60 000 Euro teuer ist, will sich Uwe Steimle im Namen von Günther Zieschong damit um den Kunstpreis der Stadt bewerben.

Er könnte Erfolg haben. Blieb doch auch Steimles Protestklo-Aktion nicht ohne Wirkung. Vor acht Jahren hatte er auf dem Postplatz ein mit Stiefmütterchen bepflanztes Toilettenbecken aufgestellt, daran ein Schild mit der Aufschrift: „Scheiße gebaut – Stadt versaut“. Das Teil wurde abtransportiert, Steimle löste es zwei Tage später in der Rolle seiner Hausmeisterfigur Günther Zieschong bei der Stadt aus. Eine Debatte um die Wohlfühlatmosphäre des Postplatzes war angestoßen. „Heute ist er begrünt“, freut sich der Künstler.

Nichts anderes will er mit seinem Werk bezwecken: Diskussionen anschieben, „bei denen man nicht mit der Bratpfanne schmeißt“. Als Drohung vor Überfremdung verstehe er es nicht, sagt Steimle. Sein Augenzwinkern wird er mit einer Postkarte ergänzen. Sie soll als Wackelbild gestaltet mal eine Mondsichel mal ein Kreuz auf der Spitze des Fernsehturms zeigen.