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Steine auf die Weißeritztalbahn

Zwei junge Männer haben am Bahnhof Potschappel rund 10.000 Euro Schaden verursacht. Nun standen sie vor Gericht.

Von Sebastian Martin

Die Blicke sind gesenkt, die Hände gefaltet. Sichtlich nervös sitzen die beiden Angeklagten im Verhandlungssaal des Amtsgerichts in Dippoldiswalde. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Duo Sachbeschädigung auf dem Bahnhof in Freital-Potschappel vor. Am 13. September 2013 sollen die Anfang-20-Jährigen auf einen alten Schornstein geklettert sein und von dort mit Steinen geworfen haben, nachts gegen 22.30 Uhr. Dabei seien die Scheiben eines Vordachs, mehrere Straßenlaternen sowie die Steuerung einer Hubblockanlage, mit der sich Triebwagen heben lassen, kaputtgegangen. Gesamtschaden für die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft: 10.000 Euro. „Was ging Ihnen durch den Kopf“, fragt Richterin Daniela Höllrich-Wirth die jungen Männer. Die beiden zucken mit den Schultern. Sie seien auf den Schornstein geklettert, um die Aussicht zu genießen, zu quatschen und Bier zu trinken, erzählen sie mit zitternden Stimmen. Eine ganze Weile hätten sie schon da oben gesessen, ehe sie die Steine geworfen haben.

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„Und warum“, will die Richterin wissen. Beide zucken erneut mit den Schultern. „Vielleicht war ich unzufrieden“, sagt einer schließlich. „Oder frustriert.“ Denn kurz zuvor habe er von einem Problem mit dem Hüftgelenk erfahren, weshalb er das Fußballspielen aufgeben müsse. Eine Hiobsbotschaft für den jungen Mann. „Wir haben es einfach gemacht und uns reingesteigert“, erklärt der andere.

Die beiden Angeklagten betonen allerdings, dass ihnen die Tat leidtue und sie die Sache aus der Welt schaffen wollten. Noch in der Nacht hätten sie bei der Deutschen Bahn angerufen, sagen sie. Die haben die beiden aber an die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft verwiesen, bei der sie sich am nächsten Morgen sofort telefonisch gemeldet haben. Leider vergebens. Am anderen Ende nahm niemand den Hörer ab. Daraufhin haben sie eine E-Mail an den Geschädigten geschrieben, um sich für die Tat zu entschuldigten. Außerdem hätten sie gefragt, wie sie die Schäden begleichen könnten. Um die Aussage zu beweisen, holt das Duo eine Kopie hervor. Auch ein zweites und drittes Schreiben an die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft, das sie der Richterin und dem Staatsanwalt präsentieren, haben sie mitgebracht. Leider hätten sie aber nie eine Antwort erhalten.

Richterin Daniela Höllrich-Wirth erkennt „Einsicht und Reue“, und schlägt vor, das Strafverfahren gegen Auflage einzustellen. 80 Arbeitsstunden, die die angehenden Physiotherapeuten vermutlich in einem Pflegeheim leisten müssen. Hinzu kommen allerdings 10 000 Euro, die sie vermutlich an die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft bzw. deren Versicherung zahlen müssen. „An dem zivilrechtlichen Schadensersatz werden Sie noch genug zu knabbern haben“, sagt Höllrich-Wirth

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