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Sticheleien gegen Oberhof

Mal wieder wird der Weltcup infrage gestellt. Dabei hat sich einiges getan. Und der Ort will 2023 die WM ausrichten.

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Es passte nicht so recht zur Guten-Laune-Stimmung, zu den feiernden Zuschauern und der Winteridylle. Nach dem Ausfall vor einem Jahr wurde der Oberhofer Weltcup als eine Art Wiederauferstehung gefeiert, Lob gab es von vielen Seiten. Alles wieder bestens also am Rennsteig – wenn da nicht diese Äußerungen von Marie Dorin-Habert und Kaisa Mäkäräinen gewesen wären. Die Französin und die Finnin sind beide Weltmeisterinnen und lange im Geschäft dabei, ihre Meinungen haben also durchaus Gewicht.

Die beiden stören sich daran, dass Deutschland mit Oberhof und Ruhpolding als einzige Nation zwei Weltcups ausrichten darf. „Vielleicht könnte man das ändern“, sagte Dorin-Habert. Mäkäräinen lieferte die Begründung dafür: „Wir haben jetzt viele große Biathlon-Nationen. Vor zehn Jahren war Oberhof sehr außergewöhnlich, jetzt ist es nur noch sehr gut“, argumentierte sie.

Gemeint war damit wohl die Stimmung. Die Rennsteig-Arena galt viele Jahre als die lauteste, hier strömten die meisten Zuschauer hin. Doch von den Rekordzahlen ist man inzwischen weit entfernt. Nach dem Neustart wurde die Kapazität auf 17 500 begrenzt, eine Zusatztribüne gar nicht mehr aufgebaut. Zu Hoch-Zeiten kamen mal 25 000 an den Grenzadler. Das neue Motto lautet: Klein, aber fein. Es sind ungewöhnliche Töne für einen Ort, der sich mal für das Biathlon-Epizentrum hielt.

Mehrfach schon hatte der Weltverband IBU Investitionen in die Infrastruktur angemahnt, der Freistaat reagierte und steckte in den vergangenen vier Jahren zehn Millionen Euro in das Wintersportzentrum Thüringens. Die zuständige Ministerin versprach am Wochenende, dass der Geldfluss nicht versiegen wird. Schließlich will man nicht nur den Weltcup über 2018 hinaus in Oberhof halten, sondern auch wieder eine WM in den 1 600-Einwohner-Ort holen. Nach der gescheiterten Bewerbung für 2020 nimmt man nun einen zweiten Anlauf für 2023. Auch das wurde am Sonnabend verkündet.

Über die Diskussionen um die Zukunft des Oberhofer Weltcups kann sich Erik Lesser gehörig aufregen, er findet sie „völligen Quatsch“. Wobei er befangen ist, schließlich trainiert und wohnt der 28-Jährige in dem Ort. Lesser zieht Vergleiche heran, etwa mit Presque Isle in den USA, wo die Biathleten im vergangenen Winter Station machten. „Da geht die Strafrunde um das Mediengebäude, es kommen 50 Schulkinder an die Strecke“, erzählt er. „Bevor man Oberhof also kritisiert, sollte man erst einmal schauen, dass man manch anderen Weltcup-Ort auf dieses Niveau bringt.“ Sein Trainingskollege Arnd Peiffer argumentiert, dass die beiden deutschen Ausrichter „Biathlon ein bisschen mit groß gemacht“ hätten. Sie infrage zu stellen, sei deshalb „hart und komisch“.

Ein anderes und das wohl schlagkräftigste Argument lieferte der Geschäftsführer des Deutschen Skiverbandes, Florian Kurz. Der erinnerte nicht nur an die Erfolge deutscher Biathleten, sondern auch an den „wirtschaftlichen Hintergrund“. Eine Anspielung auf die sechs Hauptsponsoren des Weltverbandes IBU – es sind allesamt deutsche Firmen. Und die haben ein gehöriges Interesse an weiterhin zwei Heimspielen. Oberhof muss sich also keine großen Sorgen machen. (SZ/dk)