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Stelldichein für Container

In Kodersdorf entsteht der größte Umschlagplatz Ostsachsens. Im Frühjahr beginnt der Bau des Bahnterminals.

© Lion

Von Frank-Uwe Michel

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Sven Noatzke freut sich auf den nahenden Baubeginn. „Im März oder April fangen wir an. Momentan befinden wir uns in der letzten Phase der Finanzierungsbewilligung“, sagt der Geschäftsführer der Lion Spezialtransporte GmbH aus Forst. Dann entsteht im Gewerbegebiet Kodersdorf der größte Containerumschlagplatz Ostsachsens. Zuerst gehe es um die Ausschreibung der Bauleistungen, die wegen des Einsatzes von Fördergeldern öffentlich erfolgen muss. Ist dann klar, wer den Zuschlag erhält, geht es auf dem rund fünf Hektar großen Gelände Schlag auf Schlag. „Wir errichten dort ein fünfgleisiges Bahnterminal“, erläutert der Unternehmer, der seine Firma mit dem Engagement in Kodersdorf interessant für den Warentransport der Wirtschaftsbetriebe im gesamten ostsächsischen Raum bis Dresden, aber auch jenseits der Grenze machen will. „Den nächsten Containerumschlagplatz dieser Größe gibt es erst in Riesa. Im Umkreis von 100 Kilometer sehen wir großes Transportpotenzial, das wir mit unserer Investition abdecken können.“ Noatzke denkt dabei nicht nur an den benachbarten Holzverarbeiter Schweighofer, sondern auch an Birkenstock in Bernstadt und Görlitz, an die verschiedenen Zulieferer der Automobilindustrie, sogar an Lebensmittelproduzenten wie Sachsenmilch in Leppersdorf. Verträge gebe es noch nicht, wohl aber Überlegungen.

Der Bau des Bahnterminals birgt jedoch einige Schwierigkeiten. So ist eine Neigung des Geländes bis maximal 1,5 Promille vorgeschrieben. „Liegt sie höher, vielleicht bei 15 Prozent, kann man die Züge nicht abstellen und beladen. Es entstehen Unwuchten und Ungleichgewichte, die man später nicht mehr beheben kann“, erklärt der Lion-Geschäftsführer die Notwendigkeit. Deshalb müsse man bei den anstehenden Arbeiten zum Teil bis sechs Meter in die Tiefe gehen, um die erwünschte Ebene herzustellen. Noatzke rechnet mit rund einem halben Jahr Bauzeit, sodass der Containerumschlagplatz voraussichtlich im Herbst 2018 einsatzbereit sein wird. Der Betrieb des Terminals ist rund um die Uhr geplant, sechs bis zehn Arbeitskräfte sollen sich um das Beladen, Stauen und Verladen der Container kümmern. „Wie hoch der Arbeitsaufwand dann ist, kann man momentan noch nicht absehen. Das muss sich entwickeln.“ Auf jeden Fall seien die Möglichkeiten der neuen Anlage „gigantisch“, wie der Logistik-Unternehmer meint.

Der neue Standort liegt allein schon für die Abwicklung der bisherigen Geschäftsbeziehungen der Lion GmbH äußerst günstig, transportiert die Firma doch bereits jetzt Riesenmengen von Bananen aus den deutschen Nordseehäfen ins polnische Zgorzelec, wo der Fruchtimporteur Citronex große Reifehallen betreibt und die fertigen Früchte dann an Supermarktketten in Polen und Deutschland, aber auch in der Slowakei, Ungarn, Holland und der Ukraine verkauft. Wurden die noch unreifen Vitaminspender bisher auf der Schiene von der See bis nach Forst gefahren, um dann von dort aus mit Lkw ans Ziel zu gelangen, fallen durch die bessere Lage von Kodersdorf künftig jede Menge Straßenkilometer weg. „Damit wird unser Transportangebot noch interessanter. Logistik definiert sich hauptsächlich über den Preis. Je weniger man auf der Straße und stattdessen mehr auf der Schiene unterwegs ist, desto günstiger kann man agieren“, erklärt Noatzke. Besonders positiv im Seehafen-Hinterlandverkehr sei für die Lion GmbH die Inbetriebnahme der Niederschlesien-Magistrale zum Fahrplanwechsel Ende 2018, vor allem die Elektrifizierung werde sich bemerkbar machen. „Damit fahren wir nur das kleine Stück von Kodersdorf nach Horka mit Diesel, können von dort bis zur Nordsee ausschließlich elektrifizierte Strecken nutzen.“ Beim Blick auf die Zahlen wird schnell deutlich, was tatsächlich dahinter steckt. Immerhin liegt die Kapazität bei 20 bis 30 Zügen im Monat. Jeder Zug ist mit 44 Containern beladen. Bei maximaler Auslastung trifft also jeden Tag ein voll beladener Containerzug aus Richtung Nordsee kommend im Gewerbegebiet Kodersdorf ein. Macht monatlich 1 320 Container, übers Jahr gerechnet dann 15 840. Das entspricht der gleichen Anzahl an Lkw, die nicht mehr aus Forst in die Region ausschwärmen müssen.

Eigentlich hätte der Containerumschlagplatz schon 2017 in Betrieb gehen sollen, doch die Bewilligung der Fördermittel gestaltete sich komplizierter als gedacht. Da statt der Landes- nun eine Bundesförderung fließt, waren die Konditionen andere. Die Prüfung des Fördermittelgebers nahm mehr Zeit in Anspruch, was das gesamte Projekt in der Ausführung nach hinten schob.Auf ein Wort