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Stille statt Gedenk-Rummel

Das erste Treffen der Alliierten auf deutschem Boden 1945 fand bei Strehla statt. Wie das Ereignis gewürdigt wird, bleibt umstritten.

© Sebastian Schultz

Von Eric Weser

Strehla. Rockmusik und Feuerwerk, Vorträge und Lesungen. So könnte das jährliche Gedenken an das erste Zusammentreffen von US- und Sowjet-Soldaten im April 1945 auf deutschem Boden aussehen. Zumindest, wenn es nach der Jungen Union Meißen und Nordsachsen ginge, den regionalen Ablegern der CDU-Nachwuchsorganisation. 2016 waren die Jung-Politiker mit diesem Vorschlag an die Öffentlichkeit gegangen. Gleichzeitig kritisierten sie die bisherige Gedenk-Praxis in Strehla, dem Ort der Erstbegegnung: Mit der stillen Kranzniederlegung an der Elbe werde dem Anlass nicht genügend Rechnung getragen.

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Am 25. April wird wieder ein Kranz niedergelegt
Am 25. April wird wieder ein Kranz niedergelegt © Archiv/Weser
Anlass ist die Erstbegegnung alliierter Truppen 1945 kurz vor Kriegsende an genau dieser Stelle.
Anlass ist die Erstbegegnung alliierter Truppen 1945 kurz vor Kriegsende an genau dieser Stelle. © US-Nationalarchiv

Geändert hat der Vorstoß anscheinend nichts: Auch dieses Jahr wird am 25. April im Stillen ein Blumengeflecht am Denkmal platziert, teilt die Stadtverwaltung mit. Von Volksfest keine Spur. Das Rathaus begründet: „Viele ältere Strehlaer Bürger, die noch mit diesen Ereignissen verbunden sind, bevorzugen eine stille Kranzniederlegung.“ Veranstaltungen mit Volksfestcharakter gebe es zwar auch, so die Stadt. Aber eben nur zu runden oder halbrunden Jubiläen. Also frühestens 2020.

Die Frage, ob es nach der Kritik der Jungen Union aus dem Vorjahr Kontakt gab und mit welchen Ergebnissen, lässt die Stadt zunächst unbeantwortet. Von der Jungen Union hingegen heißt es, man habe sich mit Stadtchef Jörg Jeromin (FWG) getroffen. Es sei festgehalten worden, dass sich die Junge Union in die Gestaltung des Strehlaer Elbe Days einbringen will. Allerdings solle nichts überstürzt werden, sondern alles „konzeptionell sauber geplant“. Bei den Jung-Unionlern ist man „optimistisch, dass diese Gespräche im nächsten Jahr zu einer Zusammenarbeit zum Elbe Day führen werden“. Die Stadt Strehla bestätigt auf Nachfrage die Gespräche mit der Jungen Union. „Die konzeptionelle Gestaltung geht in Richtung 75. Jahrestag.“ Also eher 2020 statt 2018.

Angesichts der vielen dramatischen Ereignisse, die sich bei Kriegsende 1945 nicht nur am Strehlaer Elbufer, sondern der ganzen Region abgespielt haben, begrüßt der Historiker Jens Nagel, dass über Gedenkveranstaltungen nachgedacht wird. Organisatoren solcher Ereignisse sollten sich fragen, welche Akzente sie setzen wollen, rät der Leiter der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain. Reine Volksfeste lehnt Nagel ab. „Auch mit einer Feier als Tag der Befreiung haben viele Menschen hier ihre Probleme.“ Einen möglichen Akzent sieht Nagel im Fall Strehlas darin, an die Toten von der Pontonbrücke zu erinnern.

Brückentoten einen Namen geben

Das Hilfsbauwerk verband im Frühjahr 1945 Lorenzkirch und Strehla und ermöglichte Menschen die Flucht vor den Kämpfen, die aus Osten näher rückten. Am 22. April sprengte die Wehrmacht die Brücke, während diese noch voller Menschen war. Da die am Elbufer liegenden Leichen keine annehmbare Kulisse boten, inszenierten die Alliierten ihre Erstbegegnung wenig später in Torgau – obwohl sie eigentlich in Strehla stattgefunden hatte.

Viele Tote von der Pontonbrücke lägen noch heute auf dem Friedhof in Lorenzkirch, sagt Historiker Jens Nagel. Ihre Namen seien an den Gräbern nicht zu finden, wohl aber in den Unterlagen der Kirche.

Bleibt die Frage, wer die Vorbereitung und Durchführung größerer jährlicher Gedenkfeiern übernimmt. Dass die Kommunen damit überfordert sein könnten, gesteht Gedenkstätten-Leiter Jens Nagel zu. Gleichwohl gebe es Möglichkeiten, mit Organisationen wie der Stiftung Sächsische Gedenkstätten oder dem Volksbund zu sprechen. Der Jungen Union empfiehlt Nagel, Kontakte zur politischen Prominenz zu nutzen, damit die mit ihrem Besuch solche Veranstaltungen aufwertet. Nagel sieht Nachholbedarf. So sei Sachsens Ministerpräsident Tillich bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Elbe Days in Torgau nicht dabei gewesen.

Die Kranzniederlegung anlässlich des Tages der Begegnung in Strehla findet am Dienstag, 25. April, 11.30 Uhr am Denkmal statt. Darüber hinaus finden noch bis Sonntag, 30. April, diverse Veranstaltungen in Torgau statt, darunter Ausstellungen und Konzerte. Das ganze Programm: www.torgau.eu/images/pdf/elbeday2017.pdf