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Steine ersetzen Kreuze

Die Holzkreuze für im Zweiten Weltkrieg gestorbene Soldaten verwittern. In die Neugestaltung der Gräber schaltet sich sogar das russische Konsulat ein.

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© Dietmar Thomas

Von Cathrin Reichelt

Döbeln. Vor Jahren ist der ehemalige Oberfriedhof zu einem Stadtpark umgestaltet worden. Trotzdem gibt es dort noch einige Gräber, die auch weiterhin erhalten werden sollen. Sie erinnern an 41 deutsche und 22 russische Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gestorben sind. Im Jahr 1991 waren für sie Holzkreuze aufgestellt worden. Ein Teil von ihnen ist verwittert, die Schrift auf den kleinen Tafeln kaum noch lesbar.

Deshalb hatte sich die Stadt schon vor längerer Zeit dazu entschlossen, die Kreuze durch Grabplatten zu ersetzen. Vor einem Jahr war noch völlig unklar, wann die Arbeiten beginnen können. Denn ohne Fördergeld von der Landesdirektion Chemnitz kann die Stadt das Vorhaben nicht umsetzen. „Wir stehen auf einer Warteliste und müssen uns gedulden, bis wir an der Reihe sind“, hatte Maja Köhler vom Planungsamt damals gegenüber dem Döbelner Anzeiger gesagt.

Die Geduld hat sich gelohnt. Inzwischen hat die Verwaltung die Zusage zur hundertprozentigen Förderung der Kosten in Höhe von rund 50 000 Euro. Und die Steinschmiede Schmidt und Wiede aus Döbeln hat das Projekt bereits zu einem großen Teil umgesetzt.

Bevor die Steinmetze mit ihrer Arbeit beginnen konnten, erfolgte eine akribische Dokumentation der bestehenden Holzkreuze. Denn die Platten sollten genau an denselben Stellen eingesetzt werden, an denen zuvor die Kreuze standen. Deshalb gibt es jetzt in zwei Reihen auch Lücken. Dort standen zuvor keine Kreuze. Mitarbeiter der Stadt haben außerdem zu den einzelnen Verstorbenen recherchiert, so dass die Beschriftung der Grabplatten noch genauer ist, als die der Kreuze. „Das betrifft Dienstgrade, die vorher nicht bekannt waren oder die Schreibweise des Namens. Aus Fischer wurde jetzt Tischer“, nennt Carsten Wiede, Geschäftsführer der Steinschmiede, zwei Beispiele.

Statt der Hacke und den Spaten mussten die Mitarbeiter der Steinschmiede diesmal den Bagger zu Hilfe nehmen, um die Löcher für die Fundamente der Grabplatten auszuheben. Der Boden war zu sehr mit starken Wurzeln durchzogen. Die etwa 80 Kilogramm schweren Platten wurden leicht schräg in den Boden gesetzt. Sie bestehen aus Nero Impala, einem Hartgestein. „Das sollte die nächsten hundert Jahre halten“, meint Wiede. Die Platten sind auf der Oberfläche poliert und seitlich stumpf. Dienstgrad, Name, Geburts- und Sterbedaten der Soldaten wurden in weiß eingraviert – soweit sie bekannt sind. Vertreten sind vom Soldaten über den Sanitätsoffizier und den Kanonier bis zum Feldwebel viele Dienstgrade. Der jüngste dort Bestattete war gerade einmal 17 Jahre alt, der älteste 56. Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass alle verletzt waren und vermutlich in einem Lazarett verstorben sind.

Bisher hat die Steinschmiede nur die Kreuze auf dem Gräberfeld für die deutschen Soldaten durch Grabplatten ersetzt. Für die Gräber der früheren russischen Militärangehörigen gibt es besondere Vorschriften. Die haben Mitarbeiter des russischen Konsulats in Berlin festgelegt, die dafür extra mehrfach nach Döbeln gekommen sind. „Die Platten müssen nicht nur oben, sondern auch an den Seiten poliert sein. Die Beschriftung soll in kyrillischen Buchstaben erfolgen und das Areal eine Graniteinfassung erhalten“, zählt Carsten Wiede auf. Die kyrillischen Buchstaben seien schon eine kleine Herausforderung. Damit nichts schief geht, hat die Firma vom Konsulat eine Computerdatei erhalten, von der sie die Buchstaben übernehmen wird. Im Herbst soll nun auch das Gräberfeld für die russischen Soldaten neu gestaltet werden.