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Stiller Bürgerprotest am Atombunker

Die Behörden lehnen den Antrag endgültig ab, die Anlage in Bischofswerda unter Schutz zu stellen. Für die Antragsteller ist das „eine Basta-Antwort“.

In diesem Bunker lagerten von 1984 bis 1988 vier Atomsprengköpfe, jeder einzelne mit der vielfachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. Ein Banner weist auf das Mahnmal nahe der früheren Bahnstrecke nach Kamenz hin.
In diesem Bunker lagerten von 1984 bis 1988 vier Atomsprengköpfe, jeder einzelne mit der vielfachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. Ein Banner weist auf das Mahnmal nahe der früheren Bahnstrecke nach Kamenz hin. © Falk Nützsche

Bischofswerda. Fast zehn Monate ließ sich die die Denkmalschutzbehörde des Landkreises Zeit, um den Antrag von Falk und Sigrun Nützsche zu prüfen und letztendlich abzulehnen, einen ehemaligen Bunker auf dem früheren Bischofswerdaer Kasernengelände unter Denkmalschutz zu stellen. Die Antwort des Amtes auf den Widerspruch, den das Ehepaar daraufhin einlegte, kam innerhalb von wenigen Tagen, und sie fiel äußerst knapp aus. Kernaussage: „Nach Rücksprache im Amt und mit der zuständigen Kollegin des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen (LfD) teile ich Ihnen mit, dass es sich beim Schreiben vom 08.01.2019 um eine abschließende und unstrittige Einschätzung handelte“, teilte eine Mitarbeiterin vom Sachgebiet Denkmalschutz den Bischofswerdaern mit.

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Sigrun und Falk Nützsche hatten auf anderthalb Seiten ihre Argumente angeführt, warum der Bunker, in dem die sowjetische Armee in den Jahren 1984 bis 1988 dauerhaft Atomsprengköpfe gelagert hatte, unter Schutz gestellt werden sollte. Sie verwiesen unter anderem auf das Denkmalschutzgesetz, wonach auch „Teile und Spuren von Sachen“ geschützt werden können, auf die Rolle Bischofswerdas im Kalten Krieg – aufgrund der in der Region stationierten atomaren Mittelstreckenraketen wäre die Stadt ein bevorzugtes Angriffsziel gewesen – sowie auf angrenzende Radwege, die den Ort als Punkt des Verweilens und Gedenkens prädestinieren. Auf kein einziges dieser Argumente geht das auch der SZ vorliegende jüngste Schreiben aus dem Landratsamt ein. Falk Nützsche ist enttäuscht. Er spricht von einer „abschließenden Basta-Antwort“. Die zuerst begrüßte Initiative lässt man nun ins Leere laufen, erklärte der Bischofswerdaer gegenüber der SZ. „Dieser Umgang mit berechtigtem Bürgerinteresse an geschichtlichen Zeugnissen ist befremdlich und steht einer demokratischen Verwaltung schlecht zu Gesicht. Parteipolitik fernab vom Bürger und versinterte Verwaltungen geben dem künftigen Wähler zu denken. Wir sollten uns das Recht auf unsere eigene Geschichte nicht nehmen lassen“, sagt Falk Nützsche. Dabei gehe es im aktuellen Sinne auch um unsere Kinder und Enkel. – Eine hochaktuelle Mahnung, wenn man das Gezerre um die Zukunft des INF-Vertrages nimmt, auf dessen Grundlage die Raketen 1988 aus Bischofswerda abgezogen wurden.